Erste-Hilfe-Kurs für Kinder mit und ohne Behinderung

Kleine Lebensretter: In einem Erste-Hilfe-Kurs des Roten Kreuzes lernen Kinder mit und ohne Behinderung, was im Notfall zu tun ist. Foto: Michael Ermark


"Wer weiß denn, was Erste Hilfe überhaupt ist und wann man sie braucht?", fragt Liane Deibler in die Runde von zehn Kindern zwischen sechs und 17 Jahren. An diesem Tag hält die Ehrenamtlerin des Kreisverbandes Augsburg-Land des Bayerischen Roten Kreuzes einen besonderen Erste-Hilfe-Kurs, denn gut die Hälfte ihrer Schüler haben eine geistige Behinderung.

Doch eine Herausforderung ist das für sie nicht: "Es macht vielleicht nicht den Eindruck, als würden alle Kinder immer aufmerksam dabei sein, das geht natürlich gar nicht, aber Sie werden beeindruckt sein, was jeder von ihnen heute mitnimmt.", erklärt sie. Damit hat sie Recht: Wer Kindern mit geistiger Behinderung nämlich nicht zutraut, dass sie dieselben Kursinhalte vermittelt bekommen können, die in einem "normalen" Kurs gelehrt werden, der liegt falsch.

Selbstverständlich scheint das Aufkleben eines Pflasters oder ein Notruf an den Rettungsdienst trivial zu sein, aber dennoch lässt Liane Deibler die Kinder jeden Schritt üben - für den Ernstfall soll alles sitzen. Sie bespricht außerdem, was zu machen ist, damit es erst gar nicht zu schwereren Verletzungen im Alltag kommen kann: "Wer von euch hat alles einen Fahrradhelm?", fragt sie und sofort gehen alle Finger der Kinder in der Runde nach oben. "Ohne Helm, lasse ich meine Mama gar nicht erst losfahren", verkündet Paul stolz. Der 15-jährige ist das erste Mal bei einer Aktion der Jugendgruppe der Offenen Behinderten Arbeit dabei. Er hat eine allgemeine Entwicklungsverzögerung, lässt sich davon aber bei den Erste Hilfe Übungen keineswegs einschränken. "Paul kennt sich echt gut aus", bemerkt Nathalie Deibler, eine ehrenamtliche Helferin," eigentlich bräuchte er den Kurs gar nicht." Paul grinst sie an und Nathalie lacht. Der ungezwungene, freie und fröhliche Umgang der Betreuer, aber auch der Kinder untereinander ist das Schlüsselelement.

Simone Falkenstein-Ruppert organisiert die Aktionen der OBA, wie die Offene Behindertenarbeit kurz genannt wird. "Wir freuen uns bereits, seit 30 Jahren unseren Teilnehmern ein buntes und abwechslungsreiches Programm zu bieten", stellt Falkenstein-Ruppert, die Leiterin der Rot-Kreuz OBA im Landkreis Augsburg zufrieden fest. Ein besonderes Highlight des Nachmittags bietet Alexander Schneiber den Kindern. Stolz zeigt er ihnen Fahrzeuge der Motorradstreife und erklärt die Aufgaben der ehrenamtlichen Motorradfahrer aus dem Landkreis. "Die haben alles dabei, was in einem Rettungswagen auch drin ist", erklärt er, "außerdem können sie bis zu 220 Stundenkilometer schnell fahren." Die Kinder sind beeindruckt und dürfen zur Krönung des Tages auch noch alle auf dem Motorrad und dem Rettungs-Quad des Kreisverbandes Augsburg-Land sitzen. Zudem zeigt Liane Deibler direkt im Anschluss noch, wie es in einem Rettungswagen von innen aussieht - sogar das Blaulicht darf einmal ausprobiert werden.

Ausflüge wie diese erfüllen für alle Teilnehmer einen doppelten Zweck: Da dieses Gruppenangebot auch von Kindern ohne Behinderung besucht wird, stehen die Kinder an diesem Nachmittag einmal nicht am Rande der Gesellschaft, sondern werden inkludiert. "Als Offene Behindertenarbeit ist es uns ein Anliegen, dass alle Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, an der Breitenausbildung teilnehmen können", sagt Falkenstein-Ruppert.

Und gelernt haben alle dabei auch noch etwas, denn ein perfekt abgesetzter Notruf und ein richtig angelegter Verband, können den Unterschied vom Pflasterkleber zum Lebensretter ausmachen. (ermi)
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