Bordell mitten im Wohngebiet

Vogesenstraße, Kriegshaber Im Wohngebiet in der Vogesenstraße in Kriegshaber deckte ein Flugblatt ein Bordell in der Nachbarschaft auf. Foto: Florian Winkler-Ohm

Flugblatt für ein Bordell in einer Wohnung sorgt für Unruhe in Kriegshaber. Betreiber mieten sich häufig in Wohngebiete ein. Polizei und Behörden sind immer einen Schritt hinterher. Bis zu 100 heimliche Bordelle in Wohnungen soll es in Augsburg geben.

Die Anwohner in der Kriegshaber Vogesenstraße staunten kürzlich nicht schlecht, als sie in ihrem Briefkasten ein Flugblatt fanden, das angeblich von einem Bordell in der direkten Nachbarschaft stammen soll. Darin riet der bislang unbekannte Verfasser den Anwohnern, ihre Kinder nicht mehr auf der Straße spielen zu lassen, da diese die Freier - also die Kunden des Bordells in der Nachbarschaft - stören würden.

Die Vogesenstraße ist ein reines Wohngebiet. Kein Wunder also, dass viele der dort seit Jahrzehnten wohnenden Kriegshaber die Mitteilung, dass sich in einem der Häuser ihrer Nachbarschaft ein Bordell befindet, aus heiterem Himmel traf. Inzwischen steht fest, um welches Haus es sich handelt. Von außen sei dies in der Vergangenheit unscheinbar und nicht zu erkennen gewesen, berichten Anwohner.

Das im Haus befindliche älteste Gewerbe der Welt wird in der Vogesenstraße jedoch nicht mehr lange Kundschaft empfangen können: Mit Bescheid ließ das Bauordnungsamt der Stadt Augsburg dem Betreiber mitteilen, dass eine weitere Nutzung als Bordell weder geduldet noch gestattet ist.

Grund dafür ist die Ausweisung des Gebiets als reine Wohnfläche. Die Betreiber müssen spätestens zum 21. August die Nutzung beendet haben. Ansonsten drohen hohe Strafen und Bußgelder.

Einer Nutzung als Bordell hätte das Bauordnungsamt nur dann zustimmen können, wenn das Haus selbst in einem Mischgebiet mit überwiegend gewerblicher Struktur untergebracht wäre. Und auch dabei hätte es der vorherigen Zustimmung der Behörde bedurft. Beides ist im Fall der Kriegshaber Vogesenstraße nicht erfüllt. Das Etablissement wird also schon bald in ein anderes Haus umziehen.

Im übrigen keine Seltenheit: Immer wieder mieten Bordellbetreiber Wohnungen in Wohngebieten an. Außenwerbung oder auffällige Reklame gibt es nicht. Wird die Nutzung bekannt, ziehen die Betreiber einfach in eine andere Wohnung um. Polizei und städtische Behörden sind immer einen Schritt hinterher und auf Hinweise angewiesen. Diese kommen in den seltensten Fällen von Nachbarn. Meisten sind es Mitbewerber aus dem Rotlichtmilieu, welche die Hinweise geben.

So wohl auch in der Vogesenstraße: Es ist unwahrscheinlich, dass die Betreiber selbst mit einem derart "unklugen Flugblatt" die Nachbarschaft auf ihre Nutzung hingewiesen haben. Auch hier gehen die Behörden davon aus, dass der unbekannte Verfasser ein Mitbewerber ist, der auf diese Art und Weise kurzfristig unbeliebte Konkurrenz an der Ausübung ihrer Arbeit hindern möchte.

100 heimliche Bordelle in Wohnungen
Auch in Oberhausen sind in den vergangenen Jahren immer wieder Wohnungsbordelle bekannt geworden. Polizei und Stadt gehen von rund 100 nicht ordnungsgemäß betriebenen Etablissement in Augsburger Wohngebieten aus. Und so wird wohl auch das nunmehr geschlossene Bordell in Kriegshaber nur eine Verlagerung des Gewerbes bedeuten.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.