Die schnelle Verbindung? So steht es um den Breitbandausbau in Augsburg

Kabel in die Welt: In Augsburg sind laut Breitbandatlas 95 Prozent aller Haushalte erschlossen. Foto: wklzzz/123rf.com

Ist schnell wirklich schnell genug? Mit dieser Frage muss sich derzeit die Stadt Augsburg auseinandersetzen. In der Fuggerstadt ist der Ausbau des Breitband-Internetzugangs weit fortgeschritten. Kritiker halten das Augsburger Netz nichtsdestotrotz für zu langsam.

Die bayerische Staatsregierung lobt sich selbst gerne und regelmäßig für die Förderung der digitalen Infrastruktur. Möglichst viele Haushalte sollen einen schnellen Zugang zum Internet haben. Doch ab wann ist so ein Zugang als schnell zu bezeichnen?

Über 95 Prozent "gut bis sehr gut mit Breitband erschlossen"

"Ein Gebiet gilt laut aktueller Förderrichtlinien als hinreichend versorgt, wenn eine Breitbandrate von 30 Mbit/s erreicht wird", erklärt Jens-Holger Ziegler. Er ist innerhalb der Wirtschaftsförderung der Stadt Augsburg für den Breitbandausbau zuständig. Nach seiner Auskunft sind "über 95 Prozent der Augsburger Haushalte gut bis sehr gut mit Breitbandinfrastruktur erschlossen". Er bezieht sich auf die Datenerhebung des Breitbandatlas des Bundes. "Um darüber hinaus einen lückenlosen und aktuellen Informationsstand zu erhalten, hat die Stadt Augsburg einen Gutachter im Rahmen der Beratungsleistungen des Bundesförderprogramms Breitband beauftragt, die tatsächliche infrastrukturelle Ist-Versorgung im Stadtgebiet zu analysieren, eventuelle unterversorgte Gebiete zu definieren und dort Ausbaumöglichkeiten eigenwirtschaftlich oder durch ein Breitbandförderprogramm des Bundes oder des Freistaats aufzuzeigen", so Ziegler weiter. Die Analyse laufe bereits, sei aber aufgrund der Detailschärfe und der schieren Größe von Augsburg mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden. "Es wird deshalb noch Zeit in Anspruch nehmen, bis aussagefähige Unterlagen vorliegen", informiert Ziegler.

Wie schnell die Bürger ins Internet kommen, hängt maßgeblich von der verwendeten Technik ab. Längst nicht überall sind in Augsburg Glasfaserkabel verlegt, mit denen man derzeit am schnellsten online ist. "Die Telekommunikationsunternehmen haben unterschiedliche Erschließungstechnologien im Stadtgebiet im Angebot", bestätigt Ziegler. "Es gibt Haushalte und Unternehmen in Augsburg, die mit Glasfaser, mit Koaxialkabel oder mit VDSL-Technologie erschlossen sind. Neubaugebiete und neue Gewerbegebiete werden bereits von den Telekommunikationsbetreibern mit Glasfaser erschlossen", sagt Ziegler.

Ausbau der Infrastruktur liegt in Händen der Unternehmen

Aber reicht das auch? "Das zeitgenaue Abspielen eines HD-Filmes aus dem Internet bedarf eine Bandbreite von aktuell vier Megabit pro Sekunde", argumentiert Ziegler. Es werde vermutlich Anwendungen geben, die eine höhere Bandbreite erfordern, ist er überzeugt. "Dieser Breitbandbedarf ist schon heute insbesondere in der Industrie vorhanden, wo schon heute Glasfaser-Punkt-zu-Punkt-Verbindungen genutzt werden." Ziel müsse es deshalb langfristig sein, dass die Telekommunikationsunternehmen erkennen, dass auf den letzten Metern sicherlich auch Glasfaser einen Sinn ergebe, wenn die vorhandene Infrastruktur technisch ausgereizt sei. "In Augsburg ist deshalb eine infrastrukturelle Breitbandbasis geschaffen, auf der effizient aufgebaut werden kann", resümiert Ziegler.

Gekostet hat der Ausbau die Stadt bislang nichts. "Das Stadtgebiet von Augsburg ist für Telekommunikationsunternehmen mit eigener Infrastruktur ein äußerst attraktiver und wachsender Markt", bestätigt Ziegler.

Dementsprechend seien bisher die Nutzen-Kosten-Analysen in der Fuggerstadt stets positiv ausgefallen, so dass eine Förderung durch den Bund oder den Freistaat und eine Kofinanzierung durch die Stadt Augsburg nicht nötig gewesen sei, erläutert der Breitband-Beauftragte. "Die Telekommunikationsunternehmen haben ausschließlich eigenwirtschaftlich ausgebaut", stellt Ziegler fest.

Geschwindigkeit im Internet

Für die Geschwindigkeit im Internet sind grundsätzlich zwei Vorgänge voneinander zu unterscheiden: Download steht für das Herunterladen von Daten, Upload beschreibt das Senden von Daten in das Internet. Da im Normalfall die empfangenen Datenpakete größer sind als die gesendeten, ist auch der Download-Wert größer und steht üblicherweise als alleiniger Wert für die Zugangsgeschwindigkeit zum Internet.

Die übliche Einheit wird angegeben als Megabit pro Sekunde beziehungsweise Gigabit pro Sekunde, kurz Mbit/s und Gbit/s. „Mittels Glasfaser sind heute schon Übertragungsraten von mehreren Gigabit/s möglich. Mit Koaxialkabel sind Übertragungsraten von aktuell bis zu 500 Mbit/s möglich. Mit VDSL2-Vectoring (Glasfaser bis zur Straße und letzte Meter Kupfer) sind aktuell Übertragungsraten von bis zu 100 Mbit/s möglich. Auf Basis dieser Infrastruktur (Glasfaser bis zur Straße und letzte Meter Kupfer) kann schlussendlich die G-fast-Technologie (mit bis zu 1 Gigabit/s) aufgebaut werden“, erklärt Jens-Holger Ziegler.
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