Bremst der Bus die Tram aus?

Stadtwerke planen Änderungen im Busnetz Die Kritik am Busnetz der Stadt Augsburg ist vielfältig. Die Stadtwerke planen daher einige Änderungen. Foto: Alexander Wiedersatz

Im Augsburger Busnetz sind einige Änderungen geplant. Kritiker werfen den Stadtwerken vor, ihr Konzept nach dem Prinzip "Mehr Bus, weniger Tram" erstellt zu haben.

Fehlende Direktverbindungen, umständliche Linienführung, zu geringe Frequenz: Die Kritik am Busnetz der Stadt Augsburg ist vielfältig. Die Stadtwerke planen daher bis Ende nächsten Jahres einige Änderungen.

Vor allem im Nordosten der Stadt sei die Situation verwirrend, so die Kritiker, weil dort je nach Tageszeit die Liniennummerierung von Bussen samt des Fahrwegs wechselt. Mehr Klarheit schaffen wollen die Stadtwerke daher nun in den Stadtteilen Hammerschmiede, Firnhaberau und Lechhausen. Dort besteht auf der Strecke der Linie 22/23 im Abendverkehr keine Direktverbindung zur Stadtmitte. Nutzer der Linie 44/45, die Ersatzverbindung für die Linie 22/23 am Abend, müssen bisher umständlich in die Straßenbahn umsteigen, um in die Innenstadt zu kommen. Die Linie 44 soll daher neu strukturiert werden und künftig ganztags von der Hammerschmiede über den P+R-Platz und MAN, Karlstraße, Kö zum Bahnhof führen.

Zufrieden sind die Kritiker damit allerdings nicht. Jörg Schiffler, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr Augsburg (ANA), beklagt "im gesamten Busnetz Takt-Verschlechterungen zugunsten einer neuen Linie 44". Die Stadtwerke räumen ein, dass "die Mehrleistung durch Taktausdünnung" kompensiert werde. Dies sei jedoch vor allem nachts und sonntags der Fall.

"Sinnvolle Verlängerung der Linie 1"
Die Straßenbahnlinie 1 werde durch drei parallele Buslinien geschwächt, die in der Morgenspitze zum Teil auf 7,5 Minuten-Takt verdichtet werden sollen, kritisiert Schiffler weiter. Seine Forderung: Endlich eine "wirtschaftlich sinnvolle Verlängerung der Linie 1 in die Hammerschmiede". Schiffler beklagt insgesamt das Prinzip "Mehr Bus, weniger Tram", nach dem das Konzept der Stadtwerke, der Meinung der Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr nach, ausgerichtet sei. "Schon mit der teilweisen Abschaffung des Fünf-Minuten-Taktes bei der Straßenbahn war abzusehen, dass nicht wie es im Nahverkehrsplan vorgesehen ist, die Straßenbahn als Träger der Hauptlast gestärkt wird", so der Vorwurf.

Im Nordosten zumindest setzen die Stadtwerke tatsächlich verstärkt auf Busse, neben der neuen Linie 44 wird es weiterhin die Linien 22/23 und 48 geben, mit geänderter Streckenführung. Die Linie 46 entfällt allerdings künftig.

Im Bärenkeller soll die Linie 21 nicht mehr zu jeder Tageszeit einen Schlenker über das Gaswerk machen. Damit sollen "Umwegfahrten" vermieden werden, so die Stadtwerke. Dadurch wird es allerdings wechselnde Linienwege geben.

Die Stadtwerke begründen die Neuerungen im Fahrplan, auch mit neuen Erfordernissen, etwa durch das Entstehen neuer Stadtviertel wie dem Sheridan-Areal. Durch eine Änderung der Linienführung, soll der Bus 42 im Westen der Stadt das Sheridan-Gelände künftig miteinbeziehen. Dass mir der Strecken-Änderung der Wunsch nach einer besseren Bedienung der Sportvereine in der Stadionstraße nicht erfüllt wird, gestehen die Stadtwerke ein.

Buslinie 23: Widerstand bei Bürgerinformation
Die Stadtwerke hatten zudem geplant, die Linie 23 künftig an der Berliner Allee enden zu lassen, so dass Fahrgäste in die Straßenbahn-Linie 1 in die Innenstadt umsteigen müssen. Doch auf einer ersten Bürgerinformation regte sich so viel Widerstand, dass die Stadtwerke ihre Planungen begruben. Für Schiffler geht die Bürgerbeteiligung dennoch nicht weit genug. Mit dem Bürgerdialog vom Juli ist er nicht zufrieden: "Anregungen wurden nicht notiert und es gab keine inhaltliche Diskussion."

Gelten soll der neue Busfahrplan ab Dezember 2016. Durch das neue Konzept erhöhen sich die Kosten für den Busverkehr um 400 000 Euro auf 22,4 Millionen Euro jährlich.
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