Den Hansi Hinterseer mag die „Hühner-Bertha“ besonders gern

Auf dem Rentnerbänkle vor dem Bauernhäuschen pflegt Bäuerin Bertha Effenberger täglich morgens den neuesten Klatsch und Tratsch mit Ulla Remy auszutauschen – wenn sie nicht gerade „a bissle strickt“.

78 Jahre ist Bertha Effenberger alt – und genau so lang lebt die allgemein als „Hühner-Bertha“ bekannte Landfrau schon in ihrem Mergenthauer Bauernhäuschen. Hier erblickte sie als Tochter von Marie und Sepp Müller das Licht der Welt, natürlich in einer Hausgeburt – das war damals so üblich. Hier wohnte sie nach ihrer Heirat im Alter von 23 Jahren auch mit ihrem 1993 verstorbenen Ehemann Ernst Effenberger mal mehr und mal weniger glücklich zusammen.

Direkt gegenüber der ehemaligen Pappfabrik, dem heutigen Reitverein, wuchs die 1935 Geborene mit ihren Geschwistern Resi, Maria sowie Bruder Sepp in dem um 1900 errichteten Anwesen auf.

„Hier erlebte ich schöne, aber auch harte und entbehrungsreiche Zeiten“, erzählt die Hausfrau und Mutter von zwei Söhnen – Ernst und Willi Effenberger.

„Noch vor dem Weg zur Schule, meist ab sechs Uhr morgens, musste ich den Stall ausmisten, die Kühe melken oder auf dem Feld mithelfen“, erinnert sich die Rentnerin, deren Mutter 1947 verstarb und die keinen guten Draht zur späteren Stiefmutter fand. Als ihre inzwischen ebenfalls verstorbenen drei Geschwister Resi, Marie und Sepp nach der siebten Klasse das heimatliche Mergenthau verlassen mussten, um sich bei anderen Bauern ihr tägliches Brot zu verdienen, lebte Bertha Effenberger alleine mit ihren Eltern in dem Häuschen weiter, vor dem sie bis heute den Blumen- und Gemüsegarten liebevoll hegt und pflegt und in dem sie schon zwölfjährig für den Haushalt verantwortlich war.

Besonders wichtig sind der Bertha ihre Hühner – und ein stolzer Hahn darunter, deren Eier sie gerne an Freunde und Bekannte verschenkt. „Die schmecken doch ganz anders, als die Eier, die man im Geschäft bekommt“, schwärmt die fünffache Großmutter der Enkelkinder Stephan (32) , Mathias (29), Daniel (27), Judith (9) und Tobias (5) dann immer.

Letztere Beiden begleitet die „Hühner-Bertha“ täglich in die Schule beziehungsweise in den Kindergarten und nimmt sie nachmittags oft unter ihre Obhut. Kein Problem, denn schließlich wohnt sie Tür an Tür mit Sohn Willi und Schwiegertochter Michaela, den Eltern der Kleinen.

Und spätestens morgens, wenn Ulla Remy, die „Katzenmami“ aus dem Kissinger Reitstall vorbeischaut, wird auf dem „Rentnerbänkle“ im Vorgarten Platz genommen und munter der neueste Ratsch und Tratsch ausgetauscht. Anschließend schwingt sich Bertha Effenberger auf ihr Radl, tritt kraftvoll in die Pedale, um Besorgungen zu erledigen.

„Mit meinem Radl komm’ ich überall hin, da ist mir kein Weg zu weit“, erzählt die gesellige Seniorin, deren braune Augen leuchten, wenn sie von ihrem Lieblingsstar schwärmt. „Den Hansi Hinterseer mag ich besonders gerne!“, verrät sie verschmitzt.

Es versteht sich von selbst, dass die gläubige Katholikin und fleißige Kirchgängerin die Konzerte des Sängers immer gerne besucht – wenn sie nicht gerade an irgendeinem Ausflug teilnimmt oder anderweitig beschäftigt ist.

Auch sonst ist Bertha für alles aufgeschlossen. Sie lauscht gerne Vorträgen, genießt Kaffee und Kuchen bei geselligen Zusammenkünften diverser Kissinger Vereine. Sie ist mit der AWO oder dem Frauenbund unterwegs, „strickt a bissle“ und trifft sich meist nachmittags im benachbarten „Bossler“-Anwesen mit ihren Bekannten Ulla Remy, Marianne Barheine und Lotte Nerlinger. Bei einem kühlen Bierchen, gleich aus der Flasche geschlürft, vergehen die lustigen Plauderstündchen wie im Flug.

Und wenn die Bertha wieder einmal ihre „Ausgezogenen“ (Schmalzküchle) bäckt – immer zum jährlich stattfindenden traditionellen Nachbarschaftsfest, welches heuer im August auf dem Programm steht – werden ihre Nachbarn, die Familien Kalchgruber, Müller, Neumeier Rieger, Steinhart und Fottner, mit der „Hühner-Bertha“ einen lustigen Abend verbringen.
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