Brechtpreis für Silke Scheuermann

Silke Scheuermann bekam den Brechtpreis für die hohe ästhetische Qualität ihrer Lyrik. (Foto: Verena Gawert)
Am Freitagabend wurde im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses der Schriftstellerin und Lyrikerin Silke Scheuermann der Brecht-Preis durch die Stadt Augsburg verliehen. Der Preis, der mit 15 000 Euro dotiert ist, geht damit zum zweiten Mal an eine Frau.
Der Oberbürgermeister Kurt Gribl eröffnete die Preisverleihung feierlich. „Der Brecht-Preis würdigt die literarische Arbeit einer Persönlichkeit, die sich durch die kritische Auseinandersetzung mit der Gegenwart in ihrem literarischen Schaffen ausgezeichnet hat. Es ist auch ein Hinweis darauf, dass sich etwas vom Geiste Brechts im Werk des jeweiligen Preisträgers äußern sollte: etwas von der kritischen Potenz und der literarischen Kunstfertigkeit des genialen Lyrikers und Dramatikers Bertolt Brecht“, so der Oberbürgermeister.
Die Jury des Brecht-Preises unter dem Vorsitz des Kulturreferenten Thomas Weitzel entschied sich einstimmig für Silke Scheuermann. „Vor allem mit ihrer Lyrik deutet und kommentiert Silke Scheuermann in subtiler, niemals dogmatisierender Weise das Zeitgeschehen in filigran-kraftvoller Metaphorik. Dabei erreicht sie in ihrem Werk eine sehr eigene und außerordentlich hohe ästhetische Qualität“, so die Begründung der Jury.
Silke Scheuermann, die 1973 in Karlsruhe geboren ist, lebt in der Nähe von Frankfurt am Main. Sie studierte Theater- und Literaturwissenschaften in Frankfurt, Leipzig und Paris und arbeitete nach ihrem Studium als freie Autorin. Ihr Debut erschien 2001 mit dem Lyrikband „Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen“. 2007 erschien ihr Roman „Die Stunde zwischen Hund und Wolf“. Zuletzt erschienen ihr Essayband „Und ich fragte den Vogel“ sowie der Lyrikband „Skizze vom Gras“. Für ihr bisheriges lyrisches Werk und vor allem für den neuen Lyrikband erhielt Scheuermann 2014 den Hölty-Preis für Lyrik.
Bei der Verleihung des Brecht-Preises, die den Auftakt zum diesjährigen Brecht-Festival darstellte, wurde die Dichterin auch insbesondere für ihr lyrisches Werk geehrt. Der Laudator Michael Braun betonte vor allem die Verwandlung als grundlegendes Verfahren und Qualität der Poesie Scheuermanns. „Die poetisches Verwandlungskunst der Silke Scheuermann, sie führt uns zurück an jenen epochalen Punkt, da wir uns im Zeitalter wissenschaftlicher und technischer Selbstüberhebung wieder an die Möglichkeiten des Menschseins erinnern müssen – zumindest an das, was noch davon zu retten ist“, so Braun in der seiner Rede.
Das Programm des Abends, das musikalisch unterhaltsam von Rainer von Vielen gestaltet wurde, fand seinen Höhepunkt in den Lesungen der sympathischen Lyrikerin. Sie trug an diesem Abend vor allem ihre Gedichte vor. In ihrer Dankesrede knüpfte sie an Brechts Gedicht „An die Nachgeborenen“ an und betonte: „Dieser Tage, hier, jetzt, können die Sprechenden nicht mehr vor der Wirklichkeit flüchten in ein Gespräch über Bäume. Bein, die Bäume, man muss nur genauer hinsehen, sind die Wirklichkeit, schwarz und tot hier, überzüchtet, hybrid da. Und auch wenn in der Natur noch Schönheit findet – wie kann man sie beschreiben, ohne die Verbrechen auszuklammern, die wir der eigenen Art sowie anderen, Tieren und Pflanzen, ganz selbstverständlich antun?“ In ihrem Lyrikband „Skizze vom Gras“ geht Scheuermann auf die Suche nach Antworten auf diese Frage.
Aus gutem Grund also überreichte der Oberbürgermeister Gribl am Freitagabend Silke Scheuermann den Brecht-Preis 2016. Nach der Überreichung der Urkunde trug sich die Dichterin noch im Goldenen Buch der Stadt Augsburg ein. Im Anschluss an die Veranstaltung fanden sich die rund 300 Gäste zu einem Empfang im Oberen Fletz des Rathauses ein. Dort stand auch ein Büchertisch mit den Bänden Scheuermanns zum Stöbern für die Gäste zur Verfügung.
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