Der Historie auf der Spur

Ein Bild vom historischen Augsburg können sich die Besucher im neuen Pavillon machen. Foto: Stöbich

Beeindruckend sind die Eckdaten für den neuen Informations- und Präsentationspavillon in Königsbrunn: Fast sechs Jahre Vorarbeiten, 2,2 Millionen Euro Kosten sowie mehr als 12 000 winzige Zinnfiguren, Wagen und Zelte – dieses Kulturprojekt soll auf die ganze Region ausstrahlen, so hofften zumindest die Festredner bei der Eröffnung Ende Oktober. Um diese Strahlkraft zu verwirklichen, gibt es weitere Pläne: Gemeinsam mit Historikern und Archäologen feilt die Regio Augsburg Tourismus an der Umsetzung eines Geschichtspfad zur Schlacht auf dem Lechfeld; er soll durch Augsburg sowie die Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg führen.

Die Schlacht am 10. August 955 war der Endpunkt der Ungarneinfälle und größte militärische Sieg Ottos des Großen. Die ungarischen Reiter hatten seit dem Jahr 899 mit ihren Plünderzügen weite Teile Mitteleuropas verheert. Der Sieg auf dem Lechfeld war eine der größten militärischen Auseinandersetzungen im ostfränkisch-deutschen Reich. „Historiker würdigen die Schlacht als Meilenstein der europäischen Geschichte und zugleich als Beginn der deutschen Identität“, sagte Minister Helmut Brunner bei der Einweihung des Pavillons.

Wo dieser bedeutsame Kampf aber stattgefunden hat, weiß bis heute allerdings niemand genau zu sagen – möglicherweise auch am südlichen Riesrand, meint der Hobbyarchäologe Jörg Essig. Er hat dort, rund um Christgarten im Landkreis Donau-Ries, Hunderte von Pfeilspitzen, Lanzen und anderes Kriegsmaterial aus dieser Zeit gefunden. Außerdem gibt es dort Wallanlagen aus dieser Epoche, beispielsweise auf dem Weiherberg. Essig geht nun davon aus, dass die Schlacht zunächst in der Nähe dieser Anlagen stattgefunden hat.

Die entscheidende Kampfhandlung soll dann einige Kilometer weiter auf dem Lachfeld stattgefunden haben – und eben nicht auf dem Lechfeld. Laut den ältesten Berichten wurden die Ungarn bei Augsburg geschlagen – von einer Schlacht auf dem Lechfeld spricht man erst seit dem 15. Jahrhundert.

Im Untergeschoss des Pavillons kann man sogenannte Dioramen bewundern, die Martin Sauter in unzähligen Arbeitsstunden geschaffen hat. In einer Multimedia-Schau mit einem berührungsempfindlichen Bildschirm kann man sich über geschichtliche Zusammenhänge und Waffen informieren und tausende von kleinen Zinnfiguren bestaunen. Über einen passenden Namen für den Pavillon war im Königsbrunner Stadtrat eifrig diskutiert worden: Der Gebäudename sollte auf keinen Fall auf die Lechfeldschlacht verweisen, forderte Alwin Jung (Grüne), weil der Bau künftig ganz verschiedene Nutzungen beinhalte. Darin unterstützten ihn Werner Lohmann als Leiter des technischen Bauamtes und Ursula Off-Melcher, Leiterin des Kulturbüros.

Die Regio Augsburg will in der Stadt und den beiden Landkreisen ab 2016 die Spuren des historischen Ereignisses sichtbar machen. Geplant sind entlang eines Geschichtspfades zwölf Stationen; sie verteilen sich auf Königsbrunn, Schwabmünchen, Augsburg, Diedorf, Pöttmes, Todtenweis, Friedberg und Kissing. Tourismusdirektor Götz Beck rechnet damit, dass etwa 300 000 Euro investiert werden müssen, und hofft auf hohe Zuschüsse des Freistaats und der EU.
Vor einigen Jahren fand ein Sondengeher ein Pferdegeschirr eines ungarischen Reiters in Todtenweis im Landkreis Aichach Friedberg. Damit war klar, dass dort eine Station des Geschichtspfades entstehen wird. So soll eine lebensgroße Figur eines ungarischen Reiters mit einer Nachbildung des Pferdegeschirrs neben einer Informationstafel aufgestellt werden. Es wird vermutet, dass dort Bischof Ulrich vor über tausend Jahren zu den Truppen gesprochen hat.

Deshalb will die Regio Augsburg auch das bestehende Ulrichsmarterl hervorheben. Außerdem planen die Verantwortlichen ein sogenanntes Fenster in die Vergangenheit: Der Betrachter erhält so den Eindruck, dass aus nördlicher Richtung ungarische Reiter auf ihn zustürmen. Eine weitere Station in Königsbrunn gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert: die Ulrichskirche. Viele Gottesdienstbesucher saßen schon darin, unter einem Deckengemälde von Ferdinand Wagner, das im Vordergrund den Bischof und im Hintergrund die Schlacht zeigt. Wer genauer hinsieht, erkennt die aufziehenden Rauchschwaden.

Der geplante Geschichtspfad wird in fünf kleinere Rundgänge unterteilt und soll etwas sein für spontane Spaziergänge, Touristenausflüge, Fahrradtouren und Schulexkursionen.

Doch nicht alle sind begeistert von der Vermarktung der Lechfeld-Schlacht. So hält Katrin Müllegger-Steiger, Fraktionssprecherin der Grünen im Kissinger Gemeinderat, die These für sehr fraglich, dass es damals um die Rettung des christlichen Abendlandes gegangen sei: „Da wird für mich etwas verharmlost. Es war eine Schlacht mit all ihren Grausamkeiten, an die wir hier erinnern.“
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