"Es war schon fünf vor zwölf": Stiftung Denkmalschutz spendiert 80 000 Euro für die Synagoge in Kriegshaber

Mit 80 000 Euro fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Sanierung und die Restaurierung der Synagoge in Kriegshaber. Das denkmalgeschützte Kleinod, das kurz vor dem Verfall war, wird seit Juni vergangenen Jahres ...

Mit 80 000 Euro fördert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Sanierung und die Restaurierung der Synagoge in Kriegshaber. Das denkmalgeschützte Kleinod, das kurz vor dem Verfall war, wird seit Juni vergangenen Jahres auf Vordermann gebracht. Ende 2013, spätestens jedoch Anfang 2014 soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein.

Die Sanierung der ehemaligen Synagoge stand viele Jahre auf der Agenda der Stadt. Mehr als zwei Jahrzehnte gab es bereits Pläne für die notwendigen Baumaßnahmen. Doch bevor man mit den Arbeiten beginnen konnte, ging eine lange Zeit der Planung voraus und die Frage, für welche Zwecke die Synagoge genutzt werden sollte. Erst vor rund einem Jahr startete die Stadt mit der Sanierung.

Gestern erhielt die Stadt eine kleine Geldspritze für die Sanierung: Denkmalpfleger Bernt von Hagen übergab im Namen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz einen Scheck an Bürgermeister Hermann Weber. Von Hagen ist schon seit Jahren Wegbegleiter des Projekts. Zusammen mit der „Glücksspirale“ brachte er insgesamt 80 000 Euro für das Projekt auf.

Die Sanierungskosten in Höhe von gesamt 1,6 Millionen Euro werden zur Hälfte von der Stadt finanziert. Für die andere Hälfte kommen die Städtebauförderung, der Bezirk Schwaben, der Entschädigungsfonds des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz auf.

Bei der Scheckübergabe informierte Bürgermeister Hermann Weber über den aktuellen Stand der Sanierung. Ende 2013 soll die Baumaßnahme abgeschlossen sein, jedoch hat man sich auch einen zeitlichen Puffer bis Anfang 2014 eingeplant. Begleitet wird das Projekt vom Städtischen Hochbauamt, dessen stellvertretender Leiter Norbert Reinfuss sagte, „die Sanierung kam gerade noch fünf vor zwölf“.

Die Synagoge befindet sich im Besitz der Stadt und soll künftig als Zweigstelle des Jüdischen Kulturmuseums in Augsburg genutzt werden. Erbaut Ende des 17. Jahrhunderts, zählt sie zu den orthodoxen Synagogen und wurde 1863 zur Reformsynagoge umgebaut. 1913 wurde sie erstmals renoviert.

Die Synagoge, die eine herausragende Bedeutung in der jüdischen Geschichte Schwabens innehatte, hat sich bis auf wenige Veränderungen bis heute erhalten. So sind aus der dreihundertjährigen Baugeschichte die Raumschale mit der bemalten Putztonne erhalten, die Frauenempore und der hölzerne Thoraschrein in Form einer Ädikula, die am Außenbau als Flacherker erscheint. An den Traufseitbau mit hohen Rundbogenfenstern schließt sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts ein Pultdachhaus an.

Über der Erdgeschosswohnung des Vorbeters liegt der zweigeschossige Kultraum, der in den 1920er Jahren neu bemalt worden ist. Über dem Haupteingang erscheint im Oberlicht der Davidstern. Die dreiseitige Frauenempore steht auf dünnen, von Kapitellen geschmückten Holzsäulen. Fünf schmale, von Gusseisen unterteilte Rundbogenfenster über flachen, violett gefassten Terrakotta-Konsolen tauchen den Kultraum beidseitig in helles Tageslicht.

Die Synagoge hatte zwar den Krieg ohne große Beschädigungen überstanden. Dennoch wäre bereits damals eine Sanierung dringend notwendig gewesen. Doch stattdessen wurde das sakrale Gebäude als Betsaal und als Lagerhalle genutzt. Weil die Wohnung des Rabbiners im Erdgeschoss lange Zeit vermietet und damit auch beheizt wurde, konnte die Sanierung hinausgezögert werden.

Durch die zukünftige Nutzung kann sich Kriegshaber spätestens in zwei Jahren wieder auf ein historisch wertvolles Gebäude freuen.
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