Bürger heißen Flüchtlinge im Bärenkeller willkommen

Sozialreferent Stefan Kiefer traf bei der Informationsveranstaltung über die 10 neu unterzubringenden Asylbewerber auf große Hilfsbereitschaft bei den Anwohnern im Stadtteil Bärenkeller. Foto: pm

Sozialreferent Stefan Kiefer hat am Mittwochabend zur dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern im Bärenkeller informiert. Dort empfängt man die neuen Nachbarn mit viel Ideen und großer Integrationsbereitschaft.

So ganz konnten es alle Beteiligten aus der Stadt und auch viele der Besucher nicht glauben. Denn überraschend positiv reagierten Bürger im Stadtteil Bärenkeller am Mittwoch bei der Infoveranstaltung über die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern in Augsburg. "Es gab keine einzige Ablehnung" freute sich Stefan Kiefer (SPD), Sozialreferent und 3. Bürgermeister der Stadt Augsburg, im Anschluss der Veranstaltung. "Vielmehr betrafen die angesprochenen Sorgen diejenigen, die Asyl suchen."

Die rund 70 Teilnehmer an der Infoveranstaltung, zu der die Stadt interessierte Bürger eingeladen hatte, zeigten ein großes und wertschätzendes Mitgefühl gegenüber den in der Nachbarschaft einziehenden Asylbewerbern. Sie signalisierten bereits auf der Veranstaltung ihre Hilfsbereitschaft zur schnellen Integration der neuen Bewohner im Stadtteil. Die Beteiligung dabei war so überwältigend, dass bereits während der Veranstaltung in einer Hilfsliste Maßnahmen notiert werden konnten, mit denen die Bevölkerung im Bärenkeller ihren neuen asylbegehrenden Nachbarn behilflich werden möchte. "Gerade in der Friedensstadt Augsburg, wo viele Menschen Flucht und Vertreibung erlebt haben und den Wert einer friedlichen Gesellschaft schätzen, ist es wichtig, diese Erkenntnisse denjenigen zugute kommen zu lassen, die selbst in Not den weg hierher gefunden haben", so Kiefer.

Konkret boten die Teilnehmer an, sich mit den Asylbewerbern zum Café und Sprachtraining zu treffen, aber auch, sich für andere Hilfsaktionen gegenüber den 25 neuen Stadtteilbewohnern zu engagieren. Man verständigte sich darauf, dass in den Räumen der Pfarrei St. Konrad erste Begegnungen organisiert werden sollen. Bisweilen haben im Stadtteil 15 Menschen eine neue Heimat gefunden, zehn weitere Personen werden noch erwartet. Bei den bisherigen Asylbewerbern im Bärenkeller handelt es sich um Männer aus dem Senegal, Mali, Pakistan und aus dem Kosovo.

Zwar wünschten sich einige der Besucher frühzeitigere Informationen, insbesondere darüber, wer genau zum neuen Nachbarn werde, jedoch verwies hierbei Kiefer auf den Freistaat und die Tatsache, dass die Stadt Augsburg selbst erst sehr kurzfristig Nachricht über neue Asylbewerber bekäme. Meist sei dabei nicht einmal bekannt ob Frauen, Männer oder Familien von der Stadt aufzunehmen sind. Bei der Unterbringung im Bärenkeller hatte deshalb Kiefer einen Mitarbeiter mit etwas zu essen in die Arbeiterwohnungen geschickt, da keiner die genaue Ankunft der neuen Bewohner im Detail nennen konnte. "Für die Stadt Augsburg ist die dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern Neuland", so der Sozialreferent.

Aufgrund der steigenden Zahl von Asylbewerbern in Deutschland stellt die Stadt Augsburg selbst im Auftrag des Freistaats Bayern dezentrale Unterkünfte zur Verfügung. Bislang hatte der Freistaat die Unterkunft von Asylbewerbern im Stadtgebiet durch die Anmietung und Errichtung von sogenannten Gemeinschaftsunterkünften sichergestellt. Da die von der Regierung von Schwaben im Stadtgebiet betriebenen zehn Gemeinschaftsunterkünfte bereits voll sind, musste die Stadt nun selbst nach weiteren Möglichkeiten suchen. In den Landkreisgemeinden um Augsburg herum ist diese dezentrale Unterbringung von Asylbewerbern bereits seit längerer Zeit Praxis.

Im Bärenkeller werden angemietete Wohnplätze in einem bisherigen Arbeiterwohnheim verwendet. Die Mietkosten dafür übernimmt der Freistaat. Die Stadt Augsburg hat jedoch allein für die Verwaltung und Betreuung, die Organisation von Möbeln und Ausstattung einen entsprechend neuen Personalbedarf, der aus Eigenmitteln gedeckt werden muss. Bei der Stadt Augsburg rechnet man derzeit mit vier neuen Stellen, die hier geschaffen werden müssen.

Nachdem sich die Zahl der in Augsburg lebenden Asylbewerber von derzeit 1000 Menschen auf voraussichtlich rund 1600 Menschen erhöhen wird, sucht man derzeit weiter nach geeigneten Immobilien zur Unterbringung.
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