Betäubungsskandal an bayerischen Schlachthöfen: Stadt Augsburg wehrt sich gegen Vorwürfe

Vorwürfe wurden auch gegen Schlachthof Augsburg GmbH & Co. laut. (Foto: Symbolbild, Norman Krauß - 123rf.de)
Verstöße gegen das Tierschutzrecht in bayerischen Schlachthöfen waren kürzlich Thema in der Süddeutschen Zeitung. Diese waren nach Recherchen wohl schon seit 2014 bekannt, wurden aber nicht behoben. In der Berichterstattung gab es auch Vorwürfe über massive und wiederholte Mängel bei der Betäubung von Schweinen bei der Schlachthof Augsburg GmbH & Co. KG. Die Stadt Augsburg nimmt dazu nun Stellung und teilt mit, die Vorwürfe „werden von der kontrollierenden Veterinärbehörde nicht in vollem Umfang akzeptiert“.

Wie Amtstierärztin Dr. Felicitas Allmann bestätigt, hatte das Veterinäramt bereits vor der Kontrolle des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) 2014 festgestellt, dass es immer wieder Probleme bei der Betäubungstiefe von Schlachtschweinen gab. „Es wurden alle erforderlichen Maßnahmen ergriffen, um die Ursache des Mangels zu finden und abzustellen. Dazu wurden zum Beispiel die Betäubungsgeräte ausgetauscht, die gesamte Technik überprüft und erneuert wie auch das Betäubungspersonal geschult. Warum es zu den Problemen bei der Betäubung kam, war trotz intensiver Ursachenforschung nicht zu ermitteln. Selbst die Experten des LGL sowie einer eigens beauftragten externen Beratungsfirma konnten keine Ursachen ausfindig machen“, so Amtstierärztin Dr. Allmann.

Aus veterinärmedizinischer Sicht spielt das Schlachttier selbst,
dessen Herkunft, Verhalten, Verfassung und Genetik eine entscheidende Rolle für den Betäubungserfolg. „Dieser Faktor ist weder durch den Betrieb, noch durch die amtliche Überwachung beeinflussbar“, sagt die Veterinärmedizinerin.

Um sicher zu gehen, dass kein Schwein Schmerzen beim Töten erleiden muss, wird bei Bedarf sofort nachbetäubt. Klassisch „wache“ Tiere, die zum Beispiel versuchen, sich aufzurichten – wie im TV-Beitrag gezeigt - hat es in Augsburg nicht gegeben. „Wir wissen, dass bei unseren Kontrollen kein Tier bei Bewusstsein in die Brühmaschine gelangt ist oder gelangt. Seit über einem Jahr hat es keine Probleme mehr dieser Art im Schlachthof gegeben. Dies hat auch eine Nachkontrolle der Fachaufsichtsbehörde ergeben“, so Dr. Allmann und betont: „Da der Schlachthof nicht gegen bestehende Rechtsvorgaben verstoßen hat, war auch keine Ahndung möglich.“

Die Kritik an einer zu laschen Herangehensweise der Veterinärbehörde bezüglich eines Schlachthofmitarbeiters weist das Veterinäramt zurück. „Verstöße die auch geahndet werden können, wurden umgehend mit Bußgeldern belegt. Ein Teilentzug der Schlachtsachkunde des Mitarbeiters ist ebenfalls erfolgreich herbeigeführt worden.“

Insgesamt stellt Amtstierärztin Dr. Felicitas Allmann fest, dass es bei der Tötung von Tieren zu Problemen kommen kann, deren Ursachen nicht so leicht feststellbar und abzustellen sind.
Sie weist aber darauf hin, dass die Veterinärbehörde über sehr gut ausgebildetes und erfahrenes amtliches Überwachungspersonal verfügt, dessen Fokus gezielt auf dem Tierschutz liegt. „Dies gehört wesentlich zum Beruf des Tierarztes“, so Dr. Allmann.

(pm/tab)
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