Das Potenzial hinter den Schwächen

Armin Beiersdörfer hat im Berufsbildungswerk Augsburg seine Ausbildung gemacht und ist heute ein geschätzter Mitarbeiter in einem Pflegeheim für Senioren. (Foto: KJF/Winfried Karg)

Auch mit deutlichen Schwächen kann das Leben gelingen. Das zeigen die Absolventen des Berufsbildungswerks Augsburg immer wieder, die mit verschiedenen Einschränkungen dorthin kommen und eine Berufsausbildung absolvieren.



Die Chancen, dass sie danach auf dem freien Arbeitsmarkt eine Stelle bekommen und sich ihren Lebensunterhalt verdienen können, sind gut.
Der Behindertenausweis, den viele von ihnen aufgrund ihrer Einschränkungen beantragen könnten, spielt oft keine Rolle, wenn die jungen Leute die Anforderungen einer bestimmten Stelle erfüllen und ihre zweifellos vorhandenen Schwächen durch Stärken ausgleichen. Darauf weist der Träger des Berufsbildungswerkes, die Katholische Jugendfürsorge (KJF), zum Welttag der Menschen mit Behinderung hin, der heute begangen wird.

Da ist zum Beispiel Armin Beiersdörfer. Er wuchs in Paderborn auf und besuchte dort aufgrund seiner Lernschwächen eine Förderschule. Dazu kommt ein angeborener Herzfehler.

Gegen Ende der Schulzeit kam dann die gleiche Frage wie bei allen Heranwachsenden: Welcher Beruf soll es werden? Schwere körperliche Tätigkeiten kamen nicht in Frage, zu kopflastige Tätigkeiten auch nicht. Durch ein Praktikum wurde dann klar: Der Umgang mit Menschen ist seine große Stärke. Und seither hat er darauf konsequent aufgebaut und sein Leben in die Hand genommen.

Heute ist Armin Beiersdörfer ein geschätzter Mitarbeiter im Seniorenpflegeheim Augustahof im Augsburger Stadtteil Lechhausen, wo er vor kurzem einen unbefristeten Vertrag bekommen hat. Petra Fachet, die das Pflegeheim der Casa-Reha-Gruppe leitet, ist voll des Lobes über ihren Mitarbeiter. „Herr Beiersdörfer ist ein sehr freundlicher, gegenüber den Bewohnern sehr zuvorkommender Mitarbeiter mit viel Potenzial“, sagt sie. „Er zeigt viel Einfühlungsvermögen und ich bin froh, dass wir ihm eine Chance gegeben haben und ich möchte ihn nicht missen.“

Im Berufsbildungswerk Augsburg verfolgt man das Ziel, bei Menschen mit großen Einschränkungen die Stärken herauszufinden und dann konsequent zu nutzen. Die Ausbildung zum Altenpfleger hätte Beiersdörfer nicht geschafft, „das Problem wäre die Theorie gewesen“, sagt der junge Mann selbst. Genau für solche Menschen hatte man vor einigen Jahren in Zusammenarbeit mit der IHK die Ausbildung zum Fachhelfer für personale Dienstleistungen entwickelt. Da es diese Möglichkeit in seiner Heimat nicht gab, zog er von Paderborn ins Internat des Berufsbildungswerkes und wurde dort auch nach Feierabend gezielt gefördert. „Nähen, Wäsche machen, kochen: Wir haben gelernt, selbstständig zu werden, und das finde ich sehr gut“, sagt er heute. Jetzt ist er an der richtigen Stelle angekommen, hat eine eigene Wohnung, und die Arbeit macht ihm Freude.

Die Pflege der alten Menschen, aber auch die persönliche Zuwendung, der Kontakt mit ihnen liegt ihm. „Man muss vom Wesen her dafür geeignet sein und zum Beispiel Mitgefühl zeigen können, aber auch teamfähig sein und pünktlich, sonst klappt das gar nicht“ schildert Beiersdörfer seine Arbeit. „Natürlich gibt es für die Betreuung der Senioren spezielle Fachkräfte, aber wir gehen auch auf die Bewohner zu und trösten sie, zum Beispiel wenn sie sehr traurig sind.“

Die Herzschwäche und die Lernprobleme des jungen Mannes sind nicht verschwunden, aber er hat sich von ihnen nicht kleinkriegen lassen. Die Arbeitsagentur hat ihm die Ausbildung bezahlt und bekommt dafür nun viele Jahre lang seine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung. So haben auf lange Sicht alle einen großen Nutzen von dieser Investition: Er selbst, die Senioren im Pflegeheim, und letztlich die ganze Gesellschaft.

Winfried Karg
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