Faire Mode aus Augsburg

Die 28-jährige Birgit Fischer verkauft in Augsburg nachhaltige "Slow Fashion". Immer dabei: Plüschpferd Pferdinand. Foto: Anna Wilhelm

Kleidung muss nicht immer unter schlechten Bedingungen in Niedriglohnländern hergestellt werden: Immer mehr Geschäfte setzen auf nachhaltige Produktion vor Ort.

Leopardenfellwesten, Glitzeroberteile, pinke Schaufensterpuppen und ein buntes Plüschpferd: Angebot und Einrichtung sind in Birgit Fischers Laden alles andere als gewöhnlich. Auch mit ihrem Konzept des "Slow Fashion Stores" geht die 28-Jährige neue Wege. Slow Fashion - entschleunigte Mode - bedeutet, dass entgegen der Massenproduktion der Kleidungsindustrie der Fokus gesetzt wird auf nachhaltig produzierte und faire Bekleidung. Auch Second Hand spielt eine große Rolle im Angebot der Augsburgerin.

Der Laden von Birgit Fischer ist nur ein Beispiel. In Augsburg eröffnen derzeit immer mehr Modegeschäfte, die auf Massenware verzichten. Mitunter finden sogar Produktion und Vertrieb in Deutschland statt.

Birgit Fischer möchte auch diejenigen ansprechen, die bisher nur in Filialen der großen Ketten eingekauft haben. "Ich will es den Leuten leicht machen, nachhaltig einzukaufen." Genauso ungewöhnlich wie die junge Frau mit den blau gefärbten Haaren ist auch der Name ihres Ladens: Onimos. Was das bedeutet? Birgit Fischer überlässt die Antwort ihren Kunden. "Onimos ist, was jeder selbst darin sehen möchte", sagt die Jungunternehmerin und lächelt. Neben dem normalen Verkauf bietet Birgit Fischer die Möglichkeit an, in sogenannten "Oniboxen" die Klamotten ihrer Kunden zu verkaufen. Diese funktionieren wie eine Art Flohmarkt. Kunden können die Boxen für neun Euro pro Woche anmieten und bekommen 90 Prozent des Verkaufserlöses. Zehn Prozent behält die Augsburgerin für Tüten, Etikettieren und den Verkauf ein.

Die 27-Jährige ist der Überzeugung, dass es für die Gesellschaft und die Umwelt auf lange Sicht gesehen nötig sein wird, dass sich nachhaltige Mode gegen die Massenproduktion durchsetzt. Ein Anfang ist getan - und bisher findet das Konzept Fischer zufolge Anklang. Sogar ältere Menschen kaufen bei ihr ein, erzählt sie.

Nicht nur "kaufen, kaufen, kaufen"
Um Gesellschaft und Umwelt geht es auch Aline Weyel. Für sie steht der soziale Aspekt von Kleidung im Mittelpunkt. "Ich möchte die Menschen glücklich machen", sagt die 31-jährige Shop-Leiterin von Vintys. Der Laden, früher einmal ein Shop der Aktion Hoffnung, verkauft Second Hand Kleidung, die von Privatpersonen gespendet wurden. Deshalb gibt es bei Vintys auch kein festes Konzept - der Laden verkauft das, was gerade so gespendet wird.

"Die Menschen sollen mehr darüber nachdenken, woher die Kleidung kommt und den Wert davon schätzen lernen" - das wünscht sich die gerade mal 1,52 Meter kleine Geschäftsleiterin. Die Läden der Aktion Hoffnung gibt es auch in anderen Städten wie Nürnberg, Ettringen und bald auch in München. In jedem der Geschäfte engagieren sich viele Ehrenamtliche, die verschiedene Hintergründe haben. "Das Problem in unserer Gesellschaft ist, dass wir immer denken, wir müssen kaufen, kaufen, kaufen", betont Aline Weyel, die aufgrund ihrer Faszination zu Stoffen und dem Drucken Textil- und Grafikdesign studiert hat. Stattdessen empfiehlt sie, "unsere Erfüllung in etwas anderem zu suchen als im Einkaufen."

Wiederaufbau der heimischen Textilindustrie
Um mehr als um das bloße Einkaufen geht es auch Fabian Frei von Degree Clothing. Derzeit produziert das noch junge Augsburger Label in Portugal. Doch ab 2016 soll neben dem Vertrieb auch die Herstellung in Augsburg erfolgen. Im Moment stellt Degree, dessen Kleidung etwa auch Birgit Fischer verkauft, in der Fuggerstadt lediglich Mützen her. Freis Motivation: Nicht weniger als der Wiederaufbau der heimischen Textilindustrie. Zudem will der 2,13 Meter große Unternehmer ein Zeichen setzen gegen die schlechten Zustände in der Produktion im Ausland.

Fair in Deutschland produzieren, dafür ist vor allem die prominenteste Unternehmerin Augsburgs bekannt. Sina Trinkwalder eröffnete im April pünktlich zum fünften Geburtstag ihres Labels Manomama auch ihren ersten Laden in Augsburg am Moritzplatz. Mittlerweile beschäftigt die bekannte Geschäftsfrau 154 Angestellte in ihrer Firma. Neben der Produktion vor Ort kommen bei Sina Trinkwalder auch - so gut es möglich ist - alle Materialien aus Deutschland.
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