Eine Stadt feiert die Reformation: Festprogramm zum 500. Jubiläum

Reformation in Augsburg: 1518 war Martin Luther in der Stadt, um sich vor dem päpstlichen Gesandten Kardinal Cajetan zu rechtfertigen. Helmer Haaks und Rudi Seitz (von links) spielten das Aufeinandertreffen und den Streit um die lutherischen Lehren zum Friedensfest 2008 nach. Foto: Markus Höck/Archiv

Augsburg - Das Verhör Martin Luthers durch Kardinal Cajetan und Luthers Weigerung zu widerrufen 1518, die Confessio Augustana 1530, der Religionsfriede 1555 - es sind die Meilensteine der Reformation, sie alle haben in Augsburg stattgefunden. Entsprechend groß feiert die Stadt das 500. Jubiläum der Reformation, Luthers Thesenanschlag zu Wittenberg im Jahr 1517.

Als gemeinsame Partner veranstalten Stadt und Evangelische Kirche das Programm, das am Montag, 31. Oktober, 19.30 Uhr, in der St. Anna Kirche mit einer Auftaktveranstaltung beginnt. Ein Jahr lang dürfen sich die Bewohner und Besucher der Stadt über Konzerte, Führungen, Diskussionen, Ausstellungen und Vorträge freuen. "Mutig bekennen, friedlich streiten" lautet das Motto. Stadtdekanin Susanne Kasch sieht darin einen Bezug zur Confessio Augustana, dem ersten evangelischen Bekenntnis. Leider, so Kasch, habe die Geschichte danach eine Entwicklung genommen, die nicht friedlich war. Im Jahr 2017 stelle sich nun die Frage: "Wie kann ich meinen Glauben absolut leben, ohne totalitär zu sein?" Das erklärte Ziel des Festjahres sei es, die Reformation als Stadtgesellschaft gemeinsam zu feiern. Und auch wenn sich beispielsweise der Blickwinkel gerade von evangelischer und katholischer Kirche auf die Reformation unterschieden, "Ende 2017 sollen wir gemeinsamer, nicht getrennter sein", hofft Kasch.

Der verbindende Charakter des Programms zeigt sich etwa in einem der absoluten Höhepunkte: Die Ausstellung "Unser Buch" findet im Rathaus, in der katholischen St. Moritz Kirche und in der St. Anna Kirche statt. In der dreigeteilten Schau geht es um die Bibel. Während im Rathaus die Ursprünge beleuchtet werden, zu den Exponaten gehören auch Keilschrifttafeln und Qumran-Fragmente, geht es in St. Moritz um den Gebrauch der Bibel in Gottesdiensten. St. Anna schließlich bildet den Rahmen für die Frage, was die Bibel heutzutage bedeutet. Wie dieser Teil umgesetzt werden kann, darüber rätseln laut Kasch die Ausstellungsmacher noch. Doch die Stadtdekanin ist überzeugt, dass für alle Altersgruppen etwas dabei sein wird. Die Stücke, die ab 7. April zu sehen sein werden, stammen aus dem Museum of the Bible in Washington.

In das Festprogramm kurzerhand integriert wurde auch die lange Kunstnacht, die am 24. Juni 2017 unter dem Motto "Lange Nacht der Freiheit" den Kirchentag der evangelischen Gemeinden aus der Region ergänzt.

Musikalisch höchst spannend dürfte die Uraufführung der Friedensoper "Letzte Nacht" von Patrick Schäfer am 18. Juni 2017 in St. Anna werden. Das Stück ist eine Auftragsarbeit für das Evangelisch-Lutherische Dekanat Augsburg und beschäftigt sich mit der Rolle Luthers im Bauernkrieg.

Krönender Abschluss des Festprogramms wird dann am 31. Oktober 2017 zunächst ein Ökumenischer Gottesdienst und im Anschluss das Festkonzert zum Reformationstag mit der Augsburger Symphonie in St. Anna sein.
Alle weiteren Informationen finden sich im Internet unter www.reformation2017augsburg.de. (
Von Markus Höck)
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