Brecht und Deutschland: Festival startet am 28. Februar

Mit „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ wird das Festival enden. Brecht schrieb die satirische Parabel über Hitlers Machtergreifung 1941 im finnischen Exil. (Foto: Thomas Müller)

„Brecht und Deutschland – die Vaterstadt, wie empfängt sie mich wohl ?“ heißt das Thema des diesjährigen Brecht-Festivals, das von Sonntag, 28. Februar, bis Samstag, 6. März, in Augsburg stattfindet. Bereits am Freitag verleiht die Stadt den Brechtpreis an Silke Scheuermann.

Der Bertolt-Brecht-Literaturpreis der Stadt Augsburg wird alle drei Jahre vergeben und im Rahmen des Brechtfestivals verliehen. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wird an Persönlichkeiten vergeben, „die sich durch kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart in ihrem literarischen Schaffen ausgezeichnet haben“. Die Jury hat sich 2016 für die Schriftstellerin Silke Scheuermann entschieden. „Vor allem mit ihrer Lyrik deutet und kommentiert Silke Scheuermann in subtiler, niemals dogmatisierender Weise das Zeitgeschehen in filigran-kraftvoller Metaphorik. Dabei erreicht sie in ihrem Werk eine sehr eigene und außerordentlich hohe ästhetische Qualität“, so der Jury-Vorsitzende und Kulturreferent der Stadt Augsburg Thomas Weitzel. Die Vergabe am Freitag ist so das Vorspiel zur Eröffnung am Sonntag, 28. Februar.

Los geht es mit einer der vielen Mitmach-Aktionen des Festivals: „Ich kann Brecht – Brecht kann mich“ beginnt um 16 Uhr auf der Brechtbühne. Hier erhält die Augsburger Stadtgesellschaft die Möglichkeit, sich ganz unbefangen und heiter über Brecht und die Stadt auszulassen. Um 19.30 Uhr schließt sich mit „Es wechseln die Zeiten...“ eine Revue des Berliner Ensembles durch Brechts Stücke in Liedern und Gedichten an.

Einen Tag später, 29. Februar, 19.30 Uhr, wird das Stück „Brechtburg – Die Stadtratsitzung“ im Sensemble Theater aufgeführt. Hier werden Stadtratsprotokolle und Dokumente von den 50er Jahren bis heute in Betracht genommen. „Ich habe noch ein paar schöne Beleidigungen gefunden“, verrät Sebastian Seidel, Regisseur des Stücks. Denn es handelt sich um die aktualisierte und ergänzte Fassung des Stücks „Plan B. Die Stadtratssitzung“ von 2012.

„Brecht XXL. Best of brecht meets Thieme“ setzt am Dienstag, 1. März, 19 Uhr, im Goldenen Saal den Dichter Baal und den Wissenschaftler Galilei in ein Spannungsverhältnis. Thomas Thiemes bot bereits in den zwei vergangen Jahren konzertante Lesungen der Stücke „Baal“ und „Das Leben des Galilei“. In diesem Jahr werden die beiden Inszenierungen verdichtet und musikalisch von dem Bassgitarristen Arthur Thieme und dem Schulchor des Schmuttertal-Gymnasiums Diedorf untermalt.

Im Theater Großes Haus sind insgesamt drei Gastspiele zu sehen. Eines der Gastspiele ist die konzertante Aufführung von Brechts wohl erfolgreichstem und auch international bekanntestem Stück „Die Dreigroschenoper“, durch das Ensemble Modern am Mittwoch, 2. März, 20 Uhr. Quasi als Rausschmeißer aus dem Festival ist am Sonntag, 6. März, 19.30 Uhr, im Großen Haus „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ als Gastspiel des Deutschen Nationaltheaters Weimar zu sehen.

Leiter Joachim A. Lang betont, dass es ihm wichtig sei, das Brecht-Festival nicht nur auf Brechts Biografie zu beschränken, sondern auch auf aktuelle Themen Bezug zu nehmen. Vor allem die weltweite Fluchtbewegung soll hier Anklang finden. Einen wichtigen Beitrag dazu, leistet der Regisseur Jörg Wesemüller. Zusammen mit der Choreografin Simone Lindner startete er das Projekt „Exclusiv. Deutschland – Ort der Sehnsucht“. Bestehend aus Jugendlichen aus Augsburg, Afghanistan und Afrika, beschäftigt sich das Projekt mit Brechts Themen: Heimat und Fremdsein. Wie das Ankommen der Flüchtlinge hier in Deutschland sei und wie sich Deutsche und Flüchtlinge kennenlernen würden, soll in diesem Stück veranschaulicht werden. „Das Publikum soll Teil der Veranstaltung werden“, freut sich Wesemüller.

Das komplette Festival-Programm gibt es im Internet unter www.brechtfestival.de.
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