Edelstahl statt altes Eisen: Initiative will älteren Arbeitnehmern im Arbeitsalltag helfen

Rückengerecht: Andrea Schweiger (links) und ihre Kollegin führen an Roman Voigt eine kinästhetischen Bewegungsablauf vor. (Foto: Klinikum Augsburg)

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Bayerische Arbeitsministerium hat 2012 gemeinsam mit den Wirtschaftsverbänden, der Arbeitsverwaltung und den Gewerkschaften die „Initiative Ältere und Arbeitswelt“ gegründet. In Zeiten der stetigen Bevölkerungsalterung und eines in Augsburg vorhaltenden Fachkräftemangels soll die Initiative Arbeitgeber unterstützen, geschultes Personal auch im fortgeschrittenen Alter zu halten. Gleichzeitig ist das Ziel, älteren Arbeitnehmern mit Schulungen und Arbeitsgruppen im Arbeitsalltag zu helfen. Zum fünfjährigen Bestehen lud die Initiative zu einer Informationsveranstaltung in das Klinikum Augsburg.

„Wir müssen uns auf den demografischen Wandel einstellen“, eröffnet Susanne Arnold, Vorständin der Pflege des Klinikum Augsburg das Programm. Nicht nur die Patienten des Klinikums, sondern auch die Angestellten würden altern, gibt sie zu bedenken. Um die Mitarbeiter zu unterstützen, gäbe es im Klinikum momentan drei verschiedene Projekte. Im Rahmen des Projekts „FISnet“ – Flexible, individualisierte Service-Netzwerke – wurde beispielsweise ein Booklet mit „Entlastungs- und Ausgleichsübungen am Arbeitsplatz“ entwickelt. Die Übungen sollen Nackenverkrampfungen und Rückenverspannungen bei langer Bildschirmarbeit entgegenwirken.
Sandra Mayer ist Physiotherapeutin im Klinikum und erklärt, Arbeitnehmer könnten die Übungen am Arbeitsplatz durchführen, sie sollten mobilisierend und entspannend zugleich wirken. Im Klinikum bietet Mayer auch Schulungen zu rückenfreundlichen Arbeitsweisen an.
Die Wichtigkeit dieser Maßnahmen betont Landrat Martin Sailer: „Ältere Mitarbeiter sind häufig die Leistungsträger in deutschen Betrieben“. Allerdings könne sich ein Großteil der Arbeitnehmer im Klinikum nicht vorstellen, ihren Beruf bis zur Rente auszuüben, das zeige eine Mitarbeiterbefragung von FISnet. Ein Grund sei vor allem die steigende Arbeitsbelastung. Denn trotz Vollbeschäftigung in Bayern herrscht in Augsburg momentan Fachkräftemangel.
Um besonders das Pflegepersonal zu entlasten, setzt das Klinikum verstärkt auf Kinästhetik. „Die Lehre von der Bewegungsempfindung“ ist eine Methode, bewegungseingeschränkte Patienten zu mobilisieren, ohne das sich Mitarbeiter selbst zu stark belasten. Besonders für Ältere Mitarbeiter, die in der Pflege tätig sind, stellt Kinästhetik so eine Erleichterung da.
Andrea Schweiger ist Fachlehrerin für professionelle Bewegungsförderung und bietet im Klinikum Kinästhetik-Schulungen für das Krankenhauspersonal an. Sie habe nur positive Rückmeldungen von den Teilnehmern erhalten, erzählt sie. Ältere Mitarbeiter, die die Übungen im Arbeitsalltag anwandten, sprachen von einer deutlichen Rückenentlastung. Als Präventivmaßnahme von Rücken- und Gelenkschmerzen würden aber auch junge Pflegekräfte von der schonenden Methode profitieren.
„Wir stehen kurz vor der Wende“, ergänzt Stationsleiter Roman Voigt. Wenn nicht jetzt angefangen werde, Mitarbeiter im Alter zu unterstützen, wäre es bald zu spät. Schon jetzt müsse aktiv um Personal gekämpft werden, umso wichtiger sei es, erfahrene Pflegekräfte zu halten. Denn auch die eigene Generation sei früher oder später in derselben Situation, mahnt er.
„Es ist kein großes Big Bang und dann bin ich 60“, hatte Staatssekretär Johannes Hintersberger es in seiner Rede zu Beginn der Veranstaltung formuliert. Das Altern sei ein Prozess, bei dem das Potenzial jedes Einzelnen gehalten, gefördert und unterstützt werden müsse. Er betonte zudem die Wichtigkeit der Weiterbildung aller Mitarbeiter und bedankte sich beim Klinikum für die „engagiert durchgesetzten Maßnahmen“. Auch nach dem fünfjährigen Bestehen der Initiative habe deren Ziel nicht an Aktualität verloren, beteuert Hintersberger und schließt mit den Worten: „Es geht nicht ohne unsere älteren Mitarbeiter.“
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