"Blutgeld" aus dem Krieg

Die Propaganda-Medaillen zeigen vorn ein Porträt, wie hier Rupprecht von Bayern, und auf der Rückseite eine szenische Darstellung eines kämpfenden Soldaten. Foto: Kunstsammlungen und Museen Augsburg/Lenz Mayer

In seiner neuesten Schau "Blutgeld" zeigt das Maximilianmuseum Augsburg andere und neue Aspekte der Stadtgeschichte. Die Medaillen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs spiegeln die Propaganda mit ihrer Kampfverherrlichung und Kriegstreiberei wider.


Die Exponate sind allesamt in Berlin von der Münzhandlung Ball gefertigt. Wie sie allerdings in den Besitz des Maximilianmuseums kamen, sei nicht dokumentiert, erklärte Museumsleiter Christoph Emmendörffer. Die Stücke seien ein echter Überraschungsfund. Das und das Gedenken an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor rund 100 Jahren sowie das Ende des Zweiten Weltkrieges vor etwa 70 Jahren sind für das Museum Anlass, die Medaillen in einer kleinen Sonderschau zu präsentieren.

Die Medaillen dienten weder als Orden, noch als Auszeichnung oder Zahlungmittel. Sie stellen seit der Renaissance eine eigene Kunstform dar und sind Liebhaber- und Sammlerstücke. Auf den schwarzen, aus Eisen gefertigten Scheiben sind auf der Vorderseite Porträts prominenter Kriegsakteure abgebildet, so zum Beispiel der Kaiser, seine Frau oder Rupprecht von Bayern. Auf der Rückseite sind szenische Kriegsdarstellungen verewigt, die zum Teil bis zur Kriegshetze reichen. Themen wie der Tod oder die grausamen Giftgaseinsätze in Ypern bleiben aus. Zu sehen sind nur idealisierte Abbildungen des "edlen Kampfes".

Dazu passt auch, dass die Serie, die ursprünglich vermutlich bis zum Ende des Krieges fortgeführt werden sollte, 1917 endet. Eben in jener Phase des Krieges, in der sich die Bevölkerung von der Kriegsbegeisterung der Regierung und Heeresleitung nicht mehr blenden ließ. Deshalb war sie auch an den Medaillen nicht mehr interessiert.

Den Bezug zu Augsburg stellte der Kurator über Bildpostkarten her. Gerade der Perlachturm mit der Legende des Turamichele trug große Symbolkraft für die damalige Zeit. Der Erzengel, der mit jedem Glockenschlag dem Teufel einen Hieb versetzt, wurde vom Propaganda-Apparat als Bild für die Sieg- und Wehrhaftigkeit der Deutschen gedeutet.

Der zweite Augsburger Aspekt ist Bert Brecht. Ihm ist ein eigener Schaukasten gewidmet. Dort ist eine Postkarte ausgestellt, die er mit seinem Freund Fritz Geweyer für die Kriegsfürsorge gefertigt hat. Geweyer war für die Illustrationen verantwortlich, Brecht für die Texte. Erhalten ist nur die eine Karte, die jetzt im Maximilianmuseum zu sehen ist. Im Zentrum des Schaukastens steht "Das Lied von der Eisenbahntruppe vom Fort Donald", das als Beilage der Augsburger Neuesten Nachrichten 1916 erschien. Außerdem ist Brechts Militärpass ausgestellt, der seinen Dienst als Schreiber und Militärkrankenwart am "Reservelazarett Augsburg" belegt.

Kleine Kuriositäten entdeckte Emmendörffer im Museumsmagazin in einer Zigarrenschachtel: Schnitzereien des Architekten Walter Krauß. Er gehörte zu den führenden Jugendstil-Architekten in Augsburg und hat die kleinen Kunstwerke aus Wurzelholz oder Rindenstücken gefertigt, als er 1916 an der Westfront bei Colmar stationiert war. Die "Wurzelfiguren" zeigen Menschen und auch Tiere wie Papageien, Giraffen oder auch einen Adler.

Die Tierfiguren bilden einen starken Kontrast zu den propagandistischen Darstellungen auf den Medaillen der Sonderschau. "Wir konzentrieren uns hier auf die Medaillen mit dem Bezug zu Augsburg und keine Ausstellung über den gesamten Ersten Weltkrieg, denn das würde unseren Rahmen sprengen", begründete Emmendörffer den Fokus auf die Propaganda-Medaillen.

Die Sonderschau "Blutgeld" ist noch bis Sonntag, 30. August, im Maximilianmuseum immer dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr zu sehen.
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