Die Schule auf den Weg bringen

Die neuen ABC-Schützen fieberten vergangene Woche ihrem ersten Schultag entgegen. Theodor Dörfler tat das auch, aber als der neue Rektor an der Laurentius-Grundschule.

Zugegeben, den Schulweg hat Theodor Dörfler schon ein paar Mal vorher ausprobiert, auch hat er schon vordrei Wochen das erste Mal in seinem neuen Zimmer gearbeitet. Doch alles andere ist neu. Theodor Dörfler hat zu Monatsbeginn die Schulleitung übernommen. Die Anzahl der Männer nimmt in unserem Bildungswesen immer mehr ab. Umso erfreulicher ist es wohl zu werten, dass sich das Kollegium der Laurentius-Grundschule in der Pestalozzistraße um einen Mann verstärken kann.

Die bisherige Rektorin Waltraud Görs wechselte zum Schuljahresbeginn an die Grundschule in Augsburg-Kriegshaber. Erst vor zwei Jahren kam die Konrektorin Sybille Walch an die Laurentius-Grundschule. Dörfler hatte sich auf die Stelle beworben, weil er damit seine bisherige Laufbahn fortsetzen möchte. Ein Schwerpunkt der Laurentius-Grundschule ist die Sprachförderung für Kinder mit Migrationshintergrund. Dörfler hört diesen Ausdruck nicht gerne: „Ich frage die Kinder lieber: Wer spricht eine zweite Sprache?“ Darin sehe er eine Chance, wenn es denn nicht zur doppelten Halbsprachlichkeit komme. Die Sprache ist für den ehemaligen Seminarrektor der Kernbegriff hin zum Lernen in unserem Schulsystem. Vier Jahre lang war er für die Ausbildung von Referendaren zuständig. Schwabenweit leitete er das Fachseminar für „Deutsch als Zusatzsprache“. „Ich habe diese Aufgabe als besondere Herausforderung gesehen, weil es darum ging, eine ganze Generation von Lehrern mitzuprägen.“

In seinen Worten klingt Zufriedenheit, aber auch Nachdenklichkeit. Genau diese Forderung „Deutsch als Zusatzsprache“ an dieser Schule umzusetzen, habe ihn an der Ausschreibung gereizt. Das nötige Rüstzeug konnte er sich vier Jahr lang an der Grundschule vor dem Roten Tor in Augsburg erwerben. Doch die Rahmenbedingungen in Bobingen sind nicht direkt vergleichbar: „Wir haben heuer drei erste Klassen, sind sonst hier in Bobingen zweizügig. Insgesamt werden an der Stammschule in Bobingen und an der Außenstelle Oberottmarshausen knapp 300 Schüler von rund 30 Lehrkräften unterrichtet.“

Dörfler weiß um die Besonderheit, dass rund die Hälfte seiner Schüler in Bobingen zweisprachig leben. „Deshalb haben wir Förderklassen“, ergänzt er und setzt auf die Lehrkräfte. Sie stünden vor der Aufgabe, die Zweisprachigkeit zu nutzen, obwohl der reguläre Lehrplan dies kaum hergebe. Wortschatzarbeit in Deutsch, wie sie in einem muttersprachlichen Haushalt üblich sei, gerate schnell ins Hintertreffen. Aus Dörflers Worten spricht Praxis und Erfahrung. Die hat er auch schon in der Fachwelt mit einem Aufsatz und als Mitglied in einem Autorenteam unter Beweis gestellt.

16 Stunden wird Dörfler wöchentlich unterrichten, daneben noch die Schule mit zwei Standorten leiten. „Diese Aufgabe wird nur im Team lösbar sein“ meinte er zuversichtlich. In dieser doppelten Verantwortung begrüßte vergangene Woche Dörfler um 8 Uhr die neuen Erstklässler in der Laurentius-Grundschule und eine Stunde später in Oberottmarshausen.

Wichtig sei ihm auch das Gespräch mit den Eltern, um mögliche Probleme oder Veränderungen frühzeitig ansprechen zu können. Auch das koste Zeit, sei aber eine Investition in die Zukunft, schmunzelte Dörfler zufrieden. Höhenflüge kann man Theodor Dörfler durchaus bescheinigen. Eines seiner Hobbys ist der Modellflugsport. Früher mit kleinen Benzinmotoren, heute seien es leistungsstarke Elektromotoren im Miniaturformat, die die Flugzeugmodelle in große Höhen tragen. Zur Einstimmung in den Tag genießt Dörfler ein paar morgendliche Yoga-Übungen. Nach der Ruhe kann er so den Trubel des Tages gelassen und gestärkt angehen.

Eine Veränderung gibt es künftig auch im Sekretariat der Schule. Die neue Verwaltungsangestellte Prestel, so die offizielle Bezeichnung, wird in Teilzeit sowohl für die Laurentius-Grundschule mit der Außenstelle Oberottmarshausen, als auch an der Grundschule in Wehringen arbeiten.
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