„Die Barbaren, das sind immer die anderen“ - Waldorfschüler spielen „Die chinesische Mauer“ von Max Frisch

Foto: A. Lonnemann
"Was wisst ihr vom Menschen?", fragt die chinesische Prinzessin den Heutigen. "Dass er im Zustand der Entfremdung lebt", antwortet der. Die zwölfte Klasse der Freien Waldorfschule spielte die Farce "Die chinesische Mauer" von Max Frisch. Die „Heutigen“ (Jonathan Sell und Hannah Lang) wissen, dass die Menschheit sich mit der Atombombe selbst auslöschen kann und sie versuchen, neben dem chinesischen Tyrannen viele historische Figuren wie Kleopatra, Kolumbus oder Napoleon davon zu überzeugen, dass durch Krieg und Eroberung der Weltuntergang droht.
Der chinesische Kaiser (Ethan Zeusche) ist der "Himmelssohn, der immer im Recht ist". Er will "die große Ordnung, die wahre Ordnung, die endgültige Ordnung" in seinem Land haben und dafür eine große Mauer um sein Land errichten. Als die zwölfte Klasse sich für dieses Stück entschied, da war Trump noch nicht Präsident. Jetzt machen einen die Ähnlichkeiten zwischen dem "dummen Vater" der Prinzessin und dem populistischen Präsidenten staunen.
„Die Barbaren, das sind immer die anderen. Die mit Kultur, das sind immer wir. Deswegen werde ich eine Mauer errichten“, sagt der Kaiser. „Mit der Schutzmauer wird morgen begonnen!“, ruft der Herrscher dann euphorisch seinem Volk zu. „Heil, Heil, Heil“, antwortet das Volk begeistert.
In wunderbaren Kostümen, auf einer ebenso schlichten wie eindrücklichen Bühne, spielte die 12. Klasse das Stück, das Macht, Wahrheit und die nicht aufzuhaltende Veränderung der Welt thematisiert. Witzige und dramatische Szenen wechselten sich ab, das Publikum belohnte die Anstrengungen aller Akteure auf und hinter der Bühne mit lautstarkem Applaus.
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