Die Thüga, das unbekannte Konzernwesen

Thüga Das Netzwerk der Thüga ist nicht auf den ersten Blick zu durchschauen. Foto: Thüga

Bei der Frage nach der Stadtwerke-Fusion spielt das kommunale Netzwerk eine wichtige Rolle

Es ist eine wichtige Entscheidung, vor der die Augsburger stehen: Soll die Energie-sparte der Stadtwerke Augsburg (swa) mit Erdgas Schwaben fusionieren oder nicht? In der bisherigen Diskussion spielt vor allem die Thüga eine Rolle, der Erdgas Schwaben mehrheitlich gehört und die dann auch am fusionierten Unternehmen zu rund 30 Prozent beteiligt wäre. Dabei ist es nicht leicht zu erfassen, wer die Thüga eigentlich ist.

Als OB Kurt Gribl das Ergebnis der Machbarkeitsstudie der Öffentlichkeit vorstellte, war auch Michael Riechel, der Sprecher des Thüga-Vorstands, dabei. Er war etwas überrascht von der politisch motivierten Debatte am Lech über die Fusion. Das kannte er aus anderen Städten nicht.

Grund für viele Augsburger, die Diskussion überhaupt zu führen, ist offensichtlich eine nicht näher zu bestimmende Furcht vor der unbekannten Thüga. Doch wer ist die Thüga?

Hinter dem Kürzel verbirgt sich die Thüringer Gas AG. Die gibt es schon seit 1876. Und in Augsburg ist sie seit mehr als 50 Jahren. Bei der Gründung der Ferngasversorgung Schwaben GmbH, Vorgängerin von Erdgas Schwaben, im Jahr 1952 wirkte Thüga über ihre damalige Tochter, die Aktiengesellschaft für Licht- und Kraftversorgung (LUK), mit. Partner waren schon damals die Stadtwerke Augsburg.

Diese Partnerschaft besteht bis heute. Die Thüga hält an Erdgas Schwaben knapp 65 Prozent der Anteile, der Rest gehört den swa. Das erklärt auch, warum die Thüga im Fusionsfall bei den Stadtwerken mit im Boot sitzt - zumindest, was die Energiesparte anbelangt. So weit, so einfach.

Doch die Thüga selbst ist nicht ganz so einfach zu verstehen: "Die Thüga-Gruppe ist Teil der deutschen Kommunalwirtschaft. So ist die Thüga Aktiengesellschaft an rund 100 kommunalen Unternehmen der Energiebranche beteiligt. Ein großer Teil dieser kommunalen Unternehmen bildet zudem den Kreis der Anteilseigner der Thüga Holding GmbH & Co. KGaA. Die Thüga Holding GmbH & Co. KGaA hält wiederum insgesamt 100 Prozent der Thüga Aktiengesellschaft."

Hinter diesem Modell steht eine bewegte Geschichte, deren jüngste Eskapade der Ausbruch aus dem Energiekonzern Eon im Jahr 2009 einen Wendepunkt darstellt. Seitdem ist die Thüga fest in kommunaler Hand: Das Bündnis aus Enercity (Stadtwerke Hannover), Mainova (Frankfurt) und N-ERGIE (Nürnberg) kaufte jeweils 20,5 Prozent der Thüga-Anteile, die Stadtwerke-gruppe Kom9 rund 38,4 Prozent. Zu dem Zusammenschluss aus kommunalen Energieversorgungsunternehmen Kom9 gehört auch Erdgas Schwaben und somit halten die Stadtwerke über die Beteiligung an Erdgas Schwaben ihrerseits Anteile an der Thüga. Der Kreis schließt sich.

Vor einiger Zeit war bei der Thüga eine Partnerschaft mit einem Rentenfonds geplant, die war aber dann doch nicht zustande gekommenen.

Klaus-Peter Dietmayer, Geschäftsführer der swa und Erdgas Schwaben, bestätigt, dass geprüft worden ist, einem Rentenfonds eine Minderheitsbeteiligung unter ganz bestimmten Umständen einzuräumen. Daraus wurde allerdings nichts, weil sich das Projekt, für das ein kurzfristiger Finanzbedarf nötig gewesen wäre, zerschlagen hat. Heute denke bei der Thüga niemand mehr darüber nach, einen privaten Investor mit an Bord zu nehmen.

Ob diese Beteuerung den Augsburgern letztlich reicht, um der Fusion der swa mit Erdgas Schwaben zuzustimmen, wird sich wohl erst beim Bürgerentscheid am 12. Juli zeigen.
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