Biblische Umbauten: Studenten gestalten Anna Höfe

Der Architekturstudent Julian Heindl erhielt die höchste Anerkennung und 500 Euro für seine Entwürfe zur Umgestaltung von Lutherhof und Leuthöfle in St. Anna. Fotos: Irmgard Hoffmann
 
Die Jury zeichnete vier Studenten der Augsburger Hochschule im Zuge des Architektursemesterprojekts "Neugestaltung der St. Annahöfe" mit besonderer Anerkennung aus. Von links: Architektin Gabriele Musil, Pfarrer Thomas Hegner, Professor Bernhard Irmler, die Studenten Julian Heindl, Marius Prechtl und Thomas Geipel sowie Architekt Walter Bachhuber, Stadtdekanin Susanne Kasch und Student Tarkan Yardimci.


Die beiden Höfe von St. Anna, der Lutherhof im Kreuzgang und das Leuthöfle zur Annastraße hin, sollen nach Abschluss der Generalsanierung der Kirche neu gestaltet werden. Bei der Ideenfindung hat die Hochschule Augsburg die Kirchengemeinde St. Anna unterstützt. Zehn Studenten des Masterstudiengangs Architektur, unter Leitung von Professor Bernhard Irmler, entwickelten in einem Semesterprojekt Konzepte. Was braucht der Raum? Was braucht der Nutzer?, lauteten unter anderem die Fragen. Eine Jury, unter Vorsitz von Architekt Walter Bachhuber, bewertete nun die Entwürfe.

Die höchste Anerkennung und 500 Euro erhielt Julian Heindl. Dieser ließ sich von Psalm 1 inspirieren: "Wohl dem ... der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und seine Blätter verwelken nicht. Und was er macht, das gerät wohl." Heindls Modell integriert Sitzbänke, Bäume und Wasserläufe, öffnet den Lutherhof zum Annacafé hin. Das Leuthöfle soll tagsüber von der Fußgängerzone her geöffnet sein. Den schmalen, schlauchartigen Hof lockert Heindl durch zwei Ebenen, beleuchtete Baumgruppen und strukturierte Bodenplatten auf. Der Eingang zur Kirche soll einen Windfang erhalten.

Als gleichrangig anerkannt und mit 300 Euro ausgezeichnet wurden die Arbeiten von Thomas Geipel und Marius Prechtl. Eine besondere Anerkennung verbunden mit 400 Euro vergab die Jury für die Arbeit von Tarkan Yardimci und lobte den Studenten für seinen Mut: Yardimci setze sich zwar über die Vorgaben hinweg, er entwickle dabei aber das visionärste und stringenteste Konzept: Der Lutherhof wird dabei zu einem überdachten kommunikativen Zentrum und einem multifunktionalen Aktionsraum für Vernissagen, Trauerfeiern, Konzerte oder Lesungen. Den Eingang zum Leuthof überbaut Yardimci und schafft so neuen Raum für das Luthermuseum oder einen Shop.

Architekt Walter Bachhuber bescheinigte allen Entwürfen große Qualität. Deutlich geworden sei aber auch, dass Effekte schnell zu viel werden können. "Je einfacher, zurückhaltender und klarer die Gestaltung, desto harmonischer die Lösung", fasste Bachhuber das Ergebnis zusammen.

Im Detail bedeute dies: Ein sehr behutsamer Umgang mit Raumstruktur und Oberflächen sei nötig. Neue Elemente sollten mit Vorhandenem nicht konkurrieren. Pflanzen und Wasser sollten integriert werden. Der Leuthof solle zu einem halböffentlichen Raum auf privatem Gelände werden. Er müsse auf jeden Fall abschließbar sein, um "sozial beherrschbar zu bleiben".

Vollständig umgesetzt wird keines der vorgestellten Modelle. Stadtdekanin Susanne Kasch sieht dennoch einen großen Gewinn: "Wir haben nun ein ganz klares Bild, was wir wollen und was nicht." In einem nächsten Schritt soll ein Landschaftsarchitekt auf Grundlage der studentischen Entwürfe die konkrete Umsetzung entwickeln.

Kasch wünscht sich, dass die Höfe noch in diesem Jahr fertig werden. Dies hänge aber auch von Ergebnissen der Denkmalspflege und archäologischen Entwicklungen ab.

Die genauen Kosten für den Umbau der 400 Quadratmeter großen Höfe stehen noch nicht fest. Nicolette Mauch, zweite Vorsitzende der Freunde von St. Anna, freute sich, dass der Förderverein bereits 40 000 Euro erhalten hat. Weitere Spenden seien sehr willkommen. Auch Veranstaltungen und den Benefizweihnachtsmarkt "Engel, Stern und Apfelbrot" soll es wieder geben. (pm)
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