Brecht: Zu Hause in der Welt

Das Brechtfestival 2015 widmet sich Bertolt Brechts 15 Jahren im Exil. Foto: Diana Deniz

"Vertriebene sind wir, Verbannte": Das Augsburger Brechtfestival, das dieses Jahr von Freitag, 30. Januar, bis Dienstag, 10. Februar, tagt, befasst sich mit Bertolt Brechts Jahren im Exil. Von den Nationalsozialisten verfolgt, verließ der Schriftsteller im Jahr 1933 sein Heimatland in eine ungewisse Zukunft. Doch dieser schmerzhafte Lebensabschnitt des Dichters stellte auch eine schaffensreiche Periode in seinem Leben dar. Zentrale Themen in Brechts Werk sind daher die Flucht, das Exil, Krieg und Terror.

"Brecht hat ausländerfeindlichen und rechten Bestrebungen in jeder Hinsicht eine klare Absage erteilt. Eine Bewegung wie ,Pegida' hätte er nicht nur abgelehnt, sondern auch mit seinen Worten bekämpft", so Joachim Lang, der künstlerische Leiter des Augsburger Brecht-Festes in einem Interview der AICHACHER ZEITUNG. Lang unterstreicht, dass die Aktualisierung Brechts ein elementares Moment des Festivalkonzepts sei, weswegen die gegenwärtig omnipräsenten Themen Krieg und Verfolgung beim zwölftägigen Brechtfest 2015 zur Aufführung kommen und in den aktuellen Kontext gestellt werden.

Das am morgigen Tag beginnende Augsburger Brechtfestival zieht mit seinen vielfältigen Konzerten, Theatervorstellungen, Lesungen und Performances seit sechs Jahren ein breites, überregionales Publikum an und ist deswegen ein fester Bestandteil des deutschen Kulturkalenders.

Schon die diesjährige Eröffnung der Veranstaltung im Theater Augsburg am Freitag, 30. Januar, um 19 Uhr bringt einen der großen Höhepunkte des Programms auf die Bühne: Thomas Thieme, einer der wichtigsten deutschsprachigen Schauspieler, zeigt die Neuinszenierung des Brecht'schen Klassikers "Leben des Galilei". Es gibt Raum für die Zusammenarbeit von internationalen, nationalen und Augsburger Künstlern. Dieses Drama kreist um die Frage, ob es möglich ist, die Freiheit der Wissenschaft zu bewahren und ihre Erkenntnisse vor der Verwertung durch verantwortungslose Politiker zu bewahren.

Auch die Stilistik der langen Brechtnacht, die am Samstag, 31. Januar, ab 19 Uhr stattfindet, zeichnet sich durch Brechts einmalige experimentelle Theaterkunst aus, wobei die Themenfelder Flucht und Exil im Vordergrund stehen.

Besonders informativ ist die Themenreihe "Schriftsteller im Exil" von Dienstag, 3. Februar, bis Donnerstag, 5. Februar um 19.30 Uhr, die sowohl eine Lesung von, als auch ein Gespräch mit drei verschiedenen Schriftstellern, welche in ihrer Heimat aufgrund ihrer kritischen Texte bedroht oder sogar inhaftiert wurden, zum Inhalt hat.

Auch das Berliner Ensemble kommt am 9. Februar, um 19.30 Uhr mit einer seiner wichtigsten Inszenierungen nach Augsburg: "Mutter Courage und ihre Kinder".

Gleichfalls ist das Augsburger Stadttheater mit zwei Produktionen, einer Inszenierung von " Die heilige Johanna der Schlachthöfe" am Samstag, 7. Februar, um 19.30 Uhr und einem Konzert der Augsburger Philharmoniker mit dem Titel "Schauspiel für die Ohren", am Montag, 9. Februar, um 20 Uhr vertreten.

Augsburg kann sich also auch in diesem Jahr auf spannende und erkenntnisreiche zwölf Tage freuen, die 2015 ganz im Zeichen von Bertolt Brechts literarischem Gesamtwerk sowie seiner finsterer Exilzeit stehen. Diese Veranstaltung bietet Anlass zum Nachsinnen über die aktuelle politische Situation, die besonders durch Krieg, Verfolgung und anhaltende, weltweite Flüchtlingsströme gekennzeichnet ist. Schließlich hätten Intellektuelle wie Brecht das Dritte Reich nicht überlebt, hätten sie nicht Zuflucht in anderen gastfreundlichen Ländern finden können.
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