Der Bahnhofsumbau dauert länger und wird teurer

Auf Grundlage eines neuen, externen Gutachtens haben die Stadt Augsburg, die Stadtwerke (swa) und die Deutsche Bahn Netz AG einen neuen Zeit- und Kostenplan aufgestellt. Der Tunnel unter dem Hauptbahnhof soll demnach erst 2022 fertig sein und 26,7 Millionen Euro mehr kosten.

Als „wichtiges und ambitioniertes Projekt“ bezeichnete Oberbürgermeister Kurt Gribl die Mobilitätsdrehscheibe Augsburg. Damit soll am Hauptbahnhof der städtische Nahverkehr mit dem Nah-, Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn (DB) verknüpft werden. Der Augsburger Bahnhof soll damit einen zentralen Punkt in der Vernetzung des gesamten Wirtschaftsraums der Region darstellen. Schlüsselfunktionen haben dabei der Straßenbahntunnel, der unter dem Bahnhof hindurch geführt werden soll, und der Bahnsteig F.

Das äußerst komplexe Vorhaben verzögert sich nun um drei Jahre. Als Grund nennt OB Gribl, dass sich Rahmenbedingungen „weiterentwickelt“ hätten. Denn noch immer liegt das Planfeststellungsverfahren zum Bahnsteig F nicht vor. Gribl rechnet aber noch zum Ende dieses Jahres damit. Damit soll der zusätzliche Bahnsteig 2017 zur Verfügung stehen. Er ist zwingende Voraussetzung dafür, dass die übrigen Bahnsteige nacheinander erneuert werden können.

Deshalb wird sich auch der Tunnelbau um drei Jahre verzögern. Swa-Geschäftsführer Walter Casazza hält eine Inbetriebnahme 2022 für wahrscheinlich. Er wies zudem auf die Einschränkungen hin, die dadurch entstehen, dass der gesamte Umbau bei laufendem Verkehr am Hauptbahnhof geschehen muss. Dass das Ergebnis technisch auf dem neuesten Stand ist, ist Casazzas erklärtes Ziel. Dafür seien ständige Beratungen und gut aufeinander abgestimmte Planungsschritte wichtig, ebenso wie eine hohe Planungs- und Kostensicherheit.

Das neue Gutachten hat hierzu festgestellt, dass die ursprünglich veranschlagten 116,8 Millionen Euro zu optimistisch waren. Inzwischen gehen die Verantwortlichen von 143,5 Millionen Euro aus. Risikopuffer und Baukostenindex sind hierin noch nicht berücksichtigt. Wegen dieser Fehleinschätzung haben die swa bereits Mitte des Jahres einen Planerwechsel vorgenommen. Von den Mehrkosten werden die Stadtwerke etwa 15 Millionen Euro tragen, die Stadt Augsburg weniger als eine Million Euro. Casazza geht davon aus, dass der größte Teil der zusätzlichen Ausgaben förderfähig sein wird. Ein Ergebnis gibt es hierzu allerdings noch nicht, die Untersuchungen dauern an. Um die Förderung durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (Bundes-GVFG) machen sich Casazza und Gribl keine Sorgen. Bislang sind die Zuschüsse bis ins Jahr 2019 gesichert, aber „wir haben Signale bekommen, dass es damit weitergehen wird“, erklärte Casazza. Doch falls die Gelder nicht fließen sollten, werden die swa Mehrkosten von bis zu zwölf Millionen Euro übernehmen. Auch dass die Mehrkosten einen Einfluss auf die standardisierte Bewertung haben werden, schließt er aus.

Axel Boß, Leiter der Produktionsdurchführung Augsburg der DB Netz AG, erklärte außerdem, dass von Seiten der DB noch weitere rund 130 Millionen Euro in den kommenden drei Jahren in den Bahnhof Augsburg investiert werden. Als Beispiele nannte er die Erneuerung der Oberleitung, die Bahnsteige und Dächer sowie Maßnahmen zum Lärmschutz. Um aber die Eingriffe in den laufenden Betrieb so gering als möglich zu halten, wurden einige Projekte bereits ausgegliedert. Der Bahnhof selbst wird also 2022 nicht komplett fertig erneuert sein.

Ebenfalls herausgenommen werden soll die Straßenbahnlinie 5 aus dem Gesamtprojekt. Sie soll schon früher kommen und wird bis zum Abschluss des Bahnhofumbaus vorübergehend anders geführt werden. Bis dahin gilt es jedoch, noch ein strammes Programm zu erfüllen. Geschäftsführer Casazza informierte, dass noch zum Ende des Jahres die Decke auf dem Bahnhofsvorplatz wiederhergestellt sein soll und auch die Archäologen werden ihre Arbeit an den Grabungsstätten zum Jahreswechsel beendet haben. Anfang 2015 soll dann mit den Gütergleisen begonnen werden. 2016 folgt dann der eigentliche Tunnelkörper, bevor Ende 2017 Bahnsteig F abgeschlossen sein soll.

OB Gribl deutete an, dass man noch nicht am Ende des Projekts sei. „Abgerechnet wird erst am Schluss“, vertröstete er alle, die auf endgültige Zahlen hoffen.
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