Bauarbeiter klagen vor Arbeitsgericht: Ein „abgekartetes Spiel“?

Auf der Baustelle harrten die 30 rumänischen Arbeiter aus, bis Spender ihre Heimreise finanzierten. Foto: Anastasia Trifanova

30 rumänische Bauarbeiter streiten vor dem Arbeitsgericht Augsburg um ihren Lohn. Bauherr und Generalunternehmer sehen sich jedoch selbst als Opfer. Wer hat wen betrogen?

Eigentlich hätte es in der Güteverhandlung vor dem Augsburger Arbeitsgericht am Montag nur darum gehen sollen, den Sachverhalt zusammenzufassen. Doch Rechtsanwalt Thomas Böhmer brachte Bewegung in den Fall der rumänischen Bauarbeiter, die beklagen, für ihre Arbeit auf einer Augsburger Baustelle keinen Lohn erhalten zu haben. Der Bauherr und der Generalunternehmer seien Opfer eines „abgekarteten Spiels“, sagte Böhmer. Die Ansprüche der Arbeiter „werden rechtsmissbräuchlich geltend gemacht“. Man fühle sich „dem Verdacht eines Betruges ausgesetzt“.

Der Münchner Anwalt Böhmer und sein Kollege Tobias Kröplin vertreten die beiden Baufirmen, gegen welche die Arbeiter Klage eingereicht haben. Die 30 Rumänen, die auf dem Areal der ehemaligen Augsburger Kammgarnspinnerei (AKS) beschäftigt waren, hätten seit April keinen Lohn mehr erhalten, so der ursprüngliche Vorwurf. Angestellt waren die Männer bei einem Subunternehmer aus ihrem Heimatland. Dieser wurde von einer Augsburger Firma angeheuert, die wiederum vom Bauherren, einer Immobiliengesellschaft aus München, beauftragt wurde. Drei Wochen lang hatten die Rumänen zuletzt auf dem Gelände für ihren Lohn protestiert. Spender finanzierten schließlich die Heimreise der Männer.

Anwalt der Baufirmen: „Alle Rechnungen bezahlt“

Publik gemacht hatte den Fall der ehemalige Bauleiter, der von „moderner Sklaverei“ sprach. Dieser ist jetzt jedoch ebenfalls im Visier der Ermittler. Investor und Generalunternehmer haben Strafanzeige gegen ihn und gegen den Chef des Subunternehmers erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Grund für die Strafanzeige: Eine, so Anwalt Böhmer, „nahezu gleichlautende Klage“ sei im vergangenen Jahr auch vor dem Arbeitsgericht München verhandelt worden – inklusive überwiegend gleicher Protagonisten. Arbeitgeber sei im Münchner Fall die gleiche Firma aus Rumänien gewesen, der Bauleiter sowie acht Kläger dieselben, und auch die Baustelle sei „besetzt“ worden. Laut Böhmer stecke wohl System hinter dieser Vorgehensweise. Der Münchner Bauunternehmer sei in diesem Verfahren schließlich „eingeknickt“ und hätte Vergleichszahlungen geleistet.

Was den aktuellen Fall in Augsburg betreffe seien von seinen Mandanten „alle Rechnungen bezahlt worden“, betonte Thomas Böhmer.

Anwalt der Arbeiter: „Blanker Unsinn“

Michael Fröschl, Anwalt der Arbeiter, reagierte mit deutlichen Worten. Der Vorwurf sei „blanker Unsinn“. Es sei jedoch nicht das erste Mal, dass er in vergleichbaren Fällen solch eine Geschichte höre. Als „Trommelwirbel und den Versuch, von den eigenen betrügerischen Absichten abzulenken“, fasste er die Anschuldigungen der Gegenseite zusammen. Die Beklagten, so Fröschl, müssten erst einmal „Beweise erbringen, dass Zahlungen geflossen sind“.

Wer hat nun also Recht? Bis die Richter diese Frage klären können, wird noch einiges an Zeit vergehen. Beide Seiten sind nun aufgefordert, dem Arbeitsgericht Beweismittel vorzulegen. Als Termin für die nächste Verhandlung vor dem Arbeitsgericht wurde der 19. November festgelegt.

von Janina Funk
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