"Farewell" Fred Rai: 600 Menschen nehmen Abschied

Gestandene Männer kämpften mit den Tränen, als in der Western City die Gedenkfeier für Fred Rai abgehalten wurde. Gut 600 seiner Freunde und Wegbegleiter waren gekommen, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Fred Rai war am 24. April während eines Ausritts im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben.

Fred Rai war am 24. April während eines Ausritts im Alter von 73 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Der Sprecher der Western Stadt, Volker Waschk, moderierte die zweistündige Feier. Er dankte den Trauernden, die in den vergangenen Wochen ihre Anteilnahme per Brief oder Telefonat mitgeteilt hatten, und ebenso jenen, die das nicht taten: "In solchen Situationen fehlen die Worte. Es gibt keine passenden." Jeder einzelne habe eine persönliche Geschichte über Fred Rai, die er in seiner Erinnerung bewahren werde.

Aus den Ansprachen der zahlreichen Trauerredner wurde deutlich, dass alle der Wunsch vereint, dass Fred Rais Lebenswerk in seinem Sinne fortgeführt werden soll. Sowohl das Bundeszentrum für Rai-Reiten, als auch den Erlebnispark und die süddeutschen Karl-May-Festspiele wird es weiterhin geben. Fred Rais größtes Anliegen, nämlich die Botschaft zu transportieren, dass Pferde keinen Schmerzlaut haben, und der von ihm propagierte, gewaltfreie Umgang mit allen Kreaturen, werden von seinen "Erben" transportiert.

Gänsehaut-Ansprache: Eduard Oswald würdigt seinen Freund


Den ehemaligen Bundestagsvizepräsidenten Eduard Oswald und den Dasinger Cowboy vereinte eine jahrzehntelange Männerfreundschaft. Oswald klebte sogar Plakate für die Festspiele. So schien es selbstverständlich, dass er den Reigen der Trauerredner eröffnete, nachdem zunächst die Cavalry der Western City ihrem verstorbenen General die Ehre erwiesen hatte: "Für ihn war Inklusion schon selbstverständlich, als die Politik dieses Wort noch gar nicht kannte."

Oswald sagte, er müsse um passende Worte ringen. "Man kommt herein in die Western City und kann es nicht glauben, dass nicht irgendwo der Fred ist." Gemäß Fred Rais letztem Buch "Wiedersehen im Paradies" sei er sich sicher, so der Ex-Minister, dass "du, lieber Fred, im Paradies von unzähligen Pferden in Empfang genommen wurdest, die es dir verdanken, dass Menschen besser mit Pferden umgehen. Du bist nicht tot, du bist nur übergegangen in eine andere Welt. Unsere Welt hast du allzu früh verlassen. Du hattest noch so viel vor, so viele Ideen. Aber wie du diese Welt verlassen hast: So hast du es dir gewünscht, wenn es schon sein musste."

Oswald betonte das soziale Engagement des Verstorbenen. Dieser habe stets Menschen geholfen, die von anderen im Stich gelassen wurden: "Das schönste Denkmal, das ein Mensch bekommen kann, steht im Herzen seiner Mitmenschen. Fred, wir sind stolz auf dich."

Leutheusser-Schnarrenberger: "Fred Rai wird keine Fußnote"


Zu den Rednern gehörten auch die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. "Fred Rai wird keine Fußnote in unserer schnelllebigen Zeit. Die Werte, die ihm wichtig waren, bleiben", sagte sie und betonte, Fred Rai habe einen "Kampf David gegen Goliath geführt". Doch es würden immer mehr Menschen erkennen, wie sehr Pferde beispielsweise bei Turnieren litten, und das müsse nicht sein, auch nicht unter Gesichtspunkten des Wettbewerbs.

Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko würdigte Fred Rai als herzlichen Menschen, der echtes Interesse an seinen Mitmenschen gehabt habe und ein Botschafter nicht nur für die Region, sondern ganz Bayern und sogar Deutschland geworden sei: "Jeder kannte Fred Rai und seinen Spitzbub. Wir verneigen uns vor der Lebensleistung eines faszinierenden Menschen, dessen Botschaft vom friedvollen Umgang mit der Natur und allen Lebewesen wir in die Welt tragen sollten." Tomaschko schloss seine Ansprache: "Gute Reise ins Paradies."

Zwischen Trauer und Tornado


Landrat Dr. Klaus Metzger erklärte, derzeit durchleide der Landkreis schwere Zeiten. Doch sowohl der Abschied von Fred Rai als auch das schicksalhafte Ereignis des Tornados setzten Zeichen: "Wir lassen uns nicht unterkriegen, wir halten zusammen." Fred Rai habe ihn nach seinem Amtsantritt als einer der ersten angerufen und eingeladen: "Landrat, du musst bald bei mir vorbei kommen." Das habe er getan, so Metzger: "Fred Rai hatte immer eine Umarmung, immer ein gutes Wort." Das Wittelsbacher Land verdanke ihm nicht nur in touristischer Hinsicht "unendlich viel".

Anja Marks-Schilffarth vom bayerischen Fernsehen ist in Augsburg aufgewachsen und kannte Fred Rai, wie so viele, schon seit ihrer Kindheit. Die Journalistin berichtete deshalb aus dem Leben des singenden Cowboys, der mit seinen Spitzbuben über 7000 Auftritte absolviert und an mehr als 150 Fernsehshows mitgewirkt habe. Viele seien zu ihm als Besucher gekommen und als Freunde gegangen: "Er war schnell beim Du und meinte das ganz ehrlich." Bei ihm habe ein Handschlag noch etwas gegolten. Sie erinnerte an Westerncamps und die erfolgreiche Jugendarbeit des Entertainers. Über 8000 Ferienkinder waren im Laufe der über 35 Jahre, die die Westernstadt besteht, bei ihm zu Gast. Jeden Morgen habe er sie mit seiner Trompete geweckt und am Lagerfeuer auch Themen wie Drogen, Alkohol und Zigaretten nicht gescheut: "Er hat vieles erreicht, was Schule, Eltern und strenge Lehrmeister nie geschafft hätten." Man solle in seinem Sinne "fröhlich weitermachen." Fred Rai habe gelebt wie ein Cowboy und sei auch gestorben wie ein Cowboy. Sein Ableben sei "ein Schock für alle, aber für ihn ein schöner, wenn auch zu früher, Tod."

"Kaum einen Menschen, der sich sofür seine Überzeugung einsetzt"


Dr. Margit Zeitler-Feicht von der Universität Weihenstephan gilt als führende Verhaltensforscherin für Pferde. Sie berichtete, wie sehr sich Fred Rai gefreut habe, als im vergangenen Jahr Untersuchungen für zwei Masterarbeiten belegten, dass seine Art, zum Leittier eines Pferdes zu werden und dadurch dessen Vertrauen zu erlangen, tierschutzgerecht sei. Schon während der 15-minütigen Dominanzarbeit sei messbar, dass die Tiere sich entspannten und geborgen fühlten. "Fred Rai war ein großer Pferdefreund und -experte. Ich kenne kaum einen Menschen, der sich so voller Energie und Tatkraft für seine Überzeugung einsetzt, wie er."

Die Gedenkfeier wurde musikalisch umrahmt von Klaviermusik, Kristine Knittel, die Ave Maria sang, Ricardo Ross, der "My Way" anstimmte - ein Lied, das Fred Rai demnächst auf CD herausbringen wollte, und Fred Rais Interpretation des Roy-Rogers-Song "Happy Trails": "Happy trails to you until we meet again - Happy trails to you, keep smiling until then - Who cares about the clouds when we're together? - Just sing a song and bring the sunny weather - Happy trails to you until we meet again."
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