Brechtfestival: Veranstalter zieht Bilanz - bleibt Wengenroth Festival-Leiter?

3500 Besucher weniger beim Brechtfestival. Die Veranstalter sind dennoch zufrieden. (Foto: Simon Kriener)

Mit dem Gastspiel "Gas. Plädoyer einer verurteilten Mutter" des belgischen Theaters Malpertuis ist seit Sonntag das Brechtfestival zu Ende. Zehn Tage lang stand, erstmals unter der Leitung von Patrick Wengenroth, die Auseinandersetzung mit Brecht in Bezug und in Reibung zu unserer Gegenwart auf dem Programm.

"Es war ein herrlich freches, verstörendes und animierendes Festival. Eine Werkstatt zu Brecht, die ihm und seiner Person gerecht wurde: seinem Arbeiten an so vielem gleichzeitig und an so vielen Formen", meint Juliane Votteler, Intendantin des kooperierenden Theaters Augsburg. "Die Anarchie im Umgang mit der Gesellschaft und mit der Literatur. Und: der unangenehme Brecht, der, dessen Denken uns verwirrt und verängstigt, ja abstößt, kam zu Wort. Das hat mir sehr gefallen. Sehr schön war der Kontakt der Mitwirkenden mit den Mitgliedern des Festivals in Augsburg. Man kam ins Gespräch, tauschte sich aus."

Für Kulturreferent Thomas Weitzel, der Wengenroth als Festivalleiter nach Augsburg geholt hat, ging das Konzept auf. "Patrick Wengenroth ist es mit seinem Festival gelungen, das Werk Brechts von seiner politischen und diskursiven Seite auszuleuchten. Konventionelle Gattungsgrenzen wurden dabei oftmals ganz im Brechtschen Sinne gesprengt, um dessen Werk aus unterschiedlichsten Perspektiven mit der Gegenwart und ihren drängenden Fragen zu konfrontieren. Das dabei zugrunde liegende inklusive Konzept hat dem Festival auch neue Orte und Publikumsschichten in der Stadtgesellschaft erschlossen."

Vor allem ein jüngeres Publikum sei mit viel Neugierde und guter Stimmung dabei gewesen, habe sich in die Debatten eingemischt und sich offensichtlich mit dieser Art der Brechtrezeption in der Gegenwart abgeholt gefühlt.

Insgesamt besuchten rund 6500 Zuschauer das Brechtfestival 2017. Das sind etwa 3500 weniger als im vergangenen Jahr, was in erster Linie an dem deutlich reduzierten Platzangebot liege, so die Veranstalter. Da das große Haus des Theaters Augsburg aufgrund von langwierigen Renovierungsarbeiten nicht zur Verfügung stand, musste man auf Spielstätten mit niedrigerer Platzkapazität ausweichen.

Vor diesem Hintergrund sei das Verhältnis von Platzangebot und verkauften Karten zufriedenstellend.

Leitet Wengenroth das Festival weiterhin?

Ob Patrick Wengenroth das Festival auch 2018 leiten wird, ist noch nicht entschieden. Er selbst sieht die Aufgabe des Festivals darin, Brecht möglichst wahrhaftig, umfassend und mit allen Widersprüchen zu vermitteln: "Das Brechtfestival 2017 war aus meiner Sicht als Festivalleiter ein für die Zuschauer, die Mitwirkenden und die Organisatoren in jeder Hinsicht herausforderndes und zugleich beglückendes Ereignis: polarisierend, bereichernd, streitbar, komisch, nachdenklich und facettenreich. Und insofern ein Abbild all dessen, was Brechts Werk und seine Person uns - den "Nachgeborenen" - als Material und Erbe und Vision und Streit hinterlassen hat und was uns auch weiterhin fordern soll und kann und muss", resümiert Wengenroth. (pm)
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