Dreikönigsspiel begeisterte das Publikum in der Freien Waldorfschule Augsburg

Es wird nur noch selten aufgeführt an den Waldorfschulen in Deutschland: das Dreikönigsspiel. Nicht nur wegen der großen Anzahl der Mitwirkenden ist es das aufwändigste und umfangreichste der Trilogie der „Oberuferer Weihnachtsspiele“. Lehrer, Eltern, Schüler und Freunde der Augsburger Waldorfschule haben dieses Jahr das mittelalterliche Mysterienspiel nach acht Jahren wieder einmal in Augsburg auf die Bühne gebracht und damit die Zuschauer begeistert.
In dem Stück geht es um die Entscheidungsfreiheit des modernen Menschen zwischen Gut und Böses, zwischen königlicher Würde und Suche nach Erkenntnis auf der einen Seite und Herodesmacht, Buchgelehrtheit und Gewalt auf der anderen.
Große Bilder von großen Gefühlen, eine sehr begabte Schauspielgruppe (mittelalterlich „Kumpanei“ genannt), wunderbare Kostüme und ein tolles Lichtspiel sorgten für einen nachhaltigen Eindruck bei den Zuschauern. "Ich habe schon sehr viele Dreikönigsspiele besucht", sagte der ehemalige Schularzt der Schule Dr. Christoph Buschmann, "aber so gut wie heute Abend war es noch nie". Seine Frau Patricia Buschmann sagte, es sei traurig, wie aktuell das Stück heute wieder sei. Regie führte Ingrid Meyer-Reges.
Die Oberuferer Weihnachtsspiele bestehen neben dem Dreikönigsspiel aus dem Paradeis-Spiel und dem Christgeburt-Spiel . Sie wurden etwa 1850 von Karl Julius Schröer wieder entdeckt und veröffentlicht. Benannt sind sie nach dem Entdeckungsort „Oberufer“, einem bis 1918/20 zu 77 % von Deutschen und zu 18 % von Ungarn besiedelten Dorf an der gleichnamigen Donaufurt/Fährstelle.
Der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner, gab eine leicht veränderte Fassung dieser Spiele heraus. Die Lehrer der ersten Waldorfschule in Stuttgart führten die Präsentation für die Schüler ein. Sie werden alljährlich in Waldorfeinrichtungen um die Weihnachtszeit aufgeführt.
Die Schauspieler der Augsburger Waldorfschule hielten sich an den Originaltext, der sehr volksnah geschrieben und in einem donauschwäbischen Dialekte in Reimen abgefasst ist. Es wird dabei viel gesungen, allein oder in der Gruppe.
Die Freie Waldorfschule Augsburg wurde 1981 gegründet. Sie ist einzügig, rund 400 Schüler besuchen die Schule. Als Abschlüsse werden Mittlere Reife und Abitur angeboten. Teil der Waldorfpädagogik sind zwei Fremdsprachen ab Klasse eins, Leistungsförderung ohne Noten, Selektion und Sitzenbleiben, ein gemeinsamer Klassenverband während der gesamten Schulzeit, Ausbildung von individuellen sozialen und kreativen Fähigkeiten. Die Schule bietet eine flexibel buchbare Ganztagsbetreuung an. (Fotos: Angelika Lonnemann)
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