Ein Stück Heimat in der Fremde

Mit viel Engagement gehen die Helfer auch in der ehrenamtlich geführten Kleiderkammer zu Werke. Foto: Hans Blöchl

Ibrahim aus Syrien, Rahab aus dem Libanon, Dojana aus Albanien - sie alle sind nach teilweise dramatischen Monaten auf der Flucht in Lechhausen gelandet. Auf teils abenteuerlichen Wegen, mit vielen traumatischen Erlebnissen haben sie es in die Sicherheit geschafft.

Etwas mehr als 200 Menschen, der größte Teil aus Syrien, aber auch aus Albanien, dem Kosovo und anderen Ländern, haben in fünf dezentralen Unterkünften in Lechhausen Zuflucht gefunden. Nach einigen Tagen in sogenannten Erstaufnahmeeinrichtungen sind sie nun erstmal richtig angekommen und werden, je nach Verfahrensdauer, einige Monate oder bis zu zwei Jahre in ihrer Unterkunft bleiben. Sie gehören jetzt zu Lechhausen - und sie sind sehr froh darüber. Wenn man mit ihnen spricht spürt man Freude, Dankbarkeit, natürlich ist auch Skepsis und Trauer spürbar. Die Lebensumstände sind ja auch nicht einfach. In der Unterkunft teilt man sich Küche, Duschen, sanitäre Einrichtungen mit vielen anderen Personen, manchmal leben sechs Menschen in einem größeren Raum zusammen. Die fremde Umgebung fordert einiges. Manche müssen zu ihren Asylgesprächen nach München fahren, ohne sich wirklich zurechtzufinden. Einkaufen, Busfahren, Arztbesuch - alles nicht so einfach ohne Sprachkenntnisse.

"Wer sich auf die christlich- abendländische Kultur beruft, kann gar nicht anders, als zu helfen", sagt eine engagierte Lechhauserin. So stellt etwa die Caritas den Mehrgenerationentreff für Treffen zur Verfügung, die Kirchen haben Spendenkonten eingerichtet, aus den Kleiderkammern der Verbände wird notwendige Kleidung bereitgestellt. Am wichtigsten sind aber die ehrenamtlichen Unterstützer, die die Hilfe organisieren und tragen. Auch die Sportvereine sind spontan zur Hilfe bereit, TSG und DjK stellen Trainingsmöglichkeiten zur Verfügung, unbürokratisch wird auch die Mitgliedschaft geregelt.

Ortstermin: Zusamstraße, Dienstagnachmittag. Im Treppenhaus stauen sich die Menschen, der Zugang zur ehrenamtlich betriebenen Kleiderkammer ist kaum möglich. Die Menschen sind freundlich, aber angespannt. In dem kleinen und engen, mit Kleidern aller Art gefüllten Zimmer arbeiten fünf ehrenamtliche Helfer, ein Mann und vier Frauen. Auch eine türkischstämmige Frau von den Lechhauser Stadtteilmüttern steht mitten im Getriebe und hilft. Zweimal wöchentlich wird hier in der Erstaufnahmeeinrichtung Kleidung ausgegeben. Gerade suchen drei junge Frauen aus dem Jemen nach geeigneten Kleidungsstücken.

Die Kleidung stammt ausschließlich aus privaten Spenden. Gut gemeint aber wenig nützlich war etwa die Anlieferung eines Pelzmantels. Deshalb bittet die Mannschaft um vorherigen Kontakt, wenn jemand Kleidung oder Schuhe abgeben will.

Ortswechsel: In einer Unterkunft in einem ziemlich düsteren Aufenthaltsraum sitzen 25 gespannte Menschen und warten, was da kommt. Der erste "Sprachkreis" ist angesagt. Es geht darum, ein wenig Alltagsdeutsch zu vermitteln, damit die Menschen sich in ihrem neuen Leben in Lechhausen besser zurechtfinden. Die Stimmung ist lebhaft, manche lernen schnell, andere tun sich schwerer. Eine gelöste Atmosphäre, bei der man sich näherkommt. Auch erste Schicksale kommen zum Vorschein, wenn etwa Dojana aus Albanien erzählt, wie gerne sie in Deutschland studieren würde, wohl wissend, dass sie als Albanerin wenig Chancen auf Anerkennung als Asylsuchende hat.

Vieles wird vom Helferkreis koordiniert, der sich in unterschiedlichen Abständen trifft. Die Bereitschaft zu helfen ist hoch, die Möglichkeiten oft eingeschränkt oder durch bürokratische Hindernisse behindert. "Was zählt", meint Uschi Gorlt vom Helferkreis, "ist, dass wir mit allen Menschen friedlich und freundlich zusammenleben, weil das für unseren Stadtteil wichtig ist."



Kontakte und Informationen

Asyltreff am Donnerstag: Uschi Gorlt, Telefon 0821/71 27 79, E-Mail: fam-gorlt@arcor.de;

Hans Blöchl, Telefon 0171/4 53 60 34, Email: bloechlhans @gmail.com;

Pfarrei St. Markus, Pfarrerin Katharina Beltinger, Telefon 0821/ 71 97 61, E-Mail: katharina.beltinger@elkb.de;

Pfarrei St. Pankratius, Stadtpfarrer Markus Bader, Telefon 0821/72 08 40.

Spendenkonten (Verwendungszweck "Asyl")

Ev.-Luth. Kirchengemeinde Augsburg-St. Markus; IBAN: DE50 7209 0000 0004 0027 50; BIC: GENODEF1AUB; Augustabank Augsburg;

Pfarreiengemeinschaft St. Pankratius/ULF, IBAN: DE86 7209 0000 0004 0465 28, BIC: GENODEF1AUB, Augusta-Bank, Augsburg.
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