Erfreuliche Museumsbilanz für 2014

Die Ausstellung rund um den zerstörten Pommerschen Kunstschrank lockte die Besucher scharenweise ins Maximilianmuseum. Auf dem Gemälde ist die Übergabe des Kunstschranks an Herzog Philipp II. von Pommern durch den Kunstagenten Philipp Hainhofer festgehalten. Foto: Kunstsammlungen und Museen Augsburg

50.000 Besucher mehr als noch im Vorjahr und trotzdem sind die Augsburger Museen und Kunstsammlungen nicht zufrieden. Bei der Bilanzvorstellung für das Jahr 2014 klagen die Einrichtungsleiter über zu wenig Personal und Geld.

Über eine mangelnde Auslastung konnten sich die Augsburger Kunstsammlungen und Museen im vergangen Jahr nicht beschweren. 285 000 Gäste wollten die Exponate bestaunen. Und zu staunen gab es reichlich. Höhepunkt war sicher die Paul Klee-Ausstellung im H2 im Glaspalast. Folgerichtig hat sich die Besucherzahl dort mehr als verdoppelt, insgesamt kamen fast 49 000 Besucher. Auch das Maximilianmuseum konnte dank einer Sonderausstellung zum Pommerschen Kunstschrank zulegen. 113 000 Gäste empfing das Museum.

Doch bei aller Freude über die hohe Akzeptanz der Augsburger Museen mischte sich in die Bilanz eine deutliche Bitterkeit. Die Kunstsammlungen fühlen sich zurecht stiefmütterlich behandelt. "Die Zahlen täuschen darüber hinweg, dass wir uns von Klippe zu Klippe hangeln". Der Leiter der Museen und Kunstsammlungen Christof Trepesch ist mit der Ausstattung seiner Häuser nicht zufrieden. Das Personal erschöpft sich bereits mit den Leitern der fünf großen Häuser. Einen eigenen Kurator gibt es nicht. Neue Ausstellungen werden nebenher kuratiert oder über Werkverträge geregelt. Unter dem Finanzmangel leidet auch die wissenschaftliche Auswertung der Bestände, von der digitalen Erfassung ganz zu schweigen. Für das grafische Kabinett sind derzeit 9000 Stücke erfasst - von 45 000. Besondere Bedeutung in einer zeitgemäßen Museumslandschaft hat die Museums-pädagogik. Deren Angebote werden derzeit zum großen Teil von Ehrenamtlichen gestemmt.

"Ich bin mir der Bedürfnisse der Kunstsammlungen bewusst", erklärt Kulturreferent Thomas Weitzel und gibt zu: "Wir haben personell großen Nachholbedarf." Er will im Stadtrat um mehr Unterstützung für die Museen werben. Ob die Räte bei den anstehenden Haushaltsberatungen wirklich mehr Geld bewilligen werden, ist fraglich. Denn bei den Kunstsammlungen gibt es noch ein anderes kostspieliges Problem: das Römische Museum.

Das Haus, das in der Dominikanerkirche untergebracht ist, ist immer noch wegen statischer Probleme geschlossen. Derzeit laufen dort die Untersuchungen für einen Sanierungsplan. Erst wenn der steht, kann mit der eigentlichen Rettungsaktion begonnen werden. Trepesch lässt hier keinen Zweifel, dass es auch nach der Renovierung der Kirche einen Neubau geben muss für die Ausstellung des Römischen Museums. Bis der Neubau bezugsfertig ist werden noch einige Jahre vergehen.

Das hat auch Konsequenzen für die "Alternativausstellung" in der Toskanischen Säulenhalle, deren Start mittlerweile auf Sommer 2015 verschoben ist. Dort sollen bis zur Eröffnung des Römischen Museums die Stücke aus der Augsburger Antike präsentiert werden. Manfred Hahn, kommissarischer Leiter des Römischen Museums, überarbeitet derzeit das Ausstellungskonzept. Die Schau war zunächst auf zwei Jahre angesetzt. Jetzt geht Hahn von vier oder sechs Jahren aus. Damit ändert sich auch die Präsentation. So ist nun ein Bereich mit wechselnden Inhalte eingeplant, etwa um aktuelle Grabungsfunde zu zeigen.

Überhaupt wird die Stadtarchäologie eine Aufwertung erfahren - zumindest auf der Internetseite der Kunstsammlungen soll sie gleichberechtigt dargestellt werden. Angesichts der immensen Grabungstätigkeit der Archäologen in Augsburg ist diese Anerkennung längst verdient. Sebastian Gaierhos, der Leiter der Stadtarchäologie, berichtet von einem ausgefüllten Jahr 2014. Neben der Vorbereitungen für den Umzug ins Zentraldepot beim Textilindustriemuseum halten die täglichen Grabungen sein Team auf Trab. Für eine Zunahme der Aufträge macht er die anhaltende Bauwut aufgrund der steigenden Immobilienpreise verantwortlich. "Und das wird sich so schnell nicht ändern."

Trepesch kann für 2015 kein großartiges Projekt ankündigen. Für eine Sonderschau in der Größenordnung der Klee-Ausstellung gibt es schlicht kein Geld. Vielmehr sollen die Häuser mit kleineren Ausstellungen durchs Museumsjahr kommen - was nicht unbedingt schlecht ist.

Vielversprechend klingt die Ausstellung "Blutgeld", die ab 24. April im Maximilianmuseum zu sehen sein wird: Propaganda-Medaillen aus dem Ersten Weltkrieg erzählen ihre Geschichten.

Im Schaezlerpalais wird ab dem 21. März "Die verschollene Leda neu entdeckt". Das Gemälde stammt von Joseph Heintz d.Ä., einem Augsburger Bürger und kaiserlichen Hofmaler.

Das Grafische Kabinett zeigt ab dem 11. März japanische Farbholzschnitte und Schnitzereien aus den eigenen Beständen unter dem Titel "Aus der heiteren fließenden Welt".

Mehr zum Programm gibt es im Internet unter www.kunstsammlungen-museen.augsburg.de.
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