Bühne frei für Augsburger Bekenntnisse: Junges Theater zeigt autobiografisches Stück zum Reformationsjahr

Das Bürgerbüro an der Blauen Kappe wird Schauplatz das Stationentheaters "Fromm und frei - Augsburger Bekenntnisse". Foto: Frauke Wichmann

Ernste und komische Glaubensmomente, Widerstände, innere Konflikte, aber auch innere Freiheit und Gemeinsamkeiten im Glauben - darum dreht sich das Theaterstück "Fromm und frei?! - Augsburger Bekenntnisse", das das Junge Theater Augsburg (JTA) anlässlich des Reformationsjahres aufführt. Das autobiografische Stationentheater feiert am 14. Juli Premiere im Bürgerbüro der Stadt.

500 Jahre nach Luthers Aufstand des Gewissens hat das JTA ein Bürgerbühnenstück entwickelt, das sich die Freiheit des Glaubens zum Thema macht. Frei über die eigene Zugehörigkeit zu einer Religion zu entscheiden und den gewählten Glauben ohne Einschränkungen ausüben zu dürfen, ist nicht überall auf der Welt selbstverständlich. Woran das liegt und unter welchen Voraussetzungen das möglich wäre, untersucht das Stück "Fromm und frei".

Friedliche Nachbarschaft

Mehr als zwei Drittel der Augsburger bekennen sich zu einer Religion. Es sind überwiegend Christen, gefolgt von Muslimen, Aleviten, Juden und verschiedenen anderen Glaubensrichtungen, die in friedlicher Nachbarschaft zusammen leben. Elisabeth ist seit ihrer Scheidung mit der katholischen Kirche in Konflikt. Horst-Walther pendelt zwischen den Konfessionen. Ali bekennt sich zum Islam, fünf Gebete am Tag sind für ihn Pflicht, doch nicht immer findet er dafür gleich den richtigen Ort. Saadet kleidet sich nach den Vorschriften des Islam und legt Wert darauf, den Koran selbst zu lesen. Sevde hat mit dem Kopftuch ihren Glauben nicht abgelegt. Gebro hatte als Assyrer in der Türkei Nachteile durch seinen Glauben. Marcella hat sich auf Jesus festgelegt. Fred aus Nigeria geriet durch sein neues Bekenntnis mit seiner Familie in Streit. Sabine kennt für jede Lebenslage einen Engel. Ellinors Glaubensgemeinschaft wurde von Luthers Anhängern verfolgt. Boat ist praktizierender Buddhist, Bekehrungsversuchen der christlichen Mehrheit steht er ziemlich gelassen gegenüber. In Christophs Schule sind fast alle katholisch. In Luzias Klasse landet man womöglich in einer falschen Schublade, wenn man sagt, dass man glaubt. Brigitte sollte als Schulkind für das Leben des Führers beten. Irmi betet überhaupt nicht mehr, doch irgendetwas hält sie seit Jahrzehnten vom Kirchenaustritt ab.

15 Gläubige, 15 Geschichten

Das JTA hat 34 Gläubige gefragt, wozu sie sich bekennen und wie sich ihr Glaube im Alltag auswirkt. 15 davon, im Alter von 15 bis 86 Jahren, haben in den vergangenen Monaten ein autobiographisches Theaterstück entwickelt, in dem sie davon erzählen, worauf es ihnen in ihrem Glauben ankommt. Aus den vorangegangenen Interviews und Improvisationen sind Monologe und Szenen entstanden. Unter den Mitwirkenden sind bekennende Katholiken, Moslems, Mennoniten, Protestanten, Freikirchler und Buddhisten sowie Zugehörige des syrisch-orthodoxen Glaubens, Agnostiker und Atheisten mit kulturellen Wurzeln in Deutschland, Thailand, in der Türkei, im Nahen Osten und in Afrika. Ihre Glaubensbiographien bieten eine Momentaufnahme unterschiedlicher religiöser Alltagserfahrungen. Sie bilden den Kern für ein Stationentheater, in dem die Darsteller das Publikum ins Innere eines besonderen öffentlichen Ortes führen: Im Bürgerbüro an der Blauen Kappe werden Pässe und Personalausweise ausgegeben. Hier spielt es eine Rolle, wer man ist, aber nicht woran man glaubt. Ganz oben allerdings, im obersten Stockwerk des Verwaltungsgebäudes, bekommt man nicht nur einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt, sondern vielleicht auch für einen kurzen Moment eine Ahnung davon, wie sich das anfühlen könnte: Ein Ort, an dem alle Religionen sich zu Hause fühlen können.

Das Stück ist in Kooperation mit dem Friedensbüro der Stadt Augsburg entstanden und wird im Rahmen des Programms "Reformationsjahr 2017" der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) und vom Kulturfonds Bayern gefördert. Nach der Premiere am Freitag, 14. Juli, finden im Bürgerbüro weitere Aufführungen an folgenden Terminen statt: Samstag, 15. Juli, Mittwoch, 19. Juli, Freitag, 21. Juli, Sonntag, 23. Juli, Mittwoch, 26. Juli, Freitag, 28. Juli, Samstag, 29. Juli, Freitag 4. August, sowie Samstag 5. August. Beginn ist jeweils 19.30 Uhr.

Rahmenprogramm zum Friedensfest

Das Theaterstück ist Teil des Programms zum Friedensfest vom 23. Juli bis zum 8. August. Das Rahmenprogramm umfasst aber noch weitere Aufführungen und Aktionen wie das Street-Art Projekt "Inside Out Project Augsburg", das ab Mitte Juli an einer Außenwand des Übernacht Hostel entstehen soll. Am Königsplatz will eine rund 30-köpfige junge Crew den "Taubenschlag", ein begehbares Kunstwerk, entwickeln, das Café, Konzertbühne und zentraler Ort für Vorträge, Diskussionen und Kultur sein soll.
(Von Kristin Deibl)
2
Diesen Autoren gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.