Caritas erreicht personelle und finanzielle Grenzen

Caritas: Dietmar Bauer, Andreas Magg, Wolfgang Friedel (von links) fordern von der Politik mehr Unterstützung in der Asyl-Sozialberatung. Foto: Kristin Deibl

Für die große Anzahl an Flüchtlingen richtet der Caritasverband Augsburg zahlreiche neue Stellen in der Asyl-Sozialberatung ein. Doch die Finanzierung gestaltet sich als schwierig, trotz Förderung durch den Freistaat Bayern.

In den vergangenen zwei Jahren hat sich die Zahl der Asylsuchenden verzehnfacht. "Jeden Monat ploppt ein kleines schwäbisches Dorf aus dem Boden", fasst Andreas Magg, Diözesan-Caritasdirektor und Domkapitular, die Situation zusammen. Für diese Masse an Flüchtlingen sind verhältnismäßig wenig Mitarbeiter der Caritas zuständig. Der Schlüssel liegt bei einer Stelle je 150 Flüchtlinge, doch de facto kümmert sich ein Sozialarbeiter um rund 200 Asylsuchende, die in den meisten Fällen zudem in verschiedenen dezentralen Unterkünften untergebracht sind. Dadurch geht viel Zeit für Fahrten verloren, die eigentlich den Asylbewerbern zugute kommen sollte. Idealerweise sollten die Flüchtlinge in die Büros der Caritas kommen, doch oft genug gibt es Notfälle, bei denen jemand vor Ort sein muss. "Unsere Mitarbeiter sind häufig als Feuerwehr unterwegs", erklärt Wolfgang Friedel, Leiter des Referates Migration und Auslandshilfe des Diözesan-Caritasverbandes.

Zusätzlich fungieren die Sozialarbeiter als Ansprechpartner für die Landkreise, Pfarreien und Ehrenamtlichen. "Wir haben sehr qualifizierte, motivierte und engagierte Mitarbeiter", so Magg. "Doch sie sind an den Grenzen ihrer Belastbarkeit."

Um die Sozialarbeiter zu entlasten, sollen nun neue Stellen geschaffen werden. Der Freistaat Bayern übernimmt offiziell 80 Prozent der Kosten. Das folgende Beispiel zeigt, dass die Caritas tatsächlich aber mehr als die Hälfte aus Eigenmitteln finanzieren muss. Durchschnittlich 60 486 Euro an Personalkosten fallen für den Caritasverband für eine Vollzeitstelle an. Hinzu kommen 11 000 Euro für Miete der Büros, Fahrzeuge und PCs. Insgesamt kostet ein Sozialarbeiter also 71 486 Euro. Der Freistaat allerdings sieht, nach Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder, die Personalkosten bei 50 916 Euro. Nach Abzügen für den Anteil des Trägers bleiben 35 473 Euro als tatsächliche Höhe des Förderzuschusses. Der Caritasverband muss folglich 36 012 Euro selbst tragen.

Dafür muss ein Teil des Bestandes verwendet werden und der Gesamthaushalt wird negativ. "Wir tun sehr viel und nehmen uns gerne der Flüchtlinge an", betont Magg. "Das ist eine freiwillige Leistung von unserer Seite."

Die Situation ist für die Caritas schwierig, denn auch andere Einrichtungen, beispielsweise für Suchtkranke oder psychisch Kranke, sollen darunter nicht leiden müssen. Wie Friedel erklärt, seien die Förderungsrichtlinien schon 2013 ausgelaufen. Ein neuer Fördersatz könne also festgelegt werden, doch noch seien keine neuen Richtlinien in Sicht. "Die Rahmenbedingungen sollten sich verbessern, sonst wird die Asyl-Sozialberatung ins Stocken geraten", fordert Dietmar Bauer, Leiter des Sozialbereiches des Diözesan-Caritasverbandes, eine Nachbesserung von der Politik. Denn sollte sich das System nicht ändern, wird eine weitere Aufstockung im Bereich der Mitarbeiter kaum noch möglich sein und die derzeitige personelle Situation könnte eine professionelle Beratung der Asylsuchenden nicht mehr abdecken. Ein Ende der Flüchtlingswelle ist aber nicht absehbar, da es immer neue Krisenherde gibt.
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