"Es steht geschrieben" - Ausstellung zur Heiligen Schrift in Augsburg

Eine Bibel in arabischer Schrift: Die Ausstellung zeigt auch durchaus kuriose Stücke, die aber immer auch dazu geeignet sind, den eigenen Blickwinkel auf das "Buch der Bücher" zu überdenken. Fotos: Markus Höck
 
Professor Roland Werner ist der Kurator der Ausstellung.

Die Bibel gilt gemeinhin als das "Buch der Bücher", zumindest im christlich-jüdisch geprägten Abendland. Dementsprechend heißt die Ausstellung, die ab 7. April im Augsburger Rathaus zahlreiche Bibelausgaben der Öffentlichkeit präsentiert, schlicht "Unser Buch".

Finster ist es geworden im Unteren Fletz des Rathauses. Zwischen den massiven Säulen reihen sich grüne Kästen, verdeckt von weißen Tüchern. Dicke, schwarze Stoffbahnen vor den Fenstern sperren alles Tageslicht aus, fast fühlt es sich an wie in einer Gruft. Doch dient der Mangel an Licht nur dem Schutz der Bücher, die im Erdgeschoss des Rathauses ihre vorübergehende Heimat finden sollen. Der Untere Fletz ist einer von drei Ausstellungsorten der Schau "Unser Buch", die vom 7. April bis 13. Mai in Augsburg zu sehen sein wird.

Auch nach der Reformation: Bibel ist und bleibt christliche Grundlage

Die Ausstellung, oder besser: interaktive Erlebniswelt stellt die Bibel in den Mittelpunkt. Anlass ist das 500. Jubiläum der Reformation, das auch in Augsburg groß begangen wird. Hinter der Ausstellung steht ein ökumenischer Trägerkreis, zu dem sich das Bistum Augsburg, das Evangelisch-Lutherische Dekanat, die Evangelische Allianz und die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen zusammengeschlossen haben. Sie alle haben unabhängig von Bekenntnis und Ausrichtung eine gemeinsame Mitte: die Bibel - und wie facettenreich, vielgestaltig die Bibel sein kann, will die Ausstellung vermitteln.

"Die Ausstellungsstücke sind sehr empfindlich; sie vertragen nur eine bestimmte Luxzahl", erklärt Professor Roland Werner die schwarzen Vorhänge. Werner ist Kurator der Ausstellung und selbst sehr gespannt, wie diese in Augsburg angenommen wird. "Wir haben uns miteinander auf ein Abenteuer eingelassen", sagt Werner.

Drei Orte - drei Schwerpunkte - ein Buch: die Bibel

Die meisten der 120 Exponate stammen aus dem "Museum of the Bible" in Washington DC. Thematisch ist die Ausstellung drei geteilt. "Auf der Suche nach einem geeigneten Ausstellungsraum in der Innenstadt wurden wir dank des Entgegenkommen der Stadt Augsburg im Unteren Fletz des Rathauses und in Ergänzung zum Hauptort in den Kirchen St. Moritz und St. Anna fündig", erklärt Pfarrer Bernd Fischer, der Sprecher des ökumenischen Trägerkreises. Im Unteren Fletz sind die Ausstellungsstücke unter "Die Bibel kommt in die Welt - Die Bibel geht in die Welt" zusammengefasst. Hier soll ein weiter Bogen geschlagen werden "von den ersten biblischen Texten auf Papyrus und Pergament bis hin zu den Übersetzungen in die vielen Sprachen unserer Tage", so Fischer weiter. In der Mitte der Ausstellungsfläche ist eine Agora eingeplant. Auf diesem "Marktplatz", was Agora übersetzt bedeutet, sollen die Besucher der Ausstellung miteinander in Kontakt kommen, etwa um Bibeln zu tauschen, wie Professor Werner erklärt.

In St. Moritz lautet das Thema "Mehr als Worte. Die Bibel und die Musik". Hier liege der Fokus auf dem gesungenen Wort Gottes, so Fischer. Die Exponate werden durch sakrale Musik im Kirchenraum zum Leben erweckt.

In der evangelischen St. Anna-Kirche geht es freilich vor allem um die Reformation. "Die Bibel wird Medium" lautet dementsprechend der Titel dieses Ausstellungsteils, der die Übersetzungen der Bibel in die deutsche Sprache vor und durch Martin Luther in den Mittelpunkt stellt. Hier gibt es unter anderem auch einen Nachbau einer Gutenbergpresse zu bestaunen, schließlich sind der Buchdruck und die Bibelübersetzungen historisch eng miteinander verwoben. Besucher können sich übrigens mit der Presse selbst Bibeltexte drucken und mitnehmen.

Bibel verbindet alle Christen

Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm, dass von Workshops für Kinder über Konzerte bis hin zu Bibelabenden reicht.
"Uns ist wichtig, das Verbindende herauszustellen, wie auch der Titel ,Unser Buch' zeigt. Wir wollen miteinander zeigen, dass die Bibel das gemeinsame Buch der Christen ist - orthodoxer, orientalischer, katholischer, evangelischer und freikirchlich-evangelischer gleichermaßen", hält Professor Werner fest.

Geöffnet ist die Ausstellung im Unteren Fletz montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Die Öffnungszeiten für St. Anna und St. Moritz sowie das Rahmenprogramm sind im Internet unter www.unser-buch-augsburg.de zu erfahren. Der Eintritt ist frei.
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