Der Traum von der Schreinerei

Die Handwerkskammer für Schwaben setzt sich dafür ein, jungen Flüchtlingen einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. (von links) Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK Schwaben, Allad Abdulle Alasow, Abdimajid Said Ahmed, Hans-Peter Rauch, Präsident der HWK Schwaben, und Hans Peter Holland, Schulleiter der Berufsschule VI). Foto: Kristin Deibl



Allad Abdulle Alasow (18) und Abdimajid Said Ahmed (17) aus Somalia sind zwei von rund 1700 Asylbewerbern und Flüchtlingen in Schwaben im berufsschulpflichtigen Alter. Hans-Peter Rauch, Präsident der Handwerkskammer für Schwaben (HWK), übernimmt nun die Patenschaft für die beiden Jugendlichen und unterstützt sie dabei, ihren Traum Schreiner zu werden, in die Tat umzusetzen.

Rauch hat bereits die Patenschaft für zwei junge Flüchtlinge aus dem Iran und der Elfenbeinküste übernommen und beiden in Kempten einen Praktikumsplatz in ihrem Wunschberuf organisieren können. Er bekomme aus den Betrieben sehr positive Rückmeldungen zum Engagement und Geschick seiner beiden Schützlinge. Vielen jungen Asylbewerbern sei daran gelegen, hier eine Lebensperspektive zu bekommen.

Allad und Abdimajid sind zwei dieser Jugendlichen. Beide haben ein Praktikum in einer Schreinerei absolviert und möchten nun gerne einen Ausbildungsplatz finden. Rauch hat es sich zum Ziel gemacht, die beiden als Pate zu unterstützen und auf ihrem Weg bis zum erfolgreichen Abschluss zu begleiten. Natürlich werde allen jungen Asylbewerbern geholfen, betont er, die beiden jungen Männer habe er stellvertretend unter seine Fittiche genommen. Sein Ziel dabei sei, durch den engen persönlichen Kontakt zu erfahren, wo die Schwierigkeiten bei der Integration von Flüchtlingen genau lägen, um die bestehenden Strukturen weiter verbessern zu können.

Allad und Abdimajid sind beide seit rund zwei Jahren in Deutschland. Sie besuchen in Augsburg eine sogenannte BAF-Klasse, eine Klasse für berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge. Die Jugendlichen erhalten in diesen Klassen Deutschunterricht, Integrationsunterricht und eine sozialpädagogische Betreuung. "Denn viele dieser jungen Leute haben Schreckliches hinter sich und sind traumatisiert", erklärt Rauch. Allad zum Beispiel habe bis zu seiner Ankunft in Deutschland viel durchmachen müssen. Genauer will Rauch auf die Geschichte des 18-Jährigen nicht eingehen, um seine Privatsphäre zu schützen. Auch Allad selbst möchte nicht mehr erzählen. Lediglich, dass er in Somalia kurz davor war, seinen Schulabschluss zu machen, als er alleine fliehen musste, berichtet er. Nun möchte er seinen Abschluss hier nachholen. Sein Asylverfahren läuft allerdings noch und er hat bisher nur eine Aufenthaltsgestattung.

Abdimajid ist mit seiner Familie hier. Seine Mutter habe das Land verlassen wollen, erzählt er. Sein Verfahren ist bereits abgeschlossen und er hat eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis. Seine Chancen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, stehen damit deutlich besser.

Alleine dass die beiden es überhaupt in eine der BAF-Klassen geschafft haben, ist schon ein wichtiger Schritt. In ganz Schwaben können nur 620 der 1700 berufsschulpflichtigen Asylbewerber in diesen Klassen untergebracht werden. Mehr Plätze stehen nicht zur Verfügung. Auch im Stadtgebiet Augsburg stehen 143 jugendliche Flüchtlinge auf der Warteliste, wie Hans Peter Holland, Schulleiter der Berufsschule VI, berichtet.

Eigentlich sei momentan eine gute Zeit für die Jugendlichen, denn im Bereich des Handwerks gebe es mehr Ausbildungsstellen als Interessenten, führt Rauch aus.

Damit Unternehmen die offenen Stellen aber beruhigt an Flüchtlinge vergeben können, sei zunächst die Politik gefragt. Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der HWK, fordert in erster Linie Planungssicherheit für die Betriebe. Der rechtliche Status der Flüchtlinge müsse schneller geklärt werden, eindeutige Zuständigkeiten bei staatlichen Stellen und eine einheitliche Umsetzung durch die Ausländerbehörden seien nötig, ebenso eine gesicherte finanzielle Grundlage und die Förderung fachspezifischer Sprachkurse.

"Handwerk und Wirtschaft werden nur dann ausbilden, wenn sichergestellt ist, dass die jungen Menschen nach der Ausbildung auch dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen", sagt Rauch. Die HWK fordere deshalb eine "3+2 Regelung": Flüchtlinge sollen den Handwerksunternehmen nach den drei Jahren ihrer Ausbildung noch mindestens weitere zwei Jahre zur Verfügung stehen. Rauch fürchtet, dass sonst Unternehmen, die einmal erlebt haben, dass Auszubildende während ihrer Ausbildung das Land verlassen müssen, sich kein weiteres Mal auf die Beschäftigung eines Asylsuchenden einlassen.

An der Berufsschule VI in Augsburg hätten 60 Prozent nur eine Aufenthaltsgestattung, weiß Schulleiter Holland. Weitere zehn Prozent seien lediglich geduldet. In all diesen Fällen bedarf ein Ausbildungsvertrag der Zustimmung der Ausländerbehörde der Stadt und des Amtes für Ausländer und Integration im Landratsamt.

Für Allad und Abdimajid bleibt nun also nur zu hoffen, dass ihr Herzenswunsch erfüllt wird, als Schreiner in Deutschland Fuß zu fassen.
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