Die Zukunft der Daten: was die bayerische Wirtschaft über Big Data denkt

Ein Meer an Daten: damit große Unternehmen nicht im Trüben fischen, gibt es Analysespezialisten für Big Data. (Foto: Pavel Chagochkin, 123rf.de)

So wie es Kriege um Öl gab, so ist es durchaus möglich, dass es zukünftig Kriege um Daten gibt. Das war nur eine der überraschenden und teilweise schockierenden Aussagen, die bei einem Vortrag über Big Data am Donnerstag im Innovationspark zu hören waren. Veranstalter war die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft vbw.

Es gibt kein Eigentumsrecht auf eigene Daten. Eigentum ist laut Gesetz nur etwas Reelles. Außerdem gibt es kein Gesetz, das sich mit dem internationalen Gewinnen und dem Gebrauch von Daten beschäftigt.
Deshalb machte Donald Trump auch vor wenigen Tagen erst wieder Schlagzeilen, doch nicht etwa wegen einer skandalösen Aussage, sondern wegen einer besonderen Art des Wahlkampfes. Millionen Daten konnten einfach analysiert werden, so dass die Amerikaner online eine genau auf sie abgestimmte Werbung pro Trump bekamen. Dieser Art Daten zu analysieren und zu verwenden liegt Big Data zugrunde.

„Big Data ist kein kurzfristiger Hype, sondern einer der wesentlichen Wachstumstreiber der nächsten Jahre, zum Beispiel in Bereichen wie selbstlernenden Produktions- und Logistikprozessen, individuellen medizinischen Lösungen oder dem autonomen Fahren. Für Unternehmen gilt daher: Jedes sollte seine eigene Datenstrategie entwickeln“, sagte Dirk Poller, stellvertretender Geschäftsführer der vbw. Der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft gab auf Basis einer Studie der vbw Handlungsempfehlungen für Big Data.

Deutschland im weltweiten Vergleich nur auf Platz 3

Weltweit führend in der Big Data Forschung sind die USA, gefolgt von China. Den dritten Platz teilen sich Großbritannien, Indien und Deutschland. Michael Astor, einer von sieben Rednern bei dieser Veranstaltung, meinte, Deutschland müsse sich noch strecken, um international mithalten zu können.

Doch was ist eigentlich dieses Big Data? Im Grunde sammeln Konzerne online Daten, die zu groß sind oder sich zu schnell ändern für herkömmliche Auswertungsmethoden. Die heute weltweit verfügbare Datenmenge beträgt unvorstellbare zwölf Zettabyte, das sind zwölf Milliarden Terabyte, gibt der Vorsitzende des Zukunftsrats Professor Wolfgang Herrmann in seinem Vorwort zur Big Data-Studie zu bedenken. „Wir sind im Big-Data-Zeitalter angekommen, das lautlos aus der digitalen Revolution entsprungen ist. Wir leben in einer wahrlich schwindelerregenden Epoche der Menschheitsgeschichte“, erklärt Herrmann.

Neue Chancen durch "Datenmeer"


Ohnmächtig sei aber nur, wer nicht die „historischen Chancen“ ergreife, die „das neue Datenmeer eröffnet“. Laut Herrmann bedeutet Big Data eben auch, dass man sich in der komplexen Welt besser zurechtfinden kann, wenn gelernt wird, die Datenflut zu strukturieren, um daraus neue Muster und Gesetzmäßigkeiten abzuleiten. Er denkt dabei an personalisierte, genomdatengestützte Medizin, intelligente, vernetzte Fabriken oder an „Precision Farming“, um etwa die Landnutzung von morgen an die exponentielle Bevölkerungsentwicklung anzupassen.

Grundsätzlich unterschieden wird bei Daten zwischen personenbezogenen und sachbezogenen Daten. Erstere unterliegen dem Datenschutz, letztere dem Eigentumsschutz. Aber dies bedeutet nicht, dass diese Daten nicht verwendet oder verkauft werden dürfen, es wird nur reguliert, wie sie verwendet werden dürfen. Auf die Frage was Big Data darf, antwortete Dirk Heckmann, Deutscher Rechtswissenschaftler, nur mit der Frage „Was darf Satire?“, betonte aber auch das Big Data zwar nach größtmöglicher Freiheit strebe, juristisch aber freilich nicht alles dürfe.

Und auch wenn Daten einzeln keinen Wert haben, so haben sie in großen Mengen kommerziellen und wirtschaftlichen Wert. Das beste Beispiel hierfür ist Facebook. Das Sammeln von Big Data hat aber auch positive Seiten. So können Unternehmen durch Sammeln ihrer Daten ihre Abläufe optimieren und Kosten senken. Ohne Big Data gäbe es außerdem keine selbstfahrenden Autos.
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