Bauern fordern Respekt

Rund 2200 Landwirte kamen anlässlich der Umweltministerkonferenz in Augsburg zusammen.

Zahlreiche Landwirte kamen anlässlich der Umweltministerkonferenz in Augsburg zusammen. Sie fürchten unüberwindliche politische Hürden, die sie in ihrer Arbeit behindern.

„Umweltschutz geht nur mit uns.“ Unter diesem Motto kamen gestern rund 2200 Landwirte aus allen Teilen Bayerns, aus Baden-Württemberg und Hessen am Königsplatz zusammen. Sie hatten sich schon frühmorgens auf den Weg gemacht und waren zum Teil mit Traktoren in die Innenstadt gekommen. Denn die Bauern wollten ein Zeichen setzen – gegenüber der Öffentlichkeit und gegenüber der Konferenz der deutschen Umweltminister, die noch bis Freitag unter Vorsitz der Bayerischen Umweltministerin Ulrike Scharf im Hotel Drei Mohren tagt.

Tierhaltung, Düngeverordnung, Hochwasserschutz und Energiewende sind nur einige der Punkte auf der Agenda der Umweltminister. Themen also, die sich massiv auf die Arbeit der Landwirte auswirken. „Gerade im Umwelt- und Naturschutz drohen, für die landwirtschaftlichen Betriebe teils unüberwindliche Hürden aufgestellt zu werden – ohne jeden Sinn und Gespür für die Familien, die von ihrer Arbeit auf dem Hof und auf den Feldern leben wollen und müssen“, sagte Walter Heidl, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes.

Um ihre Position gegen diese möglichen Auflagen zu vertreten, standen die Landwirte seit morgens um 9 Uhr am Königsplatz. Mit Schildern, Bannern und Flaggen machten sie sich gegen die Forderungen der Umweltminister stark. Dabei hoben die Bauern aber klar hervor, dass ihnen der Schutz der Umwelt ebenfalls am Herzen liege. „Wir brauchen niemanden, der uns erzählt, wie man nachhaltige Landwirtschaft betreibt. Wir bringen uns gerne ein, aber unter vernünftigen Rahmenbedingungen“, erklärte etwa ein Sprecher des Bauernverbandes.

Unter den Demonstranten war auch Alfred Kritzner, Landwirt aus Schweinfurt. „Biber zerstören bei uns ganze Wiesen und fällen unsere Obstbäume“, erzählte er. Doch aufgrund des Schutzstatus des Tieres könne er nichts dagegen tun. Und er ist nicht der einzige, dem die Artenschutzverordnungen Schwierigkeiten bereiten. „20 000 Biber – zu viel“ oder „Rettet unsere Fluren – beseitigt den Biber und die, die ihn eingesetzt haben“ verkündeten zahlreiche Protestschilder. Die Kreisobmänner des Bayerischen Bauernverbandes forderten vehement eine „sachgerechte Anpassung des starren Schutzstatus aufgrund der Probleme und Schäden durch den Biber in Bayern“.

Kritzner befürchtet, dass einzelne Politiker sich nur durch ihren Einsatz für den Umweltschutz profilieren wollen – und das auf Kosten der Landwirte. Er wünscht sich mehr Mitspracherecht und mehr Anerkennung seiner Arbeit.

Auch bei der Übergabe ihrer Resolution an Umweltministerin Ulrike Scharf, die am Ende der Kundgebung vor dem Hotel Drei Mohren erfolgte, wurde deutlich, wie sehr es den Bauern auch auf Respekt ankommt. „Wir erwarten von den Politikern Wertschätzung, denn wir machen unsere Arbeit mit Leib und Seele“, erklärte Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Und Bayernpräsident Heidl stellte klar: „Mit uns zu arbeiten, ist die Botschaft, nicht gegen uns. Und bitte auch mit uns zu reden und nicht über uns.“

Ministerin Scharf, die die Resolution der Landwirte gemeinsam mit Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, entgegen nahm, versicherte, auf der Seite der bayerischen Landwirte zu stehen. Für Heidl kommt es trotz dieser Versicherung letztendlich nur darauf an, „was am Ende bei der Konferenz heraus kommt.“

Von Kristin Deibl
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