Das Projekt "Wir - daheim in Graben" schlägt Wellen

Das Projekt "Wir - daheim in Graben!" will Wege und Möglichkeiten erarbeiten, eine bunte Gemeinde und eine attraktive Heimat für alle Bürger zu schaffen. Mit dem Projekt soll Gemeinsinn, Solidarität und somit das gesamte Gemeinwesen nachhaltig gestärkt werden.

Etwa zwei Drittel aller Menschen in Bayern leben in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern. Eine dieser Gemeinden ist Graben im Landkreis Augsburg. Graben stellt sich den Herausforderungen, die die demographische Entwicklung mit sich bringt. Menschen mit Behinderung, mit krankheits- oder altersbedingten Einschränkungen wünschen sich, auch mit ihrem besonderen Unterstützungsbedarf daheim bleiben zu können. Bisher müssen sie häufig trotz vielfältiger Anstrengungen in eine Wohnstätte oder eine Pflegeeinrichtung umziehen und damit ihre Heimat verlassen.

Das Projekt "Wir - daheim in Graben!" hat Modellcharakter für andere ländliche Gemeinden, die vor ähnlichen demografischen Herausforderungen und damit verbundenen Problemen stehen. Das, was in Graben an Ideen, an Engagement, an Vernetzungen und Kooperationen entwickelt und ungesetzt wird, soll anderen Gemeinden als Beispiel und Erfahrungsgrundlage dienen.

Damit das Projekt "Wir - daheim in Graben!" diesen Anspruch erfüllen kann, wurde die Universität Augsburg mit ihren Lehrstühlen für Humangeografie und Geo-Informatik sowie für Soziologie in das Projekt mit eingebunden. Weitere Kooperationspartner sind der Caritasverband für die Diözese Augsburg, die Gemeinde Graben, der Landkreis Augsburg, der Verein Begegnungsland Wertach.

"Es ist für die älteren Menschen, die hier verwurzelt sind. Die finden es so klasse, dass sie sagen, ich will hier alt werden." Diese Aussage eines Bürgers aus der Gemeinde Graben ist ein Beispiel dafür, wie das Projekt "Wir - daheim in Graben", bei den Menschen, die in dieser Gemeinde leben und sich freiwillig engagieren, ankommt.

Einen Blick hinter die Kulissen mit einer Reihe von O-Tönen boten Professor Dr. Annette Plankensteiner von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Professorin für Theorien und Methoden Sozialer Arbeit, und Kristina Greissl von der Universität Augsburg in einem Workshop der Caritas im Haus St. Ulrich in Augsburg.

Über drei Jahre hinweg wird das Modellprojekt wissenschaftlich begleitet. Dabei entstanden bereits zahlreiche Interviews, die die beiden Wissenschaftlerinnen in ihrem Workshop beim Fachtag unter dem Titel "Dahoam is dahoam - Gemeindeleben unter der Lupe", vorstellten.

Deutlich wurde dabei, wie aus zunächst ganz persönlichen Motiven, sich für andere einzusetzen, das Bewusstsein für eine Dorfgemeinschaft erwachsen kann, in der sich junge und ältere Menschen, Alteingesessene und Neuburger gleichermaßen zuhause fühlen.

Warum engagieren sich Menschen für andere? Warum bieten sie sich, wie es in Graben der Fall ist, als Fahrer für einen Fahrdienst an, der jede Woche zu einer festen Zeit zur nächsten Stadt zum Supermarkt fährt? Warum stellen sich Leih-Omas zur Kinderbetreuung zur Verfügung? Plankensteiner erkennt dahinter zunächst "hoch individuelle Motive". Diese Menschen werden wieder gebraucht, können ihre Freizeit sinnvoll auf einem gesellschaftlich anerkannten Betätigungsfeld verbringen und sich dabei selbst entfalten.

Allein schon, dass die Bürger positiv wahrnehmen, "dass hier im Dorf niemand vereinsamen muss", sei ein toller Schritt, so Greissl. Ein Schritt dorthin, was das Projekt unter dem Begriff "Inklusion" benennt.

Festgestellt wurde bei dieser wissenschaftlichen Begleitung des Projekts aber auch, dass die Bereitschaft, selbst zu helfen, größer ist, als sich helfen zu lassen. "Bei uns in der Gesellschaft ist es nicht üblich, dass Hilfe angenommen wird", so Greissl. "Wir sehen jedoch, dass sich durch das Projekt eventuell eine Kultur entwickelt, dass es selbstverständlicher wird, zu helfen und sich helfen zu lassen". Klar gemacht wurde bei diesem Workshop ebenso, dass es sich bei diesen Hilfen immer nur um punktuelle Dienste im Sinne der Nachbarschaftshilfe handeln kann. "Als Modell einer Gesellschaft finde ich dies charmant", meinte ein Workshop-Teilnehmer resümierend über das Projekt, "ich glaube, dass die Menschen von heute verstehen, was damit gemeint ist".
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