Die Templer kehren zurück

Im Jahr 1314 brannten in Paris die Scheiterhaufen. Jacques de Molay, der letzte Großmeister des mächtigen Templerordens, starb im Feuer, nachdem ihn die Kirche der Ketzerei überführt hatte. Allzu viel Macht hatten die kämpfenden Mönche angehäuft, Schätze wie den Heiligen Gral sollten sie besitzen. Damit waren sie nicht nur dem Papst, sondern auch dem König von Frankreich ein Dorn im Auge. Der Orden wurde aufgelöst. Seit letztem Jahr gibt es in Augsburg wieder eine Komturei der Tempelrittern.


Auch heute tragen die Tempelritter noch die weißen Mäntel und das rote Tatzenkreuz des Ordens – allerdings nur zu offiziellen Anlässen, wie Marc Schwalber, Ritter der Komturei in Augsburg erklärt. „Die Kleiderordnung ist streng. Ich dürfte meinen Mantel und das Kreuz nicht einfach für einen privaten Anlass anziehen.“ Diese Insignien erhält der Postulant, also der angehende Ritter, erst bei seinem Ritterschlag, der ganz nach dem traditionellen Vorbild durchgeführt wird.

Einmal im Jahr treffen sich die Tempelritter aus ganz Deutschland auf einem Konzil, wo die Investitur stattfindet. Der Postulant, der zwei Ritter als Bürgen braucht, bekommt zuerst die Ordensregel, die Regula Moderna Nova, vorgelesen. Dann erhält er den Ritterschlag mit dem Schwert von seinem Großprior, der ihm Mantel und Kreuz übergibt.

Schwalber selbst erhielt seinen Ritterschlag 2009 in Siegburg bei Köln, damals noch als Mitglied des Landshuter Ordens. „Die Landshuter wollten quasi expandieren, deshalb wurde ich damit beauftragt, in Augsburg einen Ordensableger zu gründen“, beschreibt Schwalber seine Motivation. Im Dezember 2011 war es schließlich so weit: Die drei Ritter und die zwei Postulanten erhielten die offizielle Anerkennungsurkunde und Augsburg wurde Teil der Templer.

Völlig ohne Tradition sind die Templer, deren Hauptwirkungsbereich Frankreich war, in Augsburg auch gar nicht. Im 13. Jahrhundert gründeten sie einen Ableger in der Heilig-Grab-Gasse mit einer umfangreichen Bibliothek. 1312, kurz vor dem Tod des letzten Großmeisters, entschied der Papst auf dem Konzil von Vienne die Auflösung des Ordens und die Augsburger Besitztümer fielen an die Dominikaner. Eigentlich hatte auch Philipp der Schöne, König von Frankreich, auf die Reichtümer des Ordens spekuliert. Die Templer kontrollierten vor ihrem Untergang einen großen Teil der Banken und hatten in den christlichen Kreuzfahrerstaaten des nahen Ostens rund um das Königreich Jerusalem großen Reichtum erworben. Da die kämpfenden Mönche als christliche Gründung außerdem nur dem Papst unterstanden, waren sie Frankreich zu gefährlich geworden; vor allem nach dem Fall von Akkon 1291, der letzten Kreuzfahrerfestung, hatten sie ihre ursprüngliche Funktion als Schutz für Pilger verloren.

Die militärische Komponente fehlt heute fast völlig: Die 15 Komtureien in Deutschland haben sich neben der Bewahrung der Geschichte vor allem der Wohltätigkeit verschrieben. „Wir unterstützen mit Landshut zum Beispiel ein Krankenhaus in Bulgarien oder ein Waisenhaus in Indien“, erläutert Schwalber. Finanziert werden die Aktionen durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Benefizveranstaltungen.

Seit 2002 hat der Orden in der Schweiz auch den Status einer NGO – also einer nicht-staatlichen Organisation unter dem Dach der Vereinten Nationen. „Wir agieren nach dem christlichen Prinzip der Nächstenliebe und Mildtätigkeit“, sagt Schwalber. Auch das Ordensgebet hat eine religiöse Komponente, und die Tatsache, dass die Taufe verpflichtend für eine Aufnahme in den Orden ist.

Mönche sind die modernen Ritter deswegen nicht. „Uns geht es nicht um den Gottesdienst, sondern um christliche Werte wie Toleranz, Freigiebigkeit und Ökumene“, so Schwalber. Daher stellte sich der Orden vor 30 Jahren nicht mehr unter den Schutz der Kirche. Der päpstliche Nuntius hatte die katholische Orientierung des Laienritterordens zur Voraussetzung gemacht. Seinen Hauptsitz hat der „Ordo Supremus Militaris Templi Hierosolymitani“ (OSMTH), so die offizielle lateinische Bezeichnung, heute in Spanien.

Auch dies hat einen historischen Hintergrund: Wichtige Dokumente des Ordens waren zuerst in den Besitz Napoleons gelangt, der den Orden auf Bitten seines Freundes, des Duc d’Orléans, 1804 neu gründete. Während des Zweiten Weltkriegs gelangten diese Akten nach Portugal in die Hände des Großpriors Antonio Campello Pinto de Sousa Fontes, der 1942 zum Regenten erhoben wurde.

Heute unterhält der Orden Niederlassungen in über 50 Ländern. Wer heute Mitglied werden möchte, muss nur getauft sein und das 18. Lebensjahr vollendet haben. Nach einem Jahr kann er zum Ritter oder zur Dame erhoben werden. Das Geschlecht spielt keine Rolle. In Augsburg steht mit Elke Bruns eine Frau sogar an der Spitze der Komturei. Mehr Infos gibt es auf der Website des Ordens unter www.osmth.de.
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