Erst auf den zweiten Blick anders

Augsburg: Agentur für Arbeit | Ein freundlicher junger Mann von 19 Jahren, Jeans, Turnschuhe, T-Shirt. Am 1. September hat er die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen bei der Agentur für Arbeit Augsburg begonnen. Auf den ersten Blick unterscheidet Mykola nichts von den anderen Auszubildenden. Erst wer sich mit ihm unterhält erfährt, dass er Mitte vergangenen Jahres mit seinen Eltern und seinem Bruder aus der Ukraine nach Deutschland gekommen ist und damals kein Wort Deutsch konnte.

„Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich diese Sprache lernen kann, denn ich habe kein Sprachtalent. Zwar kann ich russisch, ukrainisch und armenisch sprechen, aber Deutsch ist noch einmal etwas anderes“, erzählt Mykola, der in Armenien geboren und in der Ukraine aufgewachsen ist. Dennoch hat er sich durchgebissen und neben der Schule täglich weitere zwei bis drei Stunden diese Sprache gelernt. „Meiner Meinung nach ist Sprache ein wichtiger Punkt für die Integration. Ohne Deutsch kann ich weder einen Arbeits- noch einen Ausbildungsplatz bekommen“, fährt Mykola weiter fort.

Bei einem Gespräch in der Agentur für Arbeit stellte sich für ihn heraus, dass er die Ausbildung zum Fachangestellten für Arbeitsmarktdienstleistungen absolvieren möchte. Doch der Weg bis dahin war steinig. Aber er ist das Kämpfen gewohnt, macht er doch seit 12 Jahren die japanische Sportart Kyokushin Karate und hat dabei viele Erfolge erzielt, u.a. 12x ukrainischer Meister, Bronzemedaillengewinner der Weltmeisterschaft 2015 und inzwischen auch Bayerischer Meister. Seinen Sport bringt er seit diesem Jahr ehrenamtlich Kindern des ESV Treuchtlingen bei. Dort lebt er mit seiner Familie und fährt jeden Tag für seine Ausbildung nach Augsburg. „Das ist OK für mich. Ich bin froh, dass ich so schnell eine Ausbildungsstelle bekommen habe“, erzählt Mykola.

Inzwischen hat er sich in Deutschland eingelebt und mag an diesem Land, dass „jeder Mensch die gleichen Chancen hat, einen Beruf zu erlernen und jedem alle Möglichkeiten offen stehen. Außerdem helfen einem die Menschen, wenn man ein Problem hat“. Dennoch vermisst er seine Heimat, seine Freunde. „Aber wir stehen immer in Kontakt. Durch Handy und Internet ist das kein Problem.“ Jetzt freut er sich darauf, Neues zu lernen und weiter seine Karate-Trainingsgruppe aufzubauen.

Reinhold Demel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Augsburg: „Mykola ist ein positives Beispiel, wie Integration gelingen kann. Aber wie er selbst sagt, geht es ohne gute Deutschkenntnisse nicht.“
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