Der Zauberer im verzauberten Reich: Hardy lebt jetzt in der Fuggerei

Astrid Gabler und Hardy im Gespräch vor seinem Häuschen. Foto Blöchl
 
Auch als mittelalterlicher Magier tritt Hardy mit seiner Ente auf. Foto Blöchl

Der bekannte Augsburger Magier Hardy lebt jetzt in der Fuggerei.

Derzeit feiert die Stadt Augsburg den 650. Jahrestag des Zuzugs der Familie Fugger. Die Geschichte der Stadt ist untrennbar mit der Kaufmannsfamilie verbunden. Ohne die Fugger würde das Stadtbild heute ganz anders aussehen. Und dann gibt es ja noch die Fuggerei – und die hat seit Kurzem einen neuen prominenten Mieter.

Die älteste Sozialsiedlung der Welt war für viele Menschen Hoffnung und Zuflucht in schwierigen Lebenssituationen. Das ist sie bis heute geblieben. Inzwischen ist sie zudem ein Touristenmagnet, 200 000 Menschen haben die Fuggerei im vergangenen Jahr besucht. Trotzdem kann man hier noch in Ruhe leben: 180 Bewohner wohnen derzeit in der Siedlung, darunter auch Familien und Alleinerziehende. „Hilfe zur Selbsthilfe“ sei der Anspruch, sagt Astrid Gabler, Sprecherin der Stiftung, die die Fuggerei verwaltet. Zwei Sozialpädagogen helfen den Bewohnern bei Alltagsfragen, bei Behördenkontakten und mehr. Zusätzlich unterstützen Ehrenamtliche die Fuggerei.

Bewerber müssen katholisch sein

Grundsätzlich versorgen sich die Fuggerei-Mieter selbst, einmal in der Woche gibt es ein gemeinsames Frühstück oder Kaffee und Kuchen und mehrmals im Jahr auch Veranstaltungen im Fuggerei-Treff, dem Gemeinschaftsraum in der Fuggerei. Die Miete hat sich seit Beginn an nicht geändert, man zahlt 88 Cent im Jahr und täglich sind drei Gebete zu sprechen. Bewerber müssen katholisch sein, die Bedürftigkeit wird vom Sozialamt überprüft.

Seit kurzem lebt nun auch der bekannte Augsburger Zauberer Hardy in diesem Kleinod mitten in der Stadt. Und er ist glücklich dort, wie er sagt. Auch sein Kaninchen hat er aus der Wohnung in Lechhausen mitgenommen. Nach einem langen interessanten, aber nicht immer einfachen Leben, sei er nun zur Ruhe gekommen, erzählt Hardy, der mittlerweile 68 Jahre alt ist und auf fast 50 Jahre als hauptberuflicher Zauberer und Magier zurückblickt. Im Laufe der Jahre hatte er sich auf die Show vor Kindern im Alter von 4 bis 10 Jahren in Kindergärten und Schulen spezialisiert. „Zauberei ist etwas, was Kinder immer noch fasziniert, trotz PC und Smartphone“, berichtet er lächelnd. Aber auch Erwachsene lassen sich ins Traumland der Zauberei entführen, das zeigen zahlreiche Fotos mit Prominenten in seiner neuen Wohnung, darunter etwa Franz-Josef-Strauß, Sahra Wagenknecht, Günther Jauch.

Hardy: "Es war nicht immer einfach“

Jetzt, in der entspannenden Ruhe der Fuggerei, will er kürzer treten, erzählt Hardy – fließend und frei, kaum zu glauben, dass er eigentlich stottert. Die Schule sei deswegen ein Horror gewesen, blickt er zurück. Im öffentlichen Sprechen beim Zaubern fand er seine persönliche Therapie.

Es „war nicht immer einfach“, sagt er. „Heute wünsche ich mir manchmal, ich wäre vielleicht doch besser Beamter geworden.“ Vor allem wirtschaftlich seien die Jahre nicht immer erfolgreich gewesen. Seine kleine Rente reicht nicht, die Honorare in den Schulen und Kitas seien auch nicht gerade üppig.

Warum sich Hardy für den Umzug entschied

Der Zufall oder das Glück wollten es, dass er mit jemandem aus der Verwaltung der Fuggerei in Kontakt kam und so entwickelte und realisierte sich der Plan, in die Siedlung zu ziehen. In der Gartengasse wohnt er jetzt und ist glücklich. „Vor allem diese Sicherheit“, die man in der Fuggerei habe. Aber: „Es war vor allem mental gar nicht so einfach“, beschreibt Hardy seine Gefühlslage. Er habe sich gefragt, was das für ein Bild in der Öffentlichkeit geben würde, wie die Menschen reagieren würden. Inzwischen ist er aber überzeugt, das Richtige getan zu haben. „Ich bin jetzt angekommen, genieße die Freiheit vor existenziellen Ängsten und die Sicherheit hier.“

Ganz zur Ruhe setzen möchte er sich aber nicht. Ein neues Zauberbuch ist in Arbeit, auch einige ausgewählte Auftritte in Planung. Am wichtigsten sei es ihm aber, etwas zurückzugeben, von dem, was er täglich erhält. Deshalb will er auch in der Siedlung für die Bewohner Vorstellungen geben, bei einem Weinfest steht der nächste Auftritt auf dem Programm.
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