Das große Buddeln beginnt

Die nördliche Entlastungsstraße ist der erste Bauabschnitt der Ortsumfahrung Zusmarshausen, auf der künftig täglich 4000 Fahrzeuge brausen sollen. Gerade bei Unfällen auf der Autobahn A 8 rollt der gesamte Umleitungsverkehr durch Zusmarshausen und sorgt für Ausnahmezustände im Markt.

Die nördliche Entlastungsstraße verläuft parallel zur A 8 und verbindet die B 10 bei Friedensdorf mit der Staatsstraße 2027 bei der Anschlussstelle der A 8. Beim Spatenstich am Donnerstag lieferte Johannes Fischer vom Staatlichen Bauamt Augsburg die Zahlen zum Projekt: 901 Meter ist die nördliche Umfahrung lang, 110 000 Kubikmeter Erde müssen bewegt werden, bis die Straße fertig ist – das entspricht 200 Schwimmbecken voller Erde wie dem in Zusmarshausen. Insgesamt 115 000 Quadratmeter, das sind 16 Fußballplätze, benötigt die Umfahrung, dazu gehören unter anderem Ausgleichsflächen, wobei die Asphaltfläche lediglich zwei Fußballplätze groß sein wird. Bis Dezember 2015 soll das Projekt fertig sein.

Laut Bürgermeister Albert Lettinger gab es bereits im Jahr 1999 erste Überlegungen, die B 10 und die St 2027 zu verbinden. Doch erst im Zusammenhang mit den Planungen zum sechsspurigen Ausbau der A 8 beschloss der Gemeinderat 2004, die Planungen für eine nördliche Entlastungsstraße fortzusetzen. Zehn Varianten kamen ins Spiel – Variante zehn machte das Rennen. „Durch den Anschluss der nördlichen Umfahrung an die B 10 ist es nun möglich, den Lärmschutz für Friedensdorf sowohl zur A 8 als auch zur B 10 durch einen freiwilligen, ergänzenden Lärmschutz bis zum letzten südlichen Anwesen zu verbessern“, erklärte Lettinger. Bislang sei der südliche Teil noch ungeschützt.

Die Gesamtkosten der Nordumfahrung einschließlich Grunderwerb, Planung, Lärmschutz, Ausgleichs- und Rententionsflächen, Beleuchtung, neuen Bushaltestellen, der Verlegung von Leitungen und archäologischen Untersuchungen betragen laut Lettinger 5,9 Millionen Euro. Da die nördliche Entlastungsstraße aber der erste Bauabschnitt der Gesamtumgehung ist, habe der Markt Zusmarhausen die Möglichkeit, die Straße als Staatsstraße in kommunaler Sonderbaulast zu realisieren, wofür es staatliche Zuwendungen aus dem Sonderbaulastprogramm für Staatsstraßen gibt. „Nach Abzug der staatlichen Zuwendungen in Höhe von 82 Prozent verbleibt für den Markt Zusmarshausen so ein zu finanzierender Eigenanteil von etwa einer Million Euro“, erläuterte Lettinger.

Ursprünglich hatte das Planungsbüro Steinbacher Consult die Gesamtkosten des Projekts auf 2,5 Millionen Euro geschätzt. Dass die Entlastungsstraße nun 5,9 Millionen kostet, hatten mehrere Gemeinderäte von CSU und SPD/Aktives Bürgerforum in einer Pressemitteilung wenige Tage vor dem Spatenstich kritisiert. Die Marktgemeinderäte beantragten auch eine öffentliche Sitzung des Marktgemeinderats, um die Kostenentwicklung der nördlichen Umfahrung offenzulegen. Denn, so heißt es in dem Schreiben, bei Kenntnis der wahren Kosten wäre das Projekt nördliche Umfahrung gar nicht weiterverfolgt worden.

Eine Sondersitzung dazu fand bereits am Montag statt. Planungsbüro und Straßenbauamt werden in der Marktgemeinderatsitzung am Dienstag, 5. November, 19.30 Uhr, mit dabei sein und Stellung nehmen.

Für Lettinger ist klar, dass es sich bei dem Antrag der Gemeinderäte um Wahlkampf handle. Dass die Entlastungsstraße 5,9 Millionen Euro kostet, stehe seit 2010/2011 im Investitionsprogramm.

Stefan Steinbacher von Steinbacher Consult forderte beim Ortstermin am Donnerstag einen fairen Vergleich: Die 2,5 Millionen Euro sei eine Zahl gewesen, die es gab, als noch kein einziger Strich von der Planung stand.
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