Die Augsburger Puppenkiste präsentiert die Weihnachtsgeschichte im Kino: Ein Schwabe spricht den Esel Noel

Ein Schwabe leiht dem Esel in der Weihnachtsgeschichte seine Stimme. (Foto: FS/Kiko)
Die Augsburger Puppenkiste wird die biblische Weihnachtsgeschichte heuer auch in die Kinos bringen. Maria, Josef und ihr frecher Eselsfreund sollen zum diesjährigen Weihnachtsfest die kleinen und großen Zuschauer bezaubern. Von der Leinwand zu hören ist dann auch Gerd Meyer. Der Unterschneitbacher ist seit 16 Jahren als Sprecher bei der Puppenkiste tätig.

Stimmlich schlüpfte er für das Filmprojekt in die Rolle des Esels Noel. Der neugierige, gutmütige und auch etwas freche Wegbegleiter führt die Zuschauer durch die Geschichte. „Er hat eine wichtige Aufgabe, gerade für das junge Publikum: Er ist der rote Faden, mit Erzähl- und Erklär-Funktion und mit einem dabei eher kindlichen Charakter. Damit wird er zu einer Identifikations-Figur: Er nimmt die Kinder mit“, erklärt Meyer.

Dass gerade er das Rennen im Casting um die Esel-Rolle machte, lässt sich nicht nur damit begründen, dass er in den vergangenen Jahren bereits viele tierische Kollegen gesprochen hat. Das Gemüt eines Esels ist ihm nämlich nicht fremd: „Wir haben in unserer Familie tatsächlich auch einen echten Esel, den Joseph, und der ist dem Noel sehr ähnlich“, erzählt Gerd Meyer. Die stimmliche Rolle des Vierbeiners blieb aber – quasi trotz eines privaten Anschauungsbeispiels – anspruchs- und verantwortungsvoll für Meyer. „Den Charakter zu treffen und der Funktion gerecht zu werden, waren die großen Herausforderungen für mich – und es hat unglaublich viel Freude gemacht“, berichtet der Unterschneitbacher.

Im Studio der Puppenkiste wurden die Sprachaufnahmen gemacht, damit probten und spielten dann die Puppenspieler in der Inszenierung, die fürs Kino gefilmt wurde.
Theaterleiter Klaus Marschall hatte schon vor Jahren die Idee, die Weihnachtsgeschichte einmal originalgetreu auf die Bühne zu bringen – mit Maria und Josef, Engel, Hirten, Ochs und Esel, nicht im verschneiten Gebirge, sondern in Nazareth und Bethlehem, wo es auch im Winter keinen Schnee gibt. Dabei sollte ein unverkennbares Puppenkiste-Stück entstehen, ohne die religiöse Würde der Geschichte zu verletzen.

Die Balance zwischen Ursprung und Marionettentheater zeigt sich vor allem in den Figuren. Sie sprechen unterschiedliche Dialekte, weil sie aus unterschiedlichen Teilen der Welt kommen: König Melchior ist Österreicher, König Kaspar stammt aus Ungarn und Erzengel Gabriel spricht Jiddisch. Und der Esel? „Nein, Noel spricht keinen Dialekt. Er hat aber natürlich eine kleine Charge, also eine Stimmfärbung, die zu einem kleinen, frechen Esel passt“, verrät Gerd Meyer.

Den Machern war es wichtig, die eigentliche biblische Geschichte zu Weihnachten wieder in den Vordergrund zu stellen. Denn die Interpretationsmöglichkeiten des Erzählten waren selten aktueller als momentan: „Ich denke, dass die Weihnachtsgeschichte eigentlich eine Geschichte ist, die sehr viel mit Not und Flucht zu tun hat. Das ist gerade in der heutigen Zeit ein Thema, das wirklich jeden angeht“, gibt Marschall in einem Interview auf der Homepage der Puppenkiste zu bedenken.

Für die Weihnachtsgeschichte entstanden in der Werkstatt der Augsburger Puppenkiste 23 neue handgeschnitzte Puppen. Der von Klezmer-Musik, eine aus dem Judentum stammende Volksmusiktradition, inspirierte Soundtrack wurde von der Augsburgerin Susanne Ortner komponiert.

Die Augsburger Puppenkiste erzählt die Weihnachtsgeschichte „ganz klassisch“, „ruhig, schön und mit Liebe zum Detail“, weiß Gerd Meyer. Natürlich durften das gewisse Augenzwinkern und der traditionelle Charme der Puppenkiste nicht fehlen. „Und all das ohne irgendwelche digitalen Effekte“, betont der Sprecher. „Gerade in der heutigen schnelllebigen und multimedialen Welt ist diese Produktion etwas ganz Eigenes, etwas ganz Besonderes und, wie ich finde, auch etwas ganz besonders Schönes.“ Spätestens wenn am Ende Kamel, Esel und Ochse ihre Version von „Stille Nacht“ anstimmen, kann sich davon auch das Kinopublikum überzeugen.

Gerd Meyer hat Schauspiel-Ausbildungen in Kiel und München absolviert, arbeitete beim Rundfunk und ist zudem Diplom-Pädagoge. Bekannt wurde er als Moderator der Morning-Show „Morgens Meyer“ bei Radio RT.1 in Augsburg. Auch im Fernsehen war er schon des Öfteren zu sehen, zum Beispiel im „Tatort“, bei „Marienhof“, im „Großstadtrevier“ oder in der „Comedy-Falle“. Meyer spielt seit Jahren Theater, führt Regie und arbeitet als Privat-Dozent im künstlerischen Bereich. Als Sprecher, Moderator und Sänger ist er in den Bereichen Synchronisation im Kino und TV, Werbung, Hörbuch sowie bei Live-Auftritten bei Veranstaltungen wie Messen oder Fachforen tätig. Er ist Stammsprecher bei der Augsburger Puppenkiste und seit 2013 die neue deutsche Stimme von „Willi“ in der ZDF-Neuauflage der TV-Serie „Biene Maja“.

Die Weihnachtsgeschichte“ der Augsburger Puppenkiste wird in über 200 deutschen Kinos gezeigt. Die Termine stehen im Internet auf www.augsburger-puppenkiste.de.

Von Nayra Weber
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