Brandschutz-Problem: Theater droht die Schließung

Der Brandschutz im Großen Haus des Theaters Augsburg ist in noch schlechterem Zustand, als befürchtet. Nun droht sogar das vorzeitige Aus für den Spielbetrieb. Foto: David Libossek

In einer eiligst einberufenen Pressekonferenz haben OB Kurt Gribl und Baureferent Gerd Merkle am Donnerstagnachmittag Alarm geschlagen: Untersuchungen im Zuschauerraum haben gezeigt, dass es um den Brandschutz im Theater deutlich schlechter bestellt ist, als bislang angenommen. Noch ist nicht klar, ob unter diesen Umständen überhaupt das Große Haus weiter bespielt werden kann.

Mit angemessen bekümmerter Miene verkündete OB Gribl: "Es sind keine guten Nachrichten." Spontan war die Augsburger Presse in den Großen Sitzungssaal des Rathauses bestellt worden, wo sonst der Stadtrat tagt.

Am Mittwoch sei man auf eine bauliche Kuriosität gestoßen, wie Baureferent Gerd Merkle ausführen durfte. Im Rahmen der Voruntersuchungen zur Theatersanierung warfen die Experten auch einen Blick in die Lüftungsschlitze unterhalb der Sessel im Zuschauerraum. Dort sahen sie Licht von der Deckenbeleuchtung im Garderobenraum durchschimmern. Diese im ersten Moment banal erscheinende Entdeckung hat allerdings einschneidende Konsequenzen. Bisher waren die Brandschützer davon ausgegangen, dass der Zuschauerraum völlig abgetrennt ist von den übrigen Gebäudeteilen. Im Fall eines Feuers könnte so kein Rauch zu den Besuchern gelangen. Eine Evakuierung würde in aller Ruhe erfolgen. Die quasi direkte Verbindung zur Garderobe ändert das komplett. Sollte dort ein Feuer ausbrechen, wären die Folgen im Zuschauerraum katastrophal. "Wenn beißender Rauch unter den Sitzen hervorquillt, die ersten Besucher husten und ihnen die Augen tränen, wenn der erste ,Feuer' schreit, dann bricht Panik aus. Der Erste, der dann stürzt, ist tot. Das ist so sicher, wie das Amen in der Kirche." Frank Habermaier leitet das Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Das Horrorszenario entspringt nicht seiner Fantasie, sondern jahrelanger Erfahrung.

Sofort nachdem er von der veränderten Situation erfahren hat, teilte er fünf zusätzliche Feuerwehrleute zum Dienst im Theater ein. "Die Vorstellung abzusagen, erschien uns unverhältnismäßig." Zwei Feuerwehrler schieben nun während einer Aufführung in der Garderobe Dienst. Notfalls seien sie auch in der Lage, einen Brand schon in der Entstehung zu löschen.

Sicherheitshalber sind Pyrotechnik und offenes Feuer im Spielbetrieb verboten. Ein weiterer Feuerwehrmann steht an der Löschanlage auf der Bühne bereit und vor dem Theater parkt für den Fall der Fälle ein Löschfahrzeug.

Diese Maßnahmen seien keine Lösung auf Dauer. Die weiteren Untersuchungen müssen nun ergeben, ob es eine bauliche Lösung für das Brandschutzrisiko gibt. Ergebnisse erwarten Gribl und Merkle erst in einigen Tagen. Bis dahin müssen die zusätzlichen Feuerwehrmänner als Schutz reichen. Sollte es keine einfache Lösung geben, dann droht das vorzeitige Ende des Spielbetriebs.

Für OB Gribl kommt die Entwicklung politisch nicht ungelegen. Immer wieder hatten die Kritiker der Theatersanierung geäußert, dass der Brandschutz ja Verhandlungssache sei. Spätestens jetzt ist klar: Dem ist nicht so. "Es wäre mir weitaus lieber, wenn wir dieses Problem nicht hätten", versichert Gribl. "Das ist keine Drohkulisse!"
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