Der BND lässt grüßen

Das "große Ohr" von Gablingen ist ein Horchposten des Bundesnachrichtendienstes. Damit wird angeblich bis nach Afghanistan gelauscht.

Was viele Menschen bereits ahnten, wurde jetzt offiziell bestätigt: Die riesige Kreisantennenanlage in Gablingen an der Bundesstraße 2 zwischen Langweid und Gersthofen ist eine Außenstelle des Bundesnachrichtendienstes (BND). Nach jahrzehntelanger Geheimniskrämerei hat sich BND-Chef Gerhard Schindler öffentlich zu insgesamt sechs Dienststellen im Inland bekannt, darunter auch zu dem Horchposten in Gablingen.

Die Offenbarung ist, wie es der BND benennt, auf eine "Transparentoffensive" zurückzuführen. Auslöser dazu ist offensichtlich der amerikanische Whistleblower Edward Snowden. Seine Enthüllungen hatten Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten - überwiegend der Vereinigten Staaten und Großbritannien - gegeben. Diese lösten im Sommer 2013 etliche Überwachungs- und Spionageskandale aus. In diesem Zusammenhang geriet auch der BND in heftige Turbulenzen und Negativschlagzeilen.

Der Bundesnachrichtendienst kontert nun mit "Transparenz". In überspitzter Form könnte man sagen, dass ab sofort an sechs BND-Dienststellen Klingelschilder verraten, wo Spione ihrer Arbeit nachgehen. "Wir wollen damit das Vertrauen der Bevölkerung in unsere Tätigkeit weiter stärken", so BND-Chef Schindler. Konkret nannte er neben der Dienststelle in Gablingen noch weitere in Bad Aibling, Stockdorf und Söcking (alle Bayern) sowie in Rheinhausen (Baden-Württemberg) und Schöningen (Niedersachsen).

In diesen Außenstellen würden rund 700 Mitarbeiter des Geheimdienstes tätig sein, so der BND. Sie hören unter anderem den Funkverkehr und Handy-Telefonate in Krisengebieten wie Afghanistan ab. Die Informationen sollen dazu dienen, die deutschen Soldaten vor Angriffen und Anschlägen zu schützen. Was und wer noch alles abgehört wird, darüber schweigt sich der BND jedoch aus.

Die Offenlegung Gablingens als Lauschposten überrascht niemanden. Zu gigantisch ist die dortige kreisrunde Abhöranlage - im Volksmund "Elefantenkäfig" genannt - auf dem rund 120 Hektar großen Areal - und damit nicht zu übersehen. Sie hat einen Durchmesser von über 300 Metern. Die Masten ragen 30 Meter in die Höhe. Ein hoher Stacheldraht verwehrt Neugierigen den Zutritt. Die Baukosten der Horchstation wurden auf über eine Milliarde Mark geschätzt.

Interessant ist allerdings das, was man nicht sieht. So sollen sich unter der Erde bis zu zwölf Etagen, unzählige Büros und elektronische Installationen befinden. Doch bestätigt wurde dies bis heute nicht.

Das Gelände hat militärisch eine lange Tradition. 1916 errichtete dort das damalige Kriegsministerium einen Flugplatz. Auch die Nationalsozialisten griffen darauf zurück und errichteten Hangars. Der Flughafen diente unter anderem als Umschlagplatz für Ausrüstung und Munition. 1945 übernahmen die Amerikaner das Areal.

Anfang1970/1971 schien es, als wolle BMW das Gelände erwerben, um ein Zweigwerk zu errichten. Doch daraus wurde nichts. Und so begann 1971 durch die Amerikaner der Bau des Lauschpostens, niedlich als "US Field Station" deklariert.

Was sich dahinter verbarg, sprach der damalige Standortkommandeur, General Harvey D. Williams, offen aus. Er bezeichnete die Anlage als "einen Teil des weltweiten, von den USA entwickelten Nachrichtennetzes zur schnellsten Nachrichtenübermittlung und zur Sicherung der Verbindungen zur Verteidigung der USA und der freien Welt". Was nichts anderes heißt, als dass das Großprojekt US-Geheimdiensten jahrelang als Abhöranlage und zur Beschaffung von Informationen auf technischem Wege diente.

1985 waren INSCOM-Mitarbeiter stationiert. Diese waren unter der Fachaufsicht der National Security Agency (NSA) aktiv.

Bereits im Februar 1989 beschrieb das Nachrichtenmagazin "Spiegel" abgeschirmte Anlagen wie in Gablingen als "Knotenpunkt eines unsichtbaren Netzes", das weltweit operiert und jegliche "Vertraulichkeit des Wortes aufhebt und Privatsphäre verletzt".

Ende 1998 übergaben die Amerikaner das Areal offiziell an die "Fernmeldestelle Süd" der Bundeswehr. Geheimdienstexperten hatten da aber ihre Zweifel und nannten den Bundesnachrichtendienst als neuen Hausherrn. Die Schlapphüte sollen die Anlage dann kräftig aufgerüstet haben.

Heute hat sich der BND klar zum Standort Gablingen positioniert. Experten wie Erich Schmidt-Eeenboom, einer der bekanntesten Kritiker des Bundesnachrichtendienstes und Opfer jahrelanger Überwachung durch den Geheimdienst, vertritt die Ansicht, dass hier der Richtfunk abgehört werde. Ernst Berger, Kölner Sicherheitsberater und Ex-Spionageabwehr-Mitarbeiter beim Bundesamt für Verfassungsschutz, teilt ebenfalls diese Auffassung. Andere nennen diese Aussagen aus technischen Gründen wiederum unglaubwürdig.

Vom BND selbst gibt es dazu keine Antwort - "aus sicherheitsrelevanten Gründen", wie es lapidar heißt. Trotz angeblicher Transparenz sind so viele Fragen ungeklärt. Unterm Strich: "alles geheim". Offenheit findet nach wie vor bewusst nicht statt.
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