Die Schlacht auf dem Lechfeld

Professor Dr. Walter Pötzl befasste sich intensiv mit der Frage "Wo besiegte König Otto die Ungarn?" und stellte dabei fest: "Die Schlacht auf dem Lechfeld" fand nicht auf dem Lechfeld, sondern westlich von Augsburg statt.

Die Schlacht am Lechfeld, die zweifelsohne zu den militärischen Großereignissen von europäischer Bedeutung zählt, war im Jahr 955 der Endpunkt der Ungarneinfälle und der größte militärische Sieg Ottos des Großen. Benannt wurde die Schlacht nach dem Lechfeld im Dreieck zwischen Landsberg, Augsburg und Mering und so ging sie in die Geschichtsbücher ein. Doch Kreisheimatpfleger Professor Dr. Walter Pötzl glaubt herausgefunden zu haben, dass diese Schlacht nicht dort, sondern westlich von Augsburg stattgefunden haben muss, westlich des Sandbergs und des Kobels.

Pötzl beruft sich auf die Schilderung der Ereignisse in den beiden Hauptquellen: die Sachsengeschichte Widukinds von Corvey und die Lebensbeschreibung Bischof Ulrichs von Domprobst Gerhard. Vom Mönch im Kloster Corvey waren keine großen Ortskenntnisse über den Augsburger Raum zu erwarten. Er berichtete, dass König Otto im Bereich Augsburg sein Lager aufschlug. Hier stießen das Heer der Franken und Bayern sowie Herzog Konrad mit zahlreicher Reiterei zu ihm. In der ersten Morgendämmerung wurde das Heer durch unebenes, schwieriges Gelände geführt, um den Feinden keine Gelegenheit zum Angriff zu bieten. Die Ungarn aber überschritten den Lech, umgingen das königliche Heer und griffen die letzte Legion an. Otto gelang dennoch der Sieg. Ein Teil der Ungarn wurde getötet, ein anderer floh in nahe gelegene Dörfer, wo sie umstellt und verbrannt wurden, ein weiterer Teil schwamm durch den nahen Fluss, fand am jenseitigen Ufer allerdings keine Möglichkeit ihn zu verlassen und ertrank.

„Auch wenn das „unebene und schwierige Gelände“ und das nicht bezwingbare östliche Lechufer nicht genau auszumachen sind, so steht doch fest, dass sich das Lager der Ungarn östlich des Lechs befand. Sie wurden westlich des Flusses besiegt und versuchten wieder über den Lech hinüber zu fliehen. Zieht man den Aufmarschweg des königlichen Heeres in Betracht, so könnten mit dem „Gelände“ der Sandberg und der Kobel gemeint sein“, nimmt Professor Pötzl an.

Der Chronist Clemens Jäger schreibt 500 Jahre nach der Schlacht, dass die Augsburger Weber König Otto zum Sandberg entgegengezogen seien, um ihn gegen die Ungarn zu unterstützen. Diese Sage fügt sich laut Pötzl bestens in den Aufmarsch des königlichen Heeres ein, denn dass das Heer Ottos von Ulm her anrückte, gilt als gesichert.

Sicher ist, dass das königliche Heer den Höhenrücken zwischen Kobel und Sandberg überschritt und zwischen Steppach, Stadtbergen, Pfersee, Kriegshaber, Oberhausen und Neusäß ein ideales Gelände für eine große Feldschlacht vorfand. Unklar ist, ob die Schlacht auch über die Wertach nach Osten Richtung Göggingen-Nord ausgriff. Domprobst Gerhard, von dem angenommen wird, dass er sich ab etwa 953 in der Umgebung des Bischofs aufhielt.

Nachdem Berthold von Reisenburg den Ungarn das Herannahen des königlichen Heeres gemeldet hatte, brachen sie die Belagerung ab. Doch der Sieg gehörte König Otto und das Ungarnheer floh an der Stadt Augsburg vorbei über den Lech. „Und obwohl eine unglaubliche Zahl von ihnen getötet war, verblieb von ihnen doch noch ein so großes Heer, dass die, die sie von den Bollwerken der Stadt Augsburg kommen sahen, glaubten, sie kehrten zurück, ohne vom Kampf beeinträchtigt zu sein, bis sie sahen, dass sie an der Stadt vorbei eilends ans andere Ufer des Lechflusses strebten“, zitiert Pötzl den Domprobst.

„Widukind differenzierte zwar das Verhalten der besiegten Ungarn, doch im Wesentlichen stimmt Domprobst Gerhard, der die Sachsengeschichte nicht kannte, mit ihm überein“, erklärt Pötzl und zieht daraus das Resümee, dass die Ungarn westlich von Augsburg besiegt wurden und an der Stadt vorbei zum Lech flohen.

Der erste Bürgermeister der Stadt, Hansjörg Durz, ist von Pötzls Forschungsergebnissen sehr angetan, und auch die Bürger interessieren sich sehr für dieses Thema. „Deshalb soll es im Rahmen der Feierlichketen zum 25-jährigen Stadtjubiläum auch dazu einen Vortrag geben“, so Durz.
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