Die Zukunft der Halle 116

Bereits mehrfach diente die Halle 116 der ehemaligen Sheridan-Kaserne in Pfersee als Ort der Erinnerung. Zum Tag des offenen Denkmals präsentierte sich der aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende Bau bereits als "unbequemes Denkmal". Die Bezeichnung wählte der Augsburger Lehrstuhl für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums nicht ohne Grund.

Der unscheinbare Bau, dessen bloße Ziffer an der alten Fassade die Erinnerung wach hält, war in den Zeiten des amerikanischen Lebens in der Stadt als Werkstatt für Fernsehreparaturen und als Bücherei für die hier stationierten Soldaten der US-Armee genutzt. Das unbequeme darin ist die Geschichte der Halle vor 1945. Denn als im Jahr 1944 der Platz in den Konzentrationslagern zunehmend knapp wurde, war die Halle 116 der Aufenthaltsort für bis zu 2000 männliche Häftlinge, die zum Arbeitseinsatz nach Pfersee verlegt wurden.

Als Außenlager des Konzentrationslagers Dachau "beherbergte" das Gebäude die Zwangsarbeiter, die täglich in den Messerschmitt-Werken ihren Einsatz verrichten mussten. Die Halle war mit Stacheldraht von der restlichen Kaserne abgetrennt. Auf dem Appellplatz vor der Halle 116 wurden auch Strafen vollzogen, vermutlich sogar Exekutionen.

Nach dem zweiten Weltkrieg nutzten dann die Amerikaner das Gebäude. Neben der Bücherei und der Reparaturwerkstätte für Fernseher diente die Halle vor allem zum Abstellen von Fahrzeugen. Bis 1988 wurde das Gebäude in hervorragendem Zustand gehalten. In einer Bürgerwerkstatt, welche die neue Nutzung des Sheridangeländes begleitet, wurde deutlich, dass die Geschichte der Kaserne und speziell der Halle 116 in angemessener Form gewürdigt werden muss.

Insbesondere um diese Erinnerung der Doppelnutzung dieses historischen Denkortes aufrecht zu erhalten, plant derzeit eine Gruppe rund um Tobias Brenner, der am Lehrstuhl seine Doktorarbeit schreibt, die zukünftige Nutzung der Halle als Museum. Unter dem Begriff "Denkort Frieden" möchte man im Museum die längst unsichtbare Geschichte der KZ-Vergangenheit wieder sichtbar werden lassen. Neu wäre an diesem Konzept neben der Doppelnutzung, welche das Gebäude in seiner Historie erzählt, auch die Möglichkeit die Geschichte der in Deutschland stationierten US-Soldaten zu erzählen. Bisweilen gibt es bundesweit hierzu kein Museum. Wichtig ist den Planern der Universität Augsburg dabei, den Besuchern zu zeigen, dass die Geschichte vor und nach 1945 nicht getrennt werden könne. "Beides gehört zu Augsburg" sagt der Mannheimer Professor Philipp Gassert, der ehemalige Lehrstuhlinhaber für die Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg.

Das Konzept für das Museum soll bereits Ende des Jahres fertig sein. Dennoch bleiben viele Aufgaben bis zu einer möglichen Öffnung noch zu erledigen. Derzeit ist das Gebäude noch eher Unterstellfläche als kulturell nutzbarer Raum.

Zudem hat die Stadt Augsburg das Dachgeschoss des Gebäudes als Notunterkunft für Asylbewerber beim Freistaat gemeldet. Eine heikle und umstrittene Entscheidung, insbesondere dann, wenn man die unrühmliche Geschichte der Halle 116 kennt. Bei der Stadt heißt es, man sei sich der schwierigen Geschichte des Gebäudes bewusst, nicht zuletzt deswegen möchte man auch das Gebäude zukünftig als Ort der Erinnerung einer anderen Nutzung zuführen.

Die Finanzierung des Museums möchte die Stadt Augsburg übernehmen, die sich als "Friedensstadt" hier in besonderem Maße verpflichtet sieht. Der vom Stadtrat beschlossene Erhalt der Halle wird auch von einer Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern mitgetragen, für welche die Geschichte der Halle keine Altlast ist, sondern Ansporn hier etwas entstehen zu lassen, dass dem Gedenken der Erinnerung Rechnung trägt, aber auch einer sinnvollen zukünftigen Nutzung nicht im Wege steht.
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