"Christoph 40" ist seit einem Jahr im Dienst

"Christoph 40" ist seit einem Jahr im Dienst. Sein Zuhause ist die höchste Luftrettungsplattform in Deutschland. Foto: Verena Gawert

Genau ein Jahr ist es her: Am 28. Januar 2014 um 7 Uhr meldete sich "Christoph 40" in der integrierten Rettungsleitstelle Augsburg zum ersten Mal einsatzbereit. Für den ADAC, der den Helikopter betreibt, ein willkommener Anlass, gestern im Rahmen des "Tags der ADAC Luftrettung", eine Bilanz zu ziehen.

Rüdiger Lode, Vorstand für Verkehr, Umwelt und Fahrzeugtechnik des ADAC Südbayern, fasste zusammen, dass seit dem Betriebsbeginn von "Christoph 40" die Hubschrauberbesatzungen zu 1186 Einsätzen ausgerückt sind und dabei 1125 Patienten versorgten. 87,4 Prozent dieser Flüge waren sogenannte "Primäreinsätze", bei denen der Hubschrauber vor allem in ländlichen, abgelegenen Regionen als Notarztzubringer fungierte oder den schnellen Transport akut Erkrankter oder Verletzter in eine Fachklinik durchführte.

Nur bei 5,6 Prozent der Einsätze handelte es sich um "Sekundärtransporte", bei denen ein Patient von einem Krankenhaus niedriger Versorgungsstufe in ein Spezialklinikum mit erweiterten Therapiemöglichkeiten gebracht wurde. Darüber hinaus stellten sich 83 Alarme als Fehleinsätze heraus, was beispielsweise der Fall ist, wenn die Besatzung auf ihrem Anflug abbestellt wird, da sich die Situation am Einsatzort als doch nicht so gravierend herausstellte.

Diese Bilanz ist in der Tat beachtlich, wenn man bedenkt, dass die Einsatzfrequenz von "Christoph 40" auf Anhieb in etwa das Niveau der benachbarten ADAC-Maschinen in Ingolstadt und Ulm erreicht hat.

"Dies ist ein eindrucksvoller Beleg dafür, dass der Augsburger ADAC-Rettungshubschrauber eine Lücke in der Luftrettung geschlossen hat", kommentierte Rüdiger Lode.

Neben dem Luftrettungsstützpunkt in Augsburg - Deutschlands höchstgelegener Luftrettungsplattform - gibt es im Freistaat weitere Stützpunkte in Bayreuth, Ingolstadt, München, Murnau, Ochsenfurt und Straubing sowie die Maschinen aus dem oberösterreichischen Suben, dem baden-württembergischen Ulm und dem hessischen Fulda, die grenzübergreifend zu Einsätzen in Bayern aufgerufen werden. Jedoch überlappen sich einzelne Einsatzgebiete, wie Ingolstadt und München, um eine optimale und schnellstmögliche Patientenversorgung zu gewährleisten.

Diese bayerische Rettungshubschrauber-Flotte ging im vergangenen Jahr 11 430 Mal in die Luft und führte damit über ein Fünftel der Luftrettungseinsätze in Deutschland durch.

Zudem erläuterte Stefan Würz, Chef der Integrierten Rettungsleitstelle Augsburg, dass im Jahr 2014 die häufigste Einsatzursache internistische Notfälle, wie akute Herz- und Kreislauferkrankungen waren. An zweiter Stelle folgten Unfälle bei der Arbeit, in der Schule, in der Freizeit oder im häuslichen Umfeld. Verkehrsunfälle stellten den dritthäufigsten Anforderungsgrund dar und neurologische Notfälle wie Schlaganfallerkrankungen folgten an vierter Stelle.

"Die Zahl der schwerwiegenden Einsätze war im Jahr 2014 sehr hoch", merkte der leitende Hubschraubernotarzt Stefan Nuber an "doch besonders der 29. August 2014 ist mir im Gedächtnis geblieben: An diesem Tag war ich ganze 15 Stunden bei sieben schweren Einsätzen mit zwei Todesopfern unterwegs."

Allerdings sind trotz der beeindruckenden Bilanz nicht alle mit "Christoph 40" zufrieden. Daniel Bravi, der Stationsleiter der Augsburger Flugrettung, berichtet, dass es seit dem Betriebsbeginn des 2400 Kilogramm schweren "Christoph 40" von seiten mehrerer Anwohner zu Lärmbeschwerden gekommen sei. "Der Rettungshelikopter ist mit 80 Dezibel eine sehr leise Maschine, daher kann man kaum von einer Lärmbelästigung sprechen", ist er selbst überzeugt. Er hofft, dass sich bald auch die letzten Kritiker mit dem "gelben Engel" in der Nachbarschaft anfreunden.
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