Die erste Moschee Augsburgs: Eröffnung der Bait-un-Naseer Moschee in Oberhausen

Sehnsüchtig wird die Ankunft des Kalifen erwartet. Auch wenn die Last der Blumen dem Jungen nach einiger Zeit zu schaffen machen, ist er sich seiner ehrenvollen Aufgabe bewusst.
 
Der Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad (vierter von links) und der Sozialreferent der Stadt Augsburg Stefan Kiefer (links) pflanzen zur Eröffnung der ersten Moschee in Augsburg, einen Baum und beenden damit den Festakt.

Es war ein großer Moment für die Ahmadiyya-Gemeinde in Augsburg. Für die Eröffnung ihrer Moschee war seine Heiligkeit, der Kalif Hadhrat Mirza Masroor Ahmad aus London angereist. Die Moschee ist die erste in Augsburg, ein Minarett wurde aber nicht gebaut.

In der lauen Nachmittagssonne stehen die beiden Kinderchöre und warten auf die Ankunft des Kalifen, das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Ein Junge wurde auserwählt, dem hohen Besuch einen Blumenstrauß bei der Ankunft zu überreichen. Die Aufregung ist allen anzumerken, denn heute wird nicht nur das Gebetshaus der Gemeinde eröffnet, sie bekommen auch noch die Chance, die wichtigste, lebende Persönlichkeit ihres Glaubens zu treffen. Einer der Wartenden beschreibt ihn als „eine Papst ähnliche Figur“.

Statt einem Minarett gibt sich die Gemeinde nun mit einem Turm neben der Kuppel zufrieden

Der Bau der Moschee stand lange zur Diskussion, schon vor acht Jahren begannen die Arbeiten, ein Rechtsstreit mit den Anwohnern, ein fehlender Kanal und Proteste gegen ein Minarett verzögerten das Projekt. Statt einem Minarett gibt sich die Gemeinde nun mit einem zwei bis drei Meter hohen Turm neben der Kuppel zufrieden. Das Gebetshaus hat Platz für etwas mehr als die momentan circa 160 Gemeindemitglieder. Die Gläubigen möchten durch die „Ahmadiyya Muslim Jamaat die ursprünglichen friedlichen und fortschrittlichen Lehren des Islam von den Verkrustungen und Irrungen in der heutigen Zeit befreien.“ So steht es auf der Einladung zur Eröffnung. Auch lehne ihre Glaubensrichtung jegliche Gewalt im Name der Religion ab.

Für viele ein überwältigender Moment

Die Bedeutung des Ereignisses ist den Männern und Frauen deutlich anzusehen. Die Ankunft des wichtigen Mannes wird sehnlichst erwartet. Der Junge am Eingang wird langsam ungeduldig und leidet sichtlich unter der Last der Blumen. Sechs Minuten dauert es noch, ruft einer der Anzugträger den Wartenden zu. Die Polizei steht schon in den Startlöchern, um den Verkehr zu regeln, der Kinderchor fängt an zu singen, in der Ferne blitzt ein Blaulicht auf und der schwarze Jeep rollt ein.
Der Blumenstraußträger ist sichtlich erleichtert, seine Aufgabe endlich erfüllen zu können und übergibt dem Kalifen würdevoll das Willkommensgeschenk.
Nach den Ritualen zur Eröffnung folgt das gemeinsame Gebet – für viele ein überwältigender Moment. Die Tränen eines Mannes rollen langsam über seine Wangen, trotz Kameras und Fotografen, zückt er erst spät sein Taschentuch. Das Schniefen der Männer füllt die Gebetspausen des Kalifen. Doch längst nicht alle sind so ergriffen, manch einer kann sich ein Gähnen nicht verkneifen. „Irgendwie schräg“, kommentiert eine Reporterin im Gebetsraum.

Der Kalif stoppt nicht nur in Augsburg. Auf seiner dreiwöchigen Tour durch Deutschland hat er viel zu tun. 1989 rief sein Vorgänger zum 100-jährigen Bestehen der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland ein Projekt aus, zu welchem 100 Moscheen gebaut werden sollen. Einige stehen schon. So gibt es in Bayern schon in Neufahrn und Würzburg neue Moscheen, in Nürnberg wird noch gebaut. Auch diese Moscheen werden ohne Minarett geplant.

Vor zwei Monaten wurde die Moschee mit einem islamfeindlichen Spruch besprüht

Die Gemeinde hat ihren Ursprung in Indien und beruft sich auf Mirza Ghulam Ahmad, den Gründer der Bewegung. Der heutige Kalif hat seinen Wohnsitz in London. Die 42 000 große Gemeinde in Deutschland hat mit einigen Protesten zu kämpfen. Auch in Augsburg wurde vor zwei Monaten die Moschee mit einem islamfeindlichen Spruch besprüht.
Während der Feier lässt sich nichts davon bemerken. Die Sicherheitskontrollen halten sich im Rahmen, zwar beten die Bodyguards des Kalifs samt Sonnenbrille in der ersten Reihe, aber halten sich sonst eher im Hintergrund.
Nach dem Gebet schütteln die Männer ihrem Kalifen die Hände, auch in den Gebetsräumen der Frauen schaut er kurz vorbei. Zum Abschluss pflanzt er noch zwei Bäume zusammen mit dem Sozialreferenten der Stadt Augsburg, Stefan Kiefer – dann ist der Festakt auch schon vorbei. Die erste Moschee in Augsburg ist eröffnet.

Wer sich das Gebäude ansehen möchte, kann der Gemeinde in der Donauwörther Straße einen Besuch abstatten. Infos gibt es auch im Internet unter: www.ahmadiyya-augsburg.de.
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