Der Bibel-Entstauber

Nach achtmonatiger Vakanz hat nun auch die evangelische Gemeinde in Hochzoll Nord wieder einen Pfarrer: Thomas Bachmann folgt auf Thomas Bovenschen, der nach 22 Jahren in Hochzoll eine neue Stelle bei Lindau angenommen hat.

Der 48-jährige Bachmann war die vergangenen zehn Jahre in Hallbergmoos bei München tätig. Er hat zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe und ist seit zehn Jahren verheiratet mit seiner Frau Renate.

Auf die Stelle in Hochzoll hat er sich ganz zielgerichtet beworben, wohingegen sein Weg zur Kirche und zur Pfarrtätigkeit jahrelang weniger geradlinig verlief. Evangelisch in Schongau aufgewachsen und erzogen, wollte er als junger Erwachsener nichts mehr mit Kirche zu tun haben. Er verpflichtete sich als Fallschirmspringer bei der Bundeswehr und machte so sein Hobby zum Beruf.

Da er beim Springen öfter mit dem Tod konfrontiert war, war auch für ihn die Frage, was danach kommt, immer präsent. Die Wende in seinem Leben brachte eine USA-Reise, bei der er einen neuen Weg zum Glauben fand und anschließend die Bundeswehr verweigerte. „Ich bin der klassische Fall von Klaus Lages Lied ,1000mal berührt‘, mit dem der Sänger das Entstehen einer Liebesbeziehung besingt.“ Bei Bachmann war es das Entdecken seiner Liebe zu Gott.

Er studierte Theologie, unterbrach aber das Studium für ein Praktikum in einer Gemeinde in den USA, um im Anschluss zwölf Jahre eine Studentengruppe zu leiten. Nach der Trennung von seiner ersten Frau, einer persönlichen Lebenskrise und dem Vikariat fand er in Hallbergmoos eine neue Berufung.

Hier war er als echter Menschenfischer im Sinne Jesu tätig, denn in der kleinen Gemeinde gab es kaum Traditionen, viele kirchenferne Menschen und junge Leute, die sich mit ihm gemeinsam auf Sinnsuche begaben. Der erfolgreiche Gemeindeaufbau und auch der Neubau des Gemeindezentrums wurde mit dem Preis „Chrismon-Gemeinde 2012“ gewürdigt.

„Ich habe das Gefühl, die Arbeit dort war für mich getan, und hier in Hochzoll gibt es eine neue Herausforderung“, sagt Bachmann. „Ich bin ein starker Verfechter moderner Gottesdienstformen und möchte vor allem junge Menschen und Menschen mittleren Alters, die zweifeln, denen Kirche fern geworden ist, wieder für den Glauben und die Kirche begeistern.“ Er wolle die Arbeit seines Vorgängers im Wesentlichen weiterführen und mit neuen Ideen bereichern.

In der nächsten Zeit steht das Kennenlernen der Menschen im Vordergrund. Später möchte er zum Beispiel Glaubenskurse für Erwachsene anbieten. Aber auch die Begleitung der Senioren ist ihm wichtig. Bachmann wohnt zwar in Hochzoll, nicht aber im Pfarrhaus. Das ist stark sanierungsbedürftig – und damit sicher eines seiner Projekte. Wobei völlig offen ist, wie die räumliche Situation in St. Matthäus gestaltet werden soll.

Dem unkonventionell und dabei trotzdem nah am Wort arbeitenden Bachmann eilt sein Ruf voraus. „Dann kam Tommy, seitdem ist die Bibel entstaubt“, sagt ein früheres Gemeindemitglied aus Hallbergmoos. Man darf gespannt sein, welchen Staub Bachmann in Hochzoll aufwirbeln wird.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.