Die kleine Chiara lernt, mit ihren gehörlosen Eltern zu kommunizieren

Marion Brockhoff bringt der kleinen Chiara bei, mit ihren gehörlosen Eltern zu kommunizieren. Foto: Bezirk Schwaben

Kleine Spielzeugtiere, ein Schwein, ein Hahn und ein Pferd, stehen vor der kleinen Chiara aus Königsbrunn. Viele dieser Tiere kann die Eineinhalbjährige bereits benennen. Die Frühförderung des Förderzentrums Hören in Augsburg hilft Kindern und Eltern, mit einer Hörschädigung umzugehen.

Neben Chiara sitzt Marion Brockhoff und erklärt ihr spielerisch die korrekte Aussprache der Tiernamen. Marion Brockhoff gehört zum Team der Frühförderung des Förderzentrums Augsburg - Förderschwerpunkt Hören, einer Einrichtung des Bezirks Schwaben und der Regens-Wagner-Stiftung Dillingen. Sie besucht Familie Häring einmal pro Woche zu Hause zur Frühförderung, denn Chiaras Eltern sind gehörlos.

Dass das kleine Mädchen selbst keine Hörschädigung hat, wurde bereits beim Neugeborenen-Hörscreening gleich nach der Geburt festgestellt.

Dennoch benötigt es Unterstützung, um erste Wörter zu lernen und an der richtigen Aussprache neuer Wörter zu feilen. Wie gut die Kommunikation zwischen Chiara und ihrer Mutter Nadine funktioniert, wird deutlich, als die Kleine nach einem Joghurt fragt: Sie zieht das Gesicht ihrer Mutter zu sich her, sagt "Joghurt" und deutet die passende Gebärde, die sie von ihrer Mama gelernt hat - Mama Nadine kann nun das Wort von Chiaras Lippen ablesen und gleichzeitig auch an der Gebärde ihren Wunsch erkennen.

Rund 110 Kinder in ganz Schwaben nutzen aktuell die Angebote der Frühförderung des Förderzentrums Hören in Augsburg. Sie richten sich an Kinder, bei denen der Verdacht auf eine Hörschädigung besteht, deren Hörfähigkeit eingeschränkt ist oder ein Hörschaden ärztlich festgestellt wurde, deren Sprachentwicklung nicht altersgemäß ist, bei denen der Verdacht auf eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) besteht sowie auch an hörende Kinder hörgeschädigter Eltern. Die Frühförderung beinhaltet eine auf die Hörbehinderung des Kindes abgestimmte ganzheitliche Förderung, die Hörerziehung unter Einsatz von Hörhilfen, eine individuelle Sprachförderung sowie die Elternberatung und deren gezielte Unterstützung im kommunikativen Umgang mit ihrem hörgeschädigten Kind. Auch die Beratung von Erzieherinnen an Regelkindergärten oder Schulvorbereitenden Einrichtungen gehört dazu.

Die Angebote sind für die Eltern jeweils kostenfrei: Während die Krankenkassen im Bereich Frühförderung zuständig sind für die medizinischen Leistungen, tragen die Bezirke die heilpädagogischen Maßnahmen. In den meisten Fällen wird heutzutage gleich in der Entbindungsklinik eine Überprüfung des Hörempfindens beim neugeborenen Kind, das so genannten Neugeborenenhörscreening, durchgeführt.

Nach einer eingehenden Beratung mit Eingangsdiagnostik im Förderzentrum sowie der erforderlichen Antragstellung beim Bezirk Schwaben kommt dann der Kontakt mit der jeweiligen Förderpädagogin zustande. Marion Brockhoff beispielsweise betreut als Frühförderin mit den Schwerpunkten Sprach- und Hörförderung derzeit sechs Familien zwischen Neu-Ulm und Königsbrunn vor Ort in ihren Familien oder im jeweiligen Kindergarten.

Chiara kam mit sechs Monaten in die Frühförderung. "Ein möglichst frühzeitiger Beginn bereits während der ersten Lebensmonate ist immer optimal", so Marion Brockhoff. Dies erleichtere die Integration eines hörgeschädigten Kindes in seine hörende Umwelt, und auch hörende Kinder hörgeschädigter Eltern profitierten davon.

Während der Frühförderstunde wird dann nicht nur viel gesprochen und gebärdet, sondern auch mit unterschiedlichen Instrumenten, mit Rasseln und Schellen musiziert, dem lauten "Tatütata" eines Spielzeugautos gelauscht oder gemalt. "So soll spielerisch die Höraufmerksamkeit des Kindes geweckt und trainiert werden", erläutert Brockhoff.
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