Bischofsvikar Dr. Meier über die Einheit der Christen beim Empfang zum Kolping-Gedenktag in Augsburg

Bischofsvikar und Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier betätigt sich beim Empfang zum Kolping-Gedenktag in Augsburg als ökumenischer Klimaforscher
Augsburg: Kolpinghaus |

Augsburg, 05.12.2016 (Pressestelle Bistum Augsburg/Kolpingwerk). Prälat Dr. Bertram Meier, Bischofsvikar für Ökumene und Interreligiöser Dialog, hat sich in seiner Ansprache beim Empfang zum Kolping-Gedenktag bei Kolping in der Diözese Augsburg am 5. Dezember 2016 im Kolpinghaus in Augsburg als „ökumenischer Klimaforscher“ betätigt. Anlässlich des Reformationsgedenkens, das im kommenden Jahr erstmals als gemeinsames Christusfest gefeiert wird, entwarf der Bischofsvikar eine „Wetterkarte“ des konfessionellen Miteinanders: „In den vergangenen Jahren erlebten wir wechselhafte Zeiten. Stürmische Tage gab es ebenso wie glühende Hitze und frostige Kälte. Auch reinigende Gewitter blieben nicht aus. Doch alles in allem ist das ökumenische Klima nicht abgekühlt.“

Ein „besonderes Hochdruckgebiet“ der Ökumene ist laut dem Bischofsvikar die Martyria, das Zeugnis. Auch Papst Franziskus weise immer wieder auf die „Ökumene des Blutes“ hin. Gerade in der heutigen Zeit brauche es ein gemeinsames christliches Zeugnis, um den aktuellen Strömungen die Stirn zu bieten: „einem Religionspluralismus, dem alle Religionen gleichwertig sind, und einem Laizismus, der keine Religion mehr braucht“. In der gesellschaftspolitischen Debatte über den Schutz des menschlichen Lebens würden die katholische und evangelische Kirche in Deutschland eigentlich bereits seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. „Leider scheint dieser Konsens des gemeinsamen Sprechens in die Gesellschaft hinein zu bröckeln“, stellt Prälat Dr. Meier fest. Doch gerade in diesem Bereich werde das gemeinsame Zeugnis zukünftig wichtiger denn je, prognostiziert der Bischofsvikar.

Das gemeinsame Fundament der verschiedenen Konfessionen sei die Heilige Schrift. „Über der Bibel haben wir uns getrennt, über die Bibel sollten wir uns einen“, so der Bischofsvikar. Daher sei das Projekt „Einheitsübersetzung“ ein „Barometer dafür, wie ernst wir diese gemeinsame Grundlage tatsächlich nehmen“. Bedauerlicherweise sei aber aus der Neuauflage der Einheitsübersetzung kein ökumenisches Projekt geworden. Die evangelische Kirche habe eine eigene neue Bibelübersetzung veröffentlicht, eine revidierte Fassung der Lutherbibel. Doch der Bischofsvikar sieht darin auch eine Chance: „Da keine Übersetzung letztlich die Tiefe und Breite des Wortes Gottes erschöpfend wiedergeben kann, sollte man die beiden Veröffentlichungen nicht als Schlagwaffen gegeneinander stellen, sondern als Möglichkeit zur wechselseitigen Bereicherung.“

Eine Fragestellung, die laut Bischofsvikar Dr. Meier noch länger „im Nebel“ liegen werde, ist die gemeinsame Eucharistie – ein Wunsch, der gerade auch an der kirchlichen Basis immer wieder zu hören sei. Allerdings sei der Weg dorthin noch weit, da das gemeinsame Herrenmahl für die Katholiken kein Mittel zur Einheit sei, „sondern ein Zeichen dafür, dass die volle Einheit da ist“. Gemeinsame Eucharistie könne es daher erst am Ende der Einheitsbestrebungen geben. Um überhaupt an eine Einheit der Christen denken zu können, sei es wichtig, den Begriff „Einheit“ zu klären. Nur so könne der Verdacht ausgeräumt werden, die römisch-katholische Kirche wolle die evangelischen Amtsträger in die kirchliche Hierarchie und unter die Führung des Papstes eingliedern, so der Bischofsvikar: „Auch das römisch-katholische Konzept der Einheit denkt nicht in den Kategorien einer Rückkehrökumene im Sinne einer monotonen Einheitlichkeit, sondern im Bild der Communio ecclesiarum, einer Gemeinschaft von Kirchen“.

Großes Potenzial für den christlichen Glauben sieht Bischofsvikar Meier in einer „Osterweiterung“ der Ökumene. Die orthodoxen Kirchen nähmen in Deutschland immer mehr an Bedeutung zu und könnten sogar eine Bereicherung für den westlichen Glauben sein: „Die Begegnung mit der orthodoxen Welt, die eine andere Art von Glauben und Beten einschließt, kann auch uns neue Zugänge eröffnen und zeigen.“ Somit sieht er die kirchlichen Strömungen aus dem Osten keineswegs als eine „Kaltfront“, sondern als ein „angenehmes Hochdruckgebiet, das mit frischer Luft und angenehmen Temperaturen, auch für Herz und Gemüt verbunden ist“.

Rund 140 Gäste waren der Einladung von Sonja Tomaschek (Diözesanvorsitzende des Kolpingwerkes), Diözesanpräses Alois Zeller (Vorsitzender der Kolping-Stiftung Augsburg) und Gebhard Kaiser (Vorsitzender des Kolping-Bildungswerkes in der Diözese Augsburg e.V.) zum Kolping-Gedenktag gefolgt. Zwischen Geburtstag des seligen Adolph Kolping am 8. Dezember und seinem Todestag bzw. liturgischen Gedenktag feiern erinnern bundesweit 2.500 Kolpingsfamilien sowie weltweit etwa eine halbe Million Mitglieder in 61 Ländern an ihren Gründer. Während der vorausgegangenen Messfeier sagte Domdekan Prälat Dr. Meier, dass der selige Adolph Kolping heute ein „praktischer Ökumeniker“ sein würde. Kolping würde in der pluralistischen Gesellschaft die Notwendigkeit des gemeinsamen ökumenischen Zeugnisses erkennen, so Meier.





Der Vortrag von Bischofvikar und Domdekan Prälat Dr. Bertram Meier ist in einer längeren Fassung unter dem Titel „Reform(ation) 1517. Wie steht es um die Ökumene 500 Jahre danach?“ in der „Augsburger Schriftenreihe“ des Sankt Ulrich Verlag unter der Nummer 58 (herausgegeben von Johann Buchart) erschienen.
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