Die vierte Chance genutzt

Florian Scott Günthers Gesellenstück fand ganz besondere Aufmerksamkeit bei der Freisprechfeier der Schreinerinnung. Der Schreinergeselle setzte schlichte Schubladenkästen aus Räuchereiche in alte Fichtenbalken aus einer Scheune seiner Familie ein. Foto: S. Amberg Foto: Junge Werkstatt

Zehn junge Gesellen sind vor Kurzem mit einer kleinen Feier aus der Jungen Werkstatt verabschiedet worden. Stolz nahmen sie am Ende ihrer erfolgreichen Ausbildung Gratulationen und Glückwünsche entgegen. Als Schreiner, Schneiderin, Schlosser, Maler, Zweiradmechatroniker oder Gärtner treten sie in ihr Berufsleben.

Heuer gibt es auch wieder besondere Leistungen zu würdigen: Die Gesellin in der Damenschneiderei schnitt als Innungsbeste und zweitbeste im Bereich der Handwerkskammer ab. Einer der Schreiner-Azubis überzeugte mit seinem Gesellenstück. Er erhielt einen Preis im Wettbewerb "Die Gute Form" der Schreiner-innung.

Die Startbedingungen für die Jugendlichen, die in der Jungen Werkstatt eine berufliche Einstiegsqualifizierung oder eine handwerkliche Ausbildung beginnen, sind dabei alles andere als vielversprechend. Mit 24 Jahren begann Hanna ihre Ausbildung als Gärtnerin im Garten-/Landschaftsbau in der Jungen Werkstatt. Es war bereits ihr vierter Anlauf zu einem Berufseinstieg, nach etlichen Ausbildungsabbrüchen und Gelegenheitsjobs. Sie lebte in Scheidung, war wohnungslos und verschuldet. Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss arbeitet sie heute in ihrem Traumberuf. Marco tauchte nach seinem Hautschulabschluss erst mal ab, war jahrelang "ghettomäßig unterwegs", wie er sagt. In der Jungen Werkstatt fand er schrittweise ins Arbeitsleben, er entwickelte einen Berufswunsch und konnte eine Schlosserausbildung beginnen.

Mandy hat eine Einstiegsqualifizierung erfolgreich durchgehalten und blickt nun bereits auf ihr erstes Ausbildungsjahr als Maler-und Lackiererin zurück. Sie hatte die Hauptschule abgebrochen und kam in die Junge Werkstatt mit erheblichen Verhaltensauffälligkeiten.

Die Junge Werkstatt bietet seit 40 Jahren Jugendlichen mit der Verknüpfung von Arbeitsrealität und pädagogischer Förderung die Chance auf persönliche Stabilisierung und berufliche Qualifizierung. Träger der gemeinnützigen GmbH ist die Evangelische Kirche Augsburg. Schreiner Florian Scott Günther, einer der erfolgreichen Auszubildenden dieses Sommers, drückt es folgendermaßen aus: "Die Anleitung in der Jungen Werkstatt ist sehr gut. Sie zielt auf Selbständigkeit, auf das Selbst-Drauf-Kommen, und dafür gibt es auch genügend Zeit."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.